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Schock: Mineralwasser ist mit Hormonen belastet


03.04.2009 (E. Nitzsche) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.pixelio.de

Für Aufsehen sorgte die im März 2009 veröffentlichte Studie von Professor Jörg Oehlmann und Doktorand Martin Wagner am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität (Vielfalt) an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Die beiden Forscher untersuchten 20 verschiedene Mineralwassersorten auf ihre Belastung mit sogenannten Umwelthormonen und erzielten erschreckende Resultate. Die veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Pollution Research“ (Umweltwissenschaft und Verschmutzungs-Forschung).

Die überraschenden Ergebnisse kommentierten die beiden Biologen so: „Zu Beginn unserer Arbeiten hatten wir nicht erwartet, eine so massive östrogene Kontamination in einem Lebensmittel vorzufinden, das strengen Kontrollen unterliegt. Allerdings mussten wir feststellen, dass Mineralwasser hormonell betrachtet in etwa die Qualität von Kläranlagenwasser aufweist.“ Bei den Untersuchungen fanden sie in zwölf der zwanzig Flaschen eine erhöhte Hormonbelastung vor. Unter anderem konnte ein dem weiblichen Sexualhormon Östrogen gleichendes chemisches Molekül aus dem Wasser isoliert werden. Es ist die Plastikkomponente Bisphenol A, welche aus Polycarbonat-Flaschen (PET-Flaschen) auslaugt und im Wasser gelöst wird.

Dadurch lässt sich auch das Ergebnis der Forscher erklären, dass Plastikflaschen doppelt so stark belastet sind wie Glasflaschen. Selbst Leitungswasser, welches zum Vergleich herangezogen wurde, wies eine geringere Belastung auf. Hinzu kommt, dass das Wasser mit mehreren Hormonen belastet ist. In der Realität hätten die Menschen es mit einer Vielzahl von Umwelthormonen und nicht mit einer einzelnen Chemikalie zu tun, so Jörg Oehlmann.

Ein gesundheitliches Risiko bei Trinken des Mineralwassers konnten die Wissenschaftler noch nicht abschätzen. „Unsere Ergebnisse belegen zwar, dass wir mit einer größeren Menge an Umwelthormonen in Kontakt kommen als bisher vermutet, allerdings wissen wir noch nichts über deren Aufnahme und Abbau im menschlichen Körper“, erklärt Jörg Oehlmann. Die Auswirkungen werden nun von dem Forscherteam untersucht. Dennoch wird bei Schwangeren und Babys sowie Kleinkindern vor Mineralwasser in Plastikflaschen gewarnt. Gerade bei ihnen reagiert der Körper sensibler auf Hormonschwankungen.

Eine Entwarnung gibt es also nicht. „Wenn sich herausstellt, dass das Auslaugen von Endokrinen Disruptoren aus Kunststoffverpackungen ein generelles Phänomen ist, würde dies bedeuten, dass nahezu die gesamte Bandbreite unserer Lebensmittel hormonell belastet ist“, warnt Jörg Oehlmann. Das heißt, dass die in den Plastikverpackungen enthaltenen Chemikalien bei Aufnahme den menschlichen Haushalt aus dem Gleichgewicht bringen können. Nun bleibt abzuwarten und zu hoffen, denn ansonsten müssen die Menschen nicht nur ihre Trinkgewohnheiten umstellen, um der Verpackungsindustrie ein Zeichen zu setzen.



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