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Der große Soja-Boom und seine Folgen
29.11.2005 (S. May)
Kategorie: Wirtschaft
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Innerhalb kürzester Zeit ist im Jahr 2001 in der Region um Basnorte (Brasilien) eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 250.000 Hektar entstanden. Auch die gigantischen Lagerhallen der Firma Blairo Maggi sind dort anzutreffen.
Die Firma von Großunternehmer Blairo Maggi gehört zu den größten Sojaproduzenten in Brasilien; ca. 70.000 Tonnen Sojabohnen lagern allein in den Silos bei Brasnorte. Im Jahr 2001 exportierte die Firma Maggi in einem Zeitraum von Januar bis April drei Millionen Tonnen Sojaschrot nach Europa.
Insbesondere Länder wie Deutschland sind an der brasilianischen Sojaproduktion interessiert, denn seit der großen BSE-Krise erließ die Europäische Union ein Futterverbot für Tiermehl. So musste also ein Ersatzfuttermittel her und Soja ist dafür die beste und kostengünstigste Alternative. Aus diesem Grund kam es ab 2002 zu einem internationalen Soja-Boom. Heute macht Soja ganze 80 % des Exportes von Brasilien aus.
Wo sollen die ganzen Sojaschoten nur gepflanzt werden? Soll dafür der ganze Urwald Brasiliens gerodet werden?
Schon 2003 bei seinem Amtsantritt als Gouverneur von Mato Grosso versprach Blairo Maggi die Anbaufläche für Soja im Land innerhalb von 10 Jahren zu verdreifachen. Um dieses Vorhaben finanzieren zu können, wird die Maggi-Gruppe mit einem Kredit über 30 Mio. US-Dollar von der für die Privatwirtschaft zuständigen Weltbank-Tochter IPC unterstützt.
2004 bekam sein Konzern einen Kredit, jedoch ohne interne Prüfung der Bank auf Regeln für Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Dieser Fehler führte aufgrund von internationalem Druck zu einem Untersuchungsverfahren, das erst im Juni diesen Jahres die Fehlvergabe zwar bestätigte, der Kredit jedoch wurde bis dato noch nicht zurückgenommen.
Damit nicht genug: Auch deutsche Unternehmen versorgen diese Gruppe mit Krediten. Mit dem angeblichen Ziel einer Entwicklungshilfe wird die Ausbreitung der Sojamonokultur in Brasilien durch deutsche Institutionen finanziert.
Sowohl die WestLB als auch die DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) haben zum Beispiel die Maggi-Gruppe in Brasilien mit Krediten unterstützt. Die Kreditvergabe an Maggi macht die Widersprüchlichkeit des Diskurses der deutschen Bundesregierung in Bezug auf ihre soziale und ökologische Verantwortung mit den so genannten Entwicklungsländern deutlich.
So kommt es, dass deutsche Institutionen und sogar öffentliche Gelder zur wachsenden Zerstörung der Umwelt und der Lebensgrundlage von Millionen Menschen in Brasilien führen.
Blairo Maggi nahm zu diesen Geschehnissen öffentliche Stellung mit den Worten: „Mir bedeutet ein 40-prozentiger Anstieg in der Entwaldung rein gar nichts und ich habe nicht die geringsten Schuldgefühle bei dem, was wir tun. Wir sprechen hier über eine Fläche größer als Europa, die kaum berührt ist, deshalb gibt es nichts, über das man sich Sorgen machen müsste.“
Es ist kaum zu glauben, dass wir alle so eine Person mit unserem Fleischverzehr unterstützen. Da vergeht einem doch im wahrsten Sinne des Wortes der Appetit.
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