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Bernhard Grzimek - Das Leben einer Legende


24.04.2009 (E. Nitzsche) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.pixelio.de

Am 24. April 2009 ist Bernhard Grzimeks 100. Geburtstag. Auch wenn der in Oberschlesien geborene Visionär nicht mehr unter den Lebenden weilt, so ist er noch lange nicht vergessen. Zu einer Zeit, wo alle an Wirtschaft und Industrie dachten, wurde ihm schon folgendes bewusst: „Die meisten Ziele, für die Menschen leiden und sterben, sind so rasch vergänglich. Die Natur aber bleibt ewig wichtig für uns.“ Er war der erste Deutsche, der sich für Natur- und Artenschutz einsetze.

Über einige Umwege gelangt der Veterinärmediziner mit seiner Familie nach Frankfurt am Main, wo er am 1. Mai 1945 zum Direktor des Zoologischen Gartens ernannt wurde, welcher nach den Bombenangriffen sehr ramponiert war. Doch das sollte den Tierarzt nicht davon abhalten, den Zoo nach einem Monat neu zu eröffnen. Sein Fleiß erzielte Erfolg: Ende des Jahres 1945 wurden mit mehr als 500.000 Menschen doppelt so viele Besucher wie in den Vorkriegsjahren gezählt. Bis Ende 1947 war der Zoo sogar Hessens größter Vergnügungspark. Fütterungsverbot, Tierbeschilderungen, sowie gitterlose Käfige sind auf den Verhaltensforscher zurückzuführen.

Um neue Tiere für den Zoo zu fangen und das Verhalten in freier Wildbahn für eine artgerechte Haltung zu erforschen, reiste er nach Afrika. Schon damals fiel ihm auf, dass die schnell wachsende Bevölkerung den Wildtieren den Lebensraum stiehlt. So beschloss er, die Menschen darauf aufmerksam zu machen. Er reiste noch viele Male mit seinem Sohn Michael in den Nationalpark Serengeti in Tansania. Dafür lernten die beiden Flugzeug fliegen. Sie zählten als erste Forscher die Anzahl der Herdentiere aus der Luft und verfolgten ihre Wanderrouten. So konnten Schlüsse auf den Lebensraum und das Verhalten der Tiere gezogen werden. Zusätzlich jagten sie aus der Luft Wilderer. Mit Hilfe von Rauchbomben markierten die beiden die Standorte der Verbrecher, sodass die Nationalparkbehörden einschreiten konnten.

Die ganze Welt sollte auf die Lage von Serengeti, die beispielhaft für ganz Afrika stand, aufmerksam gemacht werden und so entschloss sich der Zoodirektor einen Dokumentarfilm zu drehen. Doch während der Dreharbeiten passiert am 10. Januar 1959 ein tragischer Unfall: Michael Grzimek kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Nun stand sein Vater vor der schwierigen Entscheidung, ob er die Dreharbeiten abbrechen sollte. Er entschied sich für den Film. Noch am gleichen Tag wurde Michael Grzimek am Fuße des Ngorongoro-Kraters begraben. Die Grabsteininschrift lautet: „Er gab alles, was er hatte, sogar sein Leben, für die wilden Tiere Afrikas.“

Nach dem Motto lebte auch sein Vater weiter. Für seine Dokumentation „Serengeti darf nicht sterben“ bekam er 1959 als erster Deutscher nach dem Krieg einen Oscar. Das Buch zum Film wurde in über 21 Sprachen übersetzt und millionenfach produziert. Nur ein Satz im Vorwort des Buches lässt Bernhard Grzimeks Verlust erahnen: „Ich wünsche allen Vätern, dass sie einen Sohn haben mögen, der ihr Kamerad und Freund ist und der sich mit Ihnen versteht. Und wenn es auch nur für einige Jahre ist.“

Weitere Erfolge erzielte der Tierfilmer und Herausgeber von Tierbüchern in den 60er- und 70er Jahren durch die berühmte Fernsehreihe „Ein Platz für Tiere“, in welcher er in über 175 Sendungen immer ein Tier aus seinem Zoo mitbrachte. Dort prangerte er nach einem traditionellen „Guten Abend, meine Freunde“ Massentierhaltung, Tierquälerei und Ähnliches an. Bei einer Einschaltquote von über 70 Prozent kamen durch Spenden 30 Millionen Deutsche Mark für den Naturschutz zusammen.

Am 13. März 1987 starb der Visionär bei einer Zirkusvorstellung an einem Herzinfarkt. Seine Beisetzung erfolgte kurz darauf in Tansania, neben seinem Sohn Michael. Noch heute ist Bernhard Grzimeks Erbe am Leben: der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND), Rangerschulen zum Schutze von Nationalparks und Tourismus in Afrika – um nur ein paar Punkte zu nennen. Nicht nur der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker betitelte Bernhard Grzimeks Arbeit als „unschätzbaren Beitrag zur Wahrung der Schöpfung“. Nun liegt es an den Menschen sein Erbe zu erhalten.



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