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Kater, Korn und Kaffeepause - Morgens halb zehn in Deutschland


29.04.2009 (A. Zeuschner) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.sxc.hu

Es ist 9.30 Uhr und Max Mustermann sitzt verschwitzt vor einem Berg von Akten, als ihn wieder einmal der Drang übermannt. Er verspürt ein zunehmendes Verlangen, das ihn nicht zur Ruhe kommen lässt und gestillt werden will. Alles Ignorieren nützt nichts. Seine Hände beginnen bereits zu zittern, als er hastig die unterste Schreibtischschublade öffnet und von ganz hinten eine kleine Flasche hervorholt. Herr Mustermann nimmt erst einmal einen großen Schluck. Langsam wird er wieder ruhiger und geht seiner gewohnten Arbeit nach, als wäre nichts gewesen.

Die beschriebene Situation ist in deutschen Unternehmen nicht ungewöhnlich. Mittlerweile geht es jedem fünften Arbeitnehmer wie Max Mustermann. Viele kommen bereits verkatert zur Arbeit und glauben sogar, dass sie ohne regelmäßigen Alkoholkonsum den täglichen Arbeitsstress nicht bewältigen können. Nach Angaben der Betriebskrankenkassen kommen jährlich allein durch Alkoholmissbrauch in Deutschland mehr als 40.000 Menschen zu Tode. Etwa ein Drittel davon stirbt während der Arbeit. Dabei gefährden Süchtige oftmals nicht nur sich selbst, sondern auch andere, wenn sie beispielsweise Busfahrer, Arzt oder Pilot sind.

Besonders gefährdet für Alkoholsucht sind aber auch andere Berufsgruppen, die täglich mit Stress konfrontiert sind. Dazu zählen beispielsweise Topmanager, Journalisten und Polizisten. Hier wird überdurchschnittlich oft zur Flasche gegriffen. Allein beim Bundesnachrichtendienst gibt es so viele Alkoholkranke, dass in München eine eigene „Abschiebestation“ eingerichtet werden musste. Hier werden Mitarbeiter untergebracht, die erhebliche Alkoholprobleme haben und über zu viele sensible Daten verfügen, um sie einfach so in die Gesellschaft zu entlassen.

Alkoholsucht wird in den meisten Unternehmen leider viel zu oft als gegeben hingenommen. Erste Anzeichen wie ein ungepflegtes Erscheinungsbild, Unzuverlässigkeit, Nervosität oder andere körperliche Entzugserscheinungen werden meist ignoriert. Dabei sollte sich der Vorgesetzte darum bemühen das Suchtverhalten frühzeitig zu erkennen und Lösungsangebote machen, denn er trägt eine Mitverantwortung für seine Mitarbeiter. Selbst wenn er dauerhaft mahnt, ist er arbeitsrechtlich doch Mitschuldiger, wenn ein Mitarbeiter in alkoholisiertem Zustand einen Arbeitsunfall hat, sofern er ihn so arbeiten lässt.

Jeder Mitarbeiter ist aber auch für sich selbst verantwortlich. Gelegenheit zum Trinken gibt es immer. Bereits in einem Unternehmen mit 100 Angestellten gibt es so fast jeden Tag etwas zu feiern. Da heißt es: sich selbst unter Kontrolle halten. Viele trinken jedoch mit, um nicht als arrogant oder schwach zu gelten. Häuft sich der Alkoholkonsum durch Unzufriedenheit, Sorgen oder Ähnlichem, ist der Weg in die Sucht frei.

Nachdem 1983 Alkoholismus offiziell als Krankheit anerkannt wurde, führten 700 von 800 Großunternehmen Suchtberatungsstellen ein. Grundsätzlich dürfen Alkoholiker nicht aufgrund ihrer Krankheit entlassen werden, sondern müssen angemessene Rehabilitationsmöglichkeiten erhalten. Trotzdem wird jede sechste Kündigung aufgrund von Alkoholproblemen ausgesprochen. Herr Mustermann sollte sich daher überlegen, die Notbremse zu ziehen und sich seine Sucht einzugestehen. Die Selbsterkenntnis ist immer der erste Schritt in ein neues, suchtfreies Leben. Deutschlandweit gibt es eine Reihe guter Beratungsstellen, bei denen er sich kompetente Hilfe suchen kann. Unter www.alkohol-hilfe.de sind jederzeit Informationen über Beratungsstellen und weitere Hilfsangebote abrufbar.



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