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Sri Lanka: Freiheitstiger endgültig erlegt?


17.04.2009 (K. Gudd) Kategorie: Welt

Bild: maps.google.de

Auf einem Motorrad fahrend soll er sich genähert und just in dem Moment, als Postminister Mahinda Wijesekara die Moschee betreten wollte, seinen Sprengsatz gezündet haben. Bei dem Selbstmordattentat vom 10. März 2009 in der Stadt Akuressa südlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo sind nach offiziellen Angaben fünfzehn Personen getötet und mindestens 60 verletzt worden. Laut einem Regierungssprecher schwebt der Postminister noch immer in Lebensgefahr. Für die grausame Tat sei die radikale LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verantwortlich.

Genau fünf Tage vor dem Attentat meldete die tamilische Seite, dass bei einem Beschuss der „Sicherheitszone“ im Nordosten Sri Lankas 70 Zivilisten durch das Militär getötet wurden. Weder wurden diese Geschehnisse von der Regierungsseite bestätigt, noch bekannte sich die LTTE zu den Tatvorwürfen des Attentats auf den Postminister. Seit dem Rückzug der britischen Truppen und der Unabhängigkeit des Landes 1948, entflammte ein Konflikt zwischen der regierenden buddhistischen Singhalesen-Mehrheit und der hinduistischen tamilischen Bevölkerungsminderheit im Norden. Den etwa 800.000 Tamilen wurde das Wahlrecht und die Staatsbürgerschaft entzogen. Die tiefgreifenden ethnischen und sozialen Differenzen zwischen den beiden Konfliktparteien mündeten 1983 in einen Bürgerkrieg.

Aus ihrem Rückzugsgebiet im Norden des Landes steuerten die militärisch unterlegenen tamilischen Freiheitskämpfer der LTTE immer wieder terroristische Gewaltakte und machten so auf ihre Forderung nach einem eigenen Staat aufmerksam. Die Regierung schreckte im Rahmen der von ihr erlassenen Notstandsgesetze nicht davor zurück, Kritiker auf effektive Art und Weise verstummen zu lassen. Ein 2002 geschlossener und 2006 erneuerter Waffenstillstand wurde von beiden Seiten konsequent ignoriert. Die Ereignisse im März 2009 deuten nicht auf ein baldiges Ende der Feindseligkeiten hin.

Seit Anfang des Jahres 2009 hatte die Armee die Aufständischen in ein 55 Quadratkilometer kleines Gebiet im Norden des Landes zurückgedrängt. Überraschenderweise ist der Bürgerkrieg, der nach aktuellen Zahlen 100.000 Menschen das Leben gekostet hat, seit Ende Mai 2009 offiziell beendet. Wie es nun weitergeht, nachdem sich die eingekesselten LTTE-Rebellen gegenüber der militärischen Übermacht ergeben und ihre Waffen niedergelegt haben, ist derzeit ungewiss. Solange die tamilische Bevölkerung im Norden weiterhin benachteiligt wird, besteht die Gefahr einer Neuformierung der Aufständischen im Untergrund.

Die Anzeichen, dass in Sri Lanka auf Dauer Ruhe, Frieden und vor allem Freiheit für die ganze Bevölkerung herrschen werden, stehen trotz der erfolgreichen staatlich organisierten Militäroffensive eher schlecht. Anstatt sich um die Wiedereingliederung der Flüchtlingsmassen in die Gesellschaft zu kümmern, begannen die Regierungstruppen eine erbarmungslose Suche nach übrig gebliebenen Feinden. Unklar ist dabei, mit welchen Methoden zwischen unschuldigen Zivilisten und heimlichen Unterstützern der Rebellen unterschieden wird. Laut Angaben des Internationalen Roten Kreuzes und der internationalen Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ ist die Lage von circa 150.000 Zivilisten, die im ehemaligen Kampfgebiet eingeschlossen waren, katastrophal.

Kürzlich wurde eine von Deutschland vorgeschlagene EU-Resolution zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen von den Vereinten Nationen abgelehnt. Stattdessen wurde der Regierung in Sri Lanka zugestanden, selbst entscheiden zu dürfen, wann, wo und wie internationale Hilfsorganisationen ihre Arbeit aufnehmen können. Bleibt die ökonomische Situation und die Sicherheitslage der tamilischen Zivilbevölkerung aufgrund staatlicher Willkür weiterhin so prekär, ist nicht auszuschließen, dass die LTTE-Tiger in Zukunft noch einmal zu den Waffen greifen.



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