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Bundestag und Bundesrat haben 1998 im Rahmen der Novellierung des Filmförderungsgesetzes in einer Entschließung angeregt, eine Öffnung von Videotheken auch an Sonn- und Feiertagen durch die entsprechende Änderung der Sonn- und Feiertagsgesetze der Länder zu ermöglichen.
Seither wird in den Ländern heiß diskutiert und es kommt zu manch schwer nachvollziehbaren Entschlüssen. In Hessen beispielsweise haben in Mainz die Videotheken sonntags geöffnet, während sie in der Nachbarstadt Wiesbaden geschlossen bleiben müssen. Das haben die dort amtierenden Parteien jeweils so entschieden.
Generell ist zu sagen: Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es sicher nicht falsch, die Videotheken an Sonn- und Feiertagen zu öffnen, es würde Arbeitsplätze schaffen und die Videotheken wären nicht mehr im Nachteil gegenüber dem Kino, dem Pay-TV und den Downloads im Internet.
Im Großen und Ganzen also ein gutes Vorhaben. Jetzt aber meldet sich die Kirche zu Wort!
„Tage der Arbeitsruhe, der seelischen Erhebung, der Gottesverehrung und der körperlichen Erholung“ sind durch das Grundgesetz geschützt. „Videos kann man sich auch auf Vorrat ausleihen“ heißt es da weiter beispielsweise aus den Rängen der Evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen.
Wie wir Gläubige sicher alle wissen, gehört der Rhythmus von Arbeit und Ruhe zum Bauplan der Schöpfung. Immerhin nutzte selbst der liebe Gott den siebten Tag zum Ausruhen. Was wäre denn auch eine Arbeitswoche ohne den wunderbaren Sonntag, auf den man sich schon montags freuen kann? Und jammern wir nicht immerzu, dass das Wochenende mal wieder viel zu kurz war? Was wäre es dann erst für ein Graus, wenn es gar kein Ruhetag mehr gäbe?
Aber weiter im Text: Die gemeinsame Unterbrechung der Arbeit dient dem Menschen und hilft, das Leben vor der ausschließlich ökonomischen Logik zu bewahren. Ach welch wunderbar christlicher Gedanke, aber was hilft einem die gemeinsame Unterbrechung, wenn doch kein Video da ist für den gemeinsamen Videoabend, oder um zurück zur anfänglichen These zu kommen, was nützt einem der heilige Sonntag, wenn kein Geld da ist, um sich ein Video auf Vorrat auszuleihen? Da spielen sich womöglich untragbare Dramen in den Wohnzimmern Deutschlands ab...
Aber nicht doch, der Mensch lebt schließlich nicht allein vom Kaufen und Verkaufen und vom Produzieren und Konsumieren, nicht wahr?
Es gäbe da doch eine wunderbare Lösung für alle Parteien: Eine multifunktionale Videothek könnte es bringen; eine Videothek, in der außerdem sonntags eine Predigt stattfände, in der man seiner Gottesverehrung nachgehen kann und als Dankeschön sein Video gratis bekommt, Geld erhielten die Angestellten dann in Form einer Spende.
Amen!
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