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Extremwetterkongress 2009: Kann die Erde zum Schneeball werden?


23.02.2009 (J. Wagner) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.sxc.hu

Bereits zum vierten Mal fand vom 19. bis 21. Februar 2009 der Extremwetterkongress statt. Der Veranstaltungsort war erstmalig das „Klimahaus 8° Ost“ in Bremerhaven. Leider stand das Gebäude nicht wie geplant zwei Wochen vor seiner Öffnung, sondern befand sich noch mitten in den Bauarbeiten. Geplant und durchgeführt wurde die Veranstaltung wie in den letzen Jahren von dem in Hamburg ansässigen Institut für Wetter- und Klimakommunikation.

Im Mittelpunkt des Interesses standen diesmal Vorträge zu den Abschmelzprozessen auf Grönland und in der Arktis. Auch die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf Flora, Fauna und Wirtschaft wurden thematisiert. Außerdem konnten sich die Teilnehmer natürlich über extremes Wetter, dessen Vorhersage und wie die Menschen davor geschützt werden können, informieren. Am 20. Februar 2009 wurde außerdem zum dritten Mal der Medienpreis für Meteorologie vergeben. Er würdigt die besten Wetterpräsentationen und Reportagen zu Wetter und Klima in Funk, Fernsehen, Print und Internet. Gewonnen haben dieses Jahr Gunther Tiersch, Leiter der Wetterredaktion beim ZDF, die Sendung „SF Meteo“ des Schweizer Fernsehens, die Sendung „Hitwelle am Nachmittag“ von Radio Hitwelle, der Beitrag „Klimawandel und Wetter – Auswirkungen auch für Wilhelmshaven“ von Maik Michalski und die Internetseite „www.wetter3.de“.

Neben den bereits erwähnten Themen beschäftige sich ein Vortrag beispielsweise mit der Frage, ob die Erde zum Eisball werden kann. Bereits im Jahr 1957 diskutierte der Astrophysiker Fred Hoyle diesen Prozess in seinem Science-Fiction-Roman „Die schwarze Wolke“. Professor Doktor Jochem Marotzke, geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, untersuchte nun, was passiert, wenn sich die Sonne plötzlich abschaltet. Die Erde friere dann tatsächlich innerhalb von etwa 15 Jahren komplett zu. Selbst wenn sich die Sonne danach wieder einschalten würde, taue der Planet nur bei der hundertfachen Menge der heutigen Kohlendioxid-Konzentration wieder auf.

Ein anderer Vortrag ging der Frage nach, ob Grönland abschmelzen wird. Die Untersuchung von Doktor-Ingenieur Hans Oerter, Glaziologe beim Alfred-Wegener-Institut, zeigt, dass zwar mehr Schnee auf Grönland fällt, aber infolge der allgemeinen Erwärmung haben sich auch die Abtauprozesse verstärkt. Doch es besteht kein Grund zur Sorge, denn selbst bei einem Temperaturanstieg von sieben Grad wäre die Insel erst im Jahr 5000 eisfrei.

Thematisiert wurde auch wieder die Kommunikation zwischen Meteorologen, Medien und Menschen. Eine Befragung der „Donnerwetter.de GmbH“ zeigt, dass Unwetterwarnungen größtenteils nicht ernst genommen werden. Ursache ist, dass die Bevölkerung unter Unwetter meistens eine Katastrophe versteht und teilweise sogar enttäuscht ist, wenn das Wetter nicht so schlimm war wie vorhergesagt. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit bei einer Hitzeperiode oder Schnee und Glätte zu sterben viel höher als bei einem Orkan.

Am dritten und letzten Tag, dem 21. Februar 2009, wurde schließlich noch ein Höhepunkt präsentiert, eine sogenannte Hagelschutzkanone. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das Stoßwellen in die Atmosphäre schießt. Die sorgen dafür, dass die Prozesse in den Gewitterwolken so gestört werden, dass sich kein Hagel bilden kann und lediglich Regen oder Nassschnee fällt. Hergestellt werden die Kanonen von dem belgischen Unternehmen „Inopower“, dessen Geschäftsführer Marnix Van Praet den Vortrag hielt. Danach konnten die Teilnehmer des Kongresses das Produkt selbst in Augenschein und „Ohrenschein“ nehmen, denn alle sieben Sekunden wurde eine Explosion erzeugt.

Da an dem Kongress nicht nur Meteorologen und andere Naturwissenschaftler teilnehmen, sondern auch Journalisten, Moderatoren, Studenten, Schüler und Interessierte, bietet er jedes Jahr wieder eine breite Diskussionsplattform zum Thema extremes Wetter und Klimawandel. Die Vorträge sind verständlich formuliert und sollen somit nicht nur über den aktuellen Stand der Wissenschaft informieren, sondern auch gezielt Interesse wecken. Gerade das ist notwendig in einer Gesellschaft, in der nach Nachwuchswissenschaftlern gesucht wird. Der Kongress leistet dazu einen Beitrag, da die Meteorologie auch Bereiche der Chemie, Physik, Biologie und ingenieurwissenschaftlicher Richtungen streift.



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