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Der Nobelpreis für Wirtschaft geht dieses Jahr an zwei US-Amerikaner: Thomas Schelling und der in Deutschland geborene Robert Aumann. Dies teilte die Schwedische Akademie der Wissenschaften am 10.10.2005 in Stockholm mit. Die beiden Wissenschaftler sind für ihre grundlegenden Beiträge zur Spieltheorie ausgezeichnet worden.
Der 75-jährige Aumann und der 84-jährige Schelling hätten mit ihrer Arbeit daran mitgewirkt, ökonomische Konflikte wie etwa Preis- und Handelskriege besser erklären zu können, so wie das Verständnis für Konflikte und Kooperationen vertieft.
Aumann begrüßte die Auszeichnung als Ehre für die israelische Forschung: „Dies ist ein Preis für die israelische Wissenschaft und für die hebräische Universität von Jerusalem“, sagte der 75-Jährige mit Blick auf die Institution, an der er jahrelang lehrte. Aumann wurde in Frankfurt am Main geboren und besitzt die israelische und die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Schelling wurde 1921 in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien geboren. Zu Beginn seiner langen akademischen Karriere arbeitete er in Washington im Budgetbüro der Regierung, bei der Marshall-Plan-Verwaltung in Paris und Kopenhagen und im Weißen Haus. Später lehrte er jahrzehntelang an den amerikanischen Universitäten Yale, Harvard und der University of Maryland.
Die Spieltheorie - oder Theorie der strategischen Spiele - wurde in den 50er Jahren entwickelt. Sie will das Verhalten so genannter rationaler Spieler mathematisch analysieren, Strategien für Entscheidungen entwickeln und genaue Handlungsanweisungen in Konfliktsituationen geben. Rationale Spieler sind Spieler, die nur logisch denken und ihr Gefühl in einer Entscheidungssituation ausklammern.
Ausgangspunkt der Spieltheorie sind Gesellschaftsspiele, deren Ausgang nicht nur vom bloßen Zufall abhängt (wie bei Glücksspielen), sondern von der Strategie der Spieler, die unter Beachtung der Spielregeln ihren Vorteil suchen, wie etwa beim Schach. Angewendet wird die Spieltheorie in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie etwa bei Entscheidungsproblemen im wirtschaftlichen Wettbewerb, bei militärischen Auseinandersetzungen, Wahlkämpfen politischer Parteien oder bei Abstimmungen in Parlamenten und anderen Gremien.
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist eigentlich gar kein Nobelpreis. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder Alfred Nobel 1896 nur die Stiftung der Preise für Physik, Chemie und Medizin sowie Literatur und für den Einsatz für den Frieden fest. Die Wirtschaftswissenschaften waren dem Chemiker und Industriellen Nobel angeblich Zeit seines Lebens suspekt - und offenbar nicht preiswürdig.
Aufgewertet wurde der vernachlässigte Preis der Ökonomen erst 1968. Damals rief die Schwedische Reichsbank anlässlich ihres 300jährigen Bestehens „im Gedenken an Alfred Nobel” den Wirtschaftspreis ins Leben. Er wird seit 1969 verliehen. Als Jury fungiert wie bei den Nobelpreisen für Physik und Chemie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften.
Der Wirtschaftspreis ist einer relativ starken Kritik ausgesetzt. Nicht nur, wie bei den anderen Preisen auch, im Hinblick auf die Auszeichnung oder Nichtberücksichtigung bestimmter Personen, sondern auch bezüglich der Prämierung bestimmter wirtschaftstheoretischer / -politischer und damit auch gesellschaftstheoretischer / -politischer Positionen. Außerdem von Nobels Urenkeln, die ihre Kritik mit der Verletzung des Testamentes und einer daraus folgenden Verwässerung der klassischen Nobelpreise begründen.
Das alles wird die Preisträger aber nicht weiter stören, denn trotz seiner zweifelhaften Herkunft besitzt der Wirtschaftsnobelpreis genug Prestige um als angemessene Krönung für ein Lebenswerk dienen zu können.
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