|
Du hast sie, aber alle sollten sie haben, bei dir sind sie Wirklichkeit, bei anderen nur ein Traum - die Menschenrechte. Und du kannst helfen diesen Traum zu verwirklichen. Genau dieses Ziel verfolgt „Amnesty International“ (ai) nun schon seit 1961 und das mit spektakulärem Erfolg!
Wie alles begann
Der Gründer der mittlerweile weltweit bekannten Organisation „Amnesty International“ war der britische Rechtsanwalt Peter James Henry Solomon Benenson.
Es wird angenommen, dass der Auslöser für diese Entscheidung ein von ihm gelesener Zeitungsartikel war, in dem es um zwei portugiesische Studenten ging, die in einem Lissabonner Restaurant auf die Freiheit anstießen. Das Benutzen des Begriffs „Freiheit“ war in Portugal damals streng verboten. Als Folge dieser Handlung wurden die Beiden zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Dies geschah unter der Diktatur von António de Oliveira Salazar, der, als er 1933 den „Estado Novo“ - den neuen Staat - gründete, auch eine neue Verfassung vorlegte, die dem Adel weit mehr Privilegien zugestand als dem Volk. Dissidenten und Revolutionäre wurden von seiner Geheimpolizei dingfest und dann durch Haft oder Mord unschädlich gemacht. Die Pressezensur wurde eingeführt und das Recht auf Meinungsfreiheit außer Kraft gesetzt, sowie z.B. auch die Verwendung des Wortes „Freiheit.“
Über diesen und einige andere ähnlich empörende Fälle menschenunwürdig und respektlos behandelter politischer Gefangener veröffentlichte Benenson in der englischen Zeitung „The Observer“ einen Artikel unter dem Titel „The Forgotten Prisoners“, mit dem Aufruf an die Leser, sich per Brief an die Regierungen zu wenden, die ihre Bürger wegen Religion oder politischer Meinung, Hautfarbe oder Abstammung inhaftieren oder „verschwinden“ ließen, und um Freilassung solcher politischer Gefangener zu kämpfen. Dieser sogenannte „Appeal of Amnesty, 1961“ gilt als Grundstein für die heutige „Amnesty International“. Peter James Henry Solomon Benenson verstarb im Februar 2005.
Die Ziele
Noch heute ist das Verhindern von Gefangennahme, Folter, außergerichtlichen Hinrichtungen (Todesstrafe) und das „Verschwindenlassen“ gewaltloser politischer Gefangener das wichtigste Ziel der Organisation. Doch auch andere Menschenrechtsverletzungen jeder Art, wie z.B. Gewalt gegen Frauen und homo- oder bisexuelle Menschen, wird von der „ai“ kritisiert und bekämpft.
Erfolge und Arbeitsmittel
Bei über einem Drittel der Fälle zeigt sich nach dem Einsatz „Amnesty Internationals“ eine deutliche Verbesserung der Lage.
Zur Verdeutlichung hier zwei Beispiele über die Arbeit „Amnesty Internationals“:
Am 11. Januar 2003 wurden in den USA 167 zum Tode verurteilte Gefangene von dem damaligen illinoisschen Gouverneur George Ryan begnadigt. 164 der Häftlinge bekamen statt der Todesstrafe lebenslange Haftstrafen, in dreien der Fälle wurde die Strafe sogar auf 40 Jahre gekürzt. Die Zahl der von ihm voreilig beschlossenen Todesurteile sei „beschämend“ hoch gewesen, räumte Ryan auf Druck der Öffentlichkeit ein. Dieses Ziel erreichte die „ai“ mit Hilfe zahlreicher Appelle fleißiger Helfer an die Regierung.
Wenn einmal ein Fall menschenunwürdiger Behandlung bei „Amnesty International“ bekannt wird, geht die Organisation folgendermaßen vor: Einem Staat kann nämlich nichts Schlimmeres passieren, als, dass peinliche und verachtenswerte Details über seine Machenschaften bekannt werden. Und genau das nutzt „ai“ für sich aus.
Die Missetaten der für Menschenrechtsverletzungen verantwortlichen Regierungen werden zunächst öffentlich gemacht. Danach verschickt die Organisation zahlreiche Briefe, in denen die Leser aufgefordert werden wiederum Appelle an die Staatsoberhäupter zu schicken. Wenn also Tausende vorwurfsvolle und vor allem öffentliches Aufsehen erregende Protestbriefe die Regierungen erreichen, müssen diese schließlich unter dem massiven Druck nachgeben - Haftbedingungen mildern, Todesstrafen ersparen oder die Gefangenen nicht selten sogar ganz freilassen.
Im selben Jahr erreichte die Organisation mit demselben Mittel bessere Haftbedingungen für eine türkische Gefangene. Sie sei nicht mehr geschlagen worden, nachdem die „ai“ sich ihrer angenommen hatte, sagte Rehab Abdel Bagi Mohamed Ali, als sie nach ihrer Freilassung die Londoner „ai“-Zentrale aufsuchte. Dies sind nur zwei von vielen Erfolgen, die „Amnesty International“ zu verdanken sind.
Mittlerweile zählt die größte Menschenrechtsorganisation der Welt 1,8 Millionen Mitglieder in 150 Staaten und wurde unter anderem für ihre Arbeit 1977 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Mitgliedschaft und Finanzierung
Erstaunlich und lobenswert ist, dass Amnesty International ihre finanziellen Mittel ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und privaten Spenden bezieht.
Wer als Erwachsener Mitglied werden möchte, zahlt jährlich einen Grundbeitrag von 48 Euro, Schüler und Studenten müssen nur 24 Euro pro Jahr beitragen. Was genau man als Mitglied von „Amnesty International“ machen kann, hängt von Alter und Interessen ab, Arbeit und Vergnügen sollen schließlich verbunden werden. Wer z.B. in seiner Freizeit gerne joggt, engagiert sich durch Sponsorenläufe für die Menschenrechte. Die gängigste Engagierungsmethode aber ist das Verfassen von Appellen, um Druck auf die Regierungen auszuüben. Wer dagegen lieber in Hintergrund bleiben möchte, hilft der Organisation durch finanzielle Spenden.
In beinahe jeder größeren deutschen Stadt, wie zum Beispiel auch in Düsseldorf, gibt es lokale „ai“-Zentralen. Jährlich findet ein „ai“-Deutschlandtreffen statt, bei dem Erfolge und Misserfolge der Organisation im vergangenen Jahr besprochen und Pläne für das neue Jahr gemacht werden.
Hut ab und weiter so!
|