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Deutschland: Das Land ohne Stolz?


10.11.2005 (O. Hoffmann) Kategorie: Kultur

Bild: www.wikipedia.de

Am 26. September 2005 startete eine Medienkampagne, die Deutschland und seine Bürger verändern und wachrütteln sollte und noch bis Januar 2006 laufen wird. Ihr Name: „Du bist Deutschland!“

Es handelt sich um eine Kampagne der Initiatoren „Partner für Innovation“, einem Zusammenschluss aus rund 200 Unternehmen, Verbänden und Institutionen, darunter 25 der größten deutschen Medienunternehmen. Dazu kommen 30 prominente Unterstützer wie zum Beispiel Xavier Naidoo, Oliver Pocher, Oliver Kahn, Günther Jauch, Johannes B. Kerner und Harald Schmidt, um nur einige von ihnen zu nennen.

Mehr als 33 Millionen Euro groß sind die Kosten der Kampagne, die in 40 Zeitschriften, 8 Zeitungen, 11 TV-Sendern, 1866 Kinos und auf 2326 Plakaten zu sehen ist, damit auch wirklich jeder von der guten Laune angesteckt wird und diese den lang geforderten „Ruck“ auslösen soll: Weg von deutscher Nörgelei, Miesmacherei und Unsicherheit, hin zu mehr Optimismus, Tatkraft und Selbstliebe, ja sogar Patriotismus?

Wer wirklich glaubt, dass es sich hier um neu entdeckten Patriotismus der Deutschen dreht, hat sich aber geirrt. Es ist sehr schwer zu glauben, dass dieser Versuch den deutschen Bürgern Nationalstolz emotional „einprügeln“ zu wollen, gelingt, nachdem dieser Nationalstolz 60 Jahre strikt unterdrückt und Deutschland als Land des Tätervolks abgestempelt wurde.

Dennoch: Zu sehen sind in dem zweiminütigen Werbespot, der die Aufbruchsstimmung ins deutsche Wohnzimmer bringen soll, deutsche Promis, die ein „Manifest“ vortragen und glückliche Gesichter zu Vaterland und Selbstbewusstsein machen. Im Hintergrund läuft Klaviermusik von Alan Silvestri aus dem US-Streifen „Forrest Gump“.

In diesem „Manifest“ heißt es unter anderem an einer Stelle: „Wieso schwenkst du Fahnen, während Schumacher seine Runden dreht? Du kennst die Antwort: Weil aus deiner Flagge viele werden und aus deiner Stimme ein ganzer Chor.“ Doch nicht einmal an dieser Stelle wird die Deutsche Fahne gezeigt, die auch sonst nirgends zu finden ist. Stattdessen spricht der Sänger Xavier Naidoo die letzten Worte dieses Satzes neben dem Berliner Holocaust-Mahnmal. Ein Massenmord-Mahnmal zur Förderung des Nationalstolzes?

An andere Stelle heißt es in locker-flockigen Sätzen weiter: „Du hältst den Laden zusammen. Du bist der Laden.“ Manchen Zuschauer wird dabei das blanke Entsetzten gepackt haben: Was? Ich bin ein Laden?

Auch nach architektonischen Wahrzeichen Deutschlands wie z.B. dem Kölner Dom, dem Reichstag oder der Rüdesheimer Drosselgasse sucht man in diesem Spot vergebens. Stattdessen bekommt man zum Schluss ein Logo in Nationalfarben vorgesetzt, wie es dem bereits 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona verwendete Logo ähnlicher nicht sein kann.

Im Großen und Ganzen ist diese Kampagne gelungen - sie kommt nur viele Jahre zu spät. Die Botschaft „Du bist Deutschland“ hätte verständlicher übermittelt werden können. Man hätte viele Sachen, die unser Vaterland bietet und auf die wir Deutschen stolz sein könnten, mit einbauen müssen.

Deutschland und seine Bürger haben viel erreicht, was nicht vergessen werden sollte, zum Beispiel den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, der größtenteils durch die so genannten „Trümmerfrauen“ geleistet wurde, sowie der Aufstieg Deutschlands zu einem der wirtschaftlich führenden Länder, nachdem jeder Bürger am 21. Juni 1948 durch die Währungsreform mit nur 40 DM hatte neu anfangen müssen.

Ob die Kampagne nun wirklich den einzelnen Bürger motiviert oder ja sogar berührt, darf mehr als fraglich bleiben. Im derzeitigen Abwärtsstrudel, in dem sich Deutschland befindet, ähnelt sie eher der White Star Line - Band, die beim Untergang der Titanic bis zuletzt spielte, leider liegt die Titanic dennoch drei Kilometer tief auf dem Meeresboden.

Wie wahr ist doch folgendes Zitat: „Patriotismus ist Liebe zu den Seinen, Nationalismus ist Hass auf die anderen.“ (Richard von Weizsäcker)

Dennoch - Patriotismus wie in Amerika ist hierzulande undenkbar, von vielen nicht einmal erwünscht. Trotzdem können wir alle stolz sein zu den Deutschen zu gehören und können stolz auf unsere Heimat sein. Man muss es nur zulassen.



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