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Die OECD hatte bescheinigt, dass Deutschland in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich der Bildungs-Systeme aufgeholt hat. Der Anteil der Hochschulabsolventen war innerhalb von fünf Jahren von 16 Prozent eines Jahrgangs auf 19,5 Prozent gestiegen. Doch jetzt trübt ein großer Wermutstropfen den Optimismus der deutschen Bildungspolitiker, denn zum ersten Mal seit Jahren ist wieder ein Rückgang der Studienanfänger-Zahlen in Deutschland zu verzeichnen.
Ein Grund für den möglichen Rückgang könnte die geplante Einführung von Studiengebühren sein, die bald in fast jedem Bundesland erbracht werden müssen. Einen wirklich kostenlosen Zugang zu universitärer Bildung gab und gibt es in der Bundesrepublik Deutschland auch bisher nicht. Studiengebühren im weiteren Sinne existieren nämlich in Form der relativ moderaten Semestereinschreibgebühren schon lange, nur werden sie eben nicht Studiengebühren genannt. In Deutschland nehmen 38 Prozent eines Jahrgangs ein Hochschulstudium auf, während es in vergleichbaren Industriestaaten mehr als 50 Prozent und in Skandinavien sogar 70 Prozent eines Altersjahrgangs sind.
Der Direktor der Universität Wuppertal (NRW), Dr. Prof. Ronge, hält es für bildungspolitisch wünschenswert, wenn man dann nach der Einführung der angekündigten Studiengebühren bei schwach nachgefragten Fächern, wie zum Beispiel das Studium zum Agrarwirt, auf diese Studiengebühren verzichten würde, um Studenten anzulocken.
Ein entscheidender Nachteil wäre jedoch, dass sich ein Großteil der Studenten gerade auf diese gebührenfreien Studienfächer spezialisieren würde. Nicht vergessen darf man hierbei, dass dadurch ein Mangel an Studierenden u.a. in den Bereichen Medizin und / oder beim Lehramtsstudium entstehen könnte.
Bildungspolitische Umfragen ergaben, dass in den neuen Bundesländern, wie zum Beispiel Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, bereits jetzt ein drastisches Lehrerdefizit zu verzeichnen ist. Da immer weniger Studienanfänger Lehramtsstudienfächer belegen, somit weniger Referendare ausgebildet werden können und die Zahl der Lehrer unverhältnismäßig stark sinkt, da an den Schulen viele ältere Lehrpersonen arbeiten, die beispielsweise altersbedingt durch häufige Krankheitsausfälle nicht in vollem Unfang unterrichten können, kommt es zu häufigen Unterrichtsausfällen, was zu massiven Lernverlusten der Schüler im Unterrichtsstoff führt.
Experten halten es zwar für verfrüht, von einem Trend zu sprechen, und allein die geplante Einführung von Studiengebühren für den Rückgang der Studentenzahlen verantwortlich zu machen. Auch die in letzter Zeit neben den nach Numerus Clausus durch die ZVS vergebenen Fächern (wie z.B. Medizin) verstärkt eingeführten hochschulinternen Zulassungsbeschränkungen in manchen Studiengängen erschweren potenziellen Studierenden den Weg zum Studium.
Der 5,5-prozentige Rückgang der Studienanfänger kann durchaus darauf zurückzuführen sein, dass die wenigsten Studenten sich für ihr Studium verschulden wollen. Stattdessen würden sie verstärkt arbeiten gehen, was wiederum die Studienzeiten verlängerte. Derzeit nimmt lediglich ein Prozent aller Studierenden ein Darlehen oder einen Bildungskredit in Anspruch, und laut der Einstieg-Umfrage können sich nur 17 Prozent der abgehenden Abiturienten vorstellen, ein zukünftiges Studium durch ein Bankdarlehen zu finanzieren.
Auch NRW-Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft erklärt: „In Wahrheit geht es der CDU mit der Einführung von Studiengebühren um soziale Auslese in der Bildungsfinanzierung.“
Die Möglichkeit, dass Studienanfänger wegen der geplanten Studiengebühreneinführung ein Studium nach beispielsweise dem Abitur nicht mehr in Betracht ziehen, ist also tatsächlich gegeben. Jürgen Rüttgers (CDU) versicherte allerdings, dass Studierende, die in NRW BAföG beziehen, von Studiengebühren befreit werden sollten, damit jeder unabhängig vom Einkommen der Eltern studieren könne.
Die CDU-Regierten Länder hatten einen Zusammenhang zwischen der geplanten Einführung der Studiengebühren und dem Rückgang der Studienzahlen stets abgestritten. Doch was hilft alles Abstreiten, wenn die Tatsachen klar auf dem Tisch liegen und Befragungen von Studenten bzw. möglichen Studienanfängern bewiesen haben, dass es gerade die finanziellen Hintergründe sind, die viele vom Beginn eines Studiums abhalten.
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