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Denken Sie an Fußball, so denken Sie wahrscheinlich an Ihren Lieblingsverein, an Stadionbesuche, an Bier und Wurst. Kaum einer wird an Homosexualität denken. Fußball gilt selbst im 21. Jahrhundert immer noch als Männerdomäne. Betrachten Sie sich den deutschen Profifußball, so werden Sie feststellen, dass es noch kein einziges „Coming-Out“ gegeben hat. Der bekannteste Fall in Deutschland war der von Heinz Bonn. Er war in den siebziger Jahren Bundesligaprofi beim Hamburger Sportverein (HSV). Der Fußballer des HSV wurde 1991 tot in seiner Hannoverschen Wohnung gefunden, erstochen von einem Strichjungen.
Heinz Bonn wurde ermordet, noch bevor er sich zu seiner sexuellen Gesinnung äußern konnte. Erst nach seinem Tod kam heraus, dass er homosexuell war. Der Fußballer hatte sehr darunter zu leiden, dass er sich zu seiner Gesinnung nicht äußern konnte. Der Bundesligaprofi galt beim HSV als harter aber fairer Spieler. Einerseits hart, andererseits homosexuell zu sein, das passte jedoch nicht ins Bild vieler Fußballfans und Mannschaftskameraden. Aber wieso nicht? „Schwule“ gelten nach den heutigen Klischees als weiblich und sensibel. Genau dieses Bild passt nicht in den vorgefertigten Rahmen der Fußballfans. Die Spieler haben Angst vor einem „Outing“, weil sie befürchten in den Stadien ausgepfiffen zu werden. Sie haben Angst vor Konsequenzen im Verein, vor Mitspielern oder Funktionären.
Was genau passieren kann, zeigt der Fall von Justin Fashanu, der Anfang der achtziger Jahre für den englischen Erstligisten Nottingham Forrest spielte. Der Brite versuchte mit einer heterosexuellen Beziehung von seiner Homosexualität abzulenken. Als das allerdings zu seinem damaligen Trainer durchdrang, entließ er den Sportler. Seine Karriere sollte sich von diesem Knick nicht mehr erholen. Justin Fashanu verkaufte sein „Coming-Out“ 1989 für circa 100.000 Euro an die Zeitung „The Sun“. Im Jahr 1998 wurde er in den USA beschuldigt einen 17-jährigen vergewaltigt zu haben. Er bestritt die Anschuldigung, wodurch er zwar nicht vor Gericht, aber von den Medien verurteilt wurde. Am 2. Mai 1998 wurde Justin Fashanu erhängt in seiner Garage in Großbritannien gefunden. In seinem Abschiedsbrief gab er an, unter dem Druck zu leiden, sowohl „schwul“ als auch prominent zu sein.
Doch zurück nach Deutschland: Der Boom um die Nationalmannschaft ist nach wie vor ungebrochen. Selbst in den Reihen des Nationalteams soll es laut Corny Littmann (Präsident des Fußball Zweitligisten FC St. Pauli und selbst „schwul“) Homosexuelle geben. Um den Schein der Homosexualität zu wahren, gibt es Agenturen, die den Fußballern Frauen an die Seite stellen, nur um als nicht homosexuell zu gelten. Corny Littmann meint, dass wenn sich eine Persönlichkeit wie Franz Beckenbauer als ‚schwul’ äußern würde, es die Nachfolgenden um einiges leichter hätte, da er eine große Vorbildfunktion besitze. Er glaube aber, dass es noch circa zehn Jahre dauern werde, bis sich jemand „oute“.
Äußerungen wie vom Trainer des 1. FC Köln, Christoph Daum, tragen ebenfalls dazu bei, dass homosexuelle Fußballer es nicht wagen sich zu „outen“. Er stellte klar, dass gegen jegliche gleichgeschlechtliche Bestrebungen im Fußball vorgegangen werden müsse. Den Vorschlag des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Doktor Theo Zwanziger, den Fußball stärker für Homosexualität zu sensibilisieren, wies Christoph Daum zurück. Seine Aussage relativierte Christoph Daum jedoch kurze Zeit später, indem er sagte, dass Kinder vor sexueller Gewalt sowohl von homosexuellen als auch von heterosexuellen Menschen geschützt werden sollten.
Als Fazit kann ein Zitat von Yves Eigenrauch, Ex-Profi von Schalke 04, herangezogen werden. Er meint: „Es muss homosexuelle Spieler im Profifußball geben. So konservativ, wie sich der Sport darstellt, erführe die betreffende Person aber sicherlich eine große Ablehnung.“ Eine Aussage, die donnernd wie eine Kanonenkugel ist, aber in der heutigen Zeit immer noch die Wahrheit widerspiegelt.
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