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Der Fußball hat sich in den letzten Jahren einem enormen Wandel unterzogen. Angesichts eines allgemein hohen Niveaus an Fitness und Technik der Spieler haben sich die Mannschaften national und international in ihrem Leistungsvermögen stark angenähert. Somit steht nicht mehr allein die Leistungsfähigkeit der Spieler im Mittelpunkt, sondern immer mehr der Faktor „Leistungsbereitschaft“. In welchem Umfang können die Spieler das, was sie eigentlich zu leisten im Stande sind, tatsächlich auf dem Platz umsetzen? In Folge dessen rückt ein Begriff besonders in den Mittelpunkt: die Motivation.
Die Frage, warum Menschen etwas tun oder nicht tun und wie intensiv sie etwas erledigen, war Jahrhunderte lang ein Thema der Philosophen. Auch in der Fußballwelt ist der Begriff inzwischen kein Fremdwort mehr. Das erfolgreiche Abschneiden der von Jürgen Klinsmann und Joachim Löw trainierten deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2006 hat gezeigt, dass eine hochmotivierte Mannschaft zu Höchstleistungen fähig sein kann. Doch nicht immer zeigen sich die Spieler auch empfänglich für die unternommenen Motivationsversuche. Eine bittere Erfahrung, die Jürgen Klinsmann bei seiner Entlassung als Trainer des FC Bayern München im April 2009 machen musste.
Die Gründe für das Scheitern eines Motivationskonzepts sind vielfältig. So gestaltet es sich schwieriger, erfolgsverwöhnte Mannschaften wie den FC Bayern zu motivieren. Siege über schwächere Gegner reichen als Belohnung nicht mehr aus, sondern werden als Selbstverständlichkeit angesehen. Hier bedarf es einer anderen Vorgehensweise, um die Spieler zu erreichen. Daher kann es gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller durchaus hilfreich sein, junge und erfolgshungrige Kicker aufzustellen, die überaus engagiert zur Sache gehen. Hierbei besteht allerdings die Gefahr, den Bogen zu überspannen und die jungen Talente zu großem Druck auszusetzen.
Die richtige Dosierung motivationsfördernder Mittel ist deshalb das A und O. Wird zuviel gelobt, stellt sich schnell ein hoher Grad an Zufriedenheit ein, was sich negativ auf die Leistungsbereitschaft auswirkt. Bei zuviel Tadel oder Nicht-Berücksichtigung eines Spielers sinkt dagegen dessen Lust am Spiel. Hierbei wird von Trainer und Betreuerstab viel Fingerspitzengefühl verlangt. „Wenn ich sportlich keinen Grund habe, einen Spieler auszutauschen, muss ich ihn spielen lassen. Sonst bremse ich gar seine Leistung“, erklärt Motivationstrainer Peter Boltersdorf die Situation.
Jeder Spieler reagiert unterschiedlich auf eingehende Motivationsversuche. So ist es nicht immer allein die Lust am Sieg, die die Akteure zu Höchstleistungen antreibt. Sitzen beispielsweise Familienangehörige eines Fußballers im Stadion, bewirken Sätze wie „Lasst uns so spielen, dass unsere Kinder heute stolz auf uns sind“ einen enormen Leistungsschub. Wichtig für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Spielern ist es, deren Bedürfnisse genau zu kennen und dementsprechend zu reagieren.
Die Frage, ob Jürgen Klinsmanns Motivations-Konzept auf lange Sicht auch bei den Bayern erfolgreich gewesen wäre, lässt sich nicht mehr beantworten. Zu schnell und zu ungeduldig unterschrieb die Münchener Führungsetage die Entlassungspapiere des Schwaben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Motivation im Sport wahre Wunder vollbringen kann. Doch nicht immer lässt sich die Theorie auch sofort auf die Praxis übertragen. Eine erfolgreiche Umsetzung benötigt Zeit – ein Luxusgut, welches im schnelllebigen Fußballgeschäft allerdings selten zur Verfügung steht.
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