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Nach der Dortmunder Borussia, Schalke 04 und anderen legte nun auch Hertha BSC Berlin auf seiner Jahreshauptversammlung am 28.11.2005 einen Schuldenberg in beträchtlicher Höhe offen. Mit 35 Millionen Euro soll der Hauptstadtclub, so die Zahlen des Vereinsvorstandes, mittlerweile verschuldet sein.
Trotz eines ausgewiesenen Gewinns von 11,3 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr 2004/2005 schreiben die Herthaner tiefrote Zahlen, denn nur über eine Ausgliederung von Rechten an den VIP-Logen im Berliner Olympiastadion an eine eigene Tochtergesellschaft konnte die Bilanz der Hertha KGaA einigermaßen ins Lot gerückt werden. Dies einer aufwendigeren juristischen Betrachtung vor dem Hintergrund zu unterziehen, eine verschleppte Insolvenz sei sicherlich ein Straftatbestand, wäre sicherlich sportlich und wirtschaftlich wenig Ziel führend, allerdings darf eine Zustandsbeschreibung der wirtschaftlichen Situation der deutschen Eliteliga erlaubt sein.
Im Fall der Hertha habe man in die Zukunft investiert und 20 Millionen in die Nachwuchsförderung gesteckt. Dies sollte als langfristige Investition, auch für andere Vereine aus dem Profibereich, ein gutes Beispiel sein, es verblasst allerdings vor der Tatsache, dass die Hauptstädter kurzfristige Verbindlichkeiten von annähernd 18 Millionen Euro drücken.
Haarsträubend jedoch sind Äußerungen wie die des Nationalspielers Arne Friedrichs, der äußerte, sich keine Sorgen wegen der wirtschaftlichen Umstände seines Vereins zu machen und zugleich bemerkte, außer den Bayern sei kein Bundesligaclub schuldenfrei. Der Sportler Arne Friedrichs hat sich um seine alltäglichen Aufgaben auf dem grünen Rasen zu kümmern, denn dies trägt maßgeblich zum Kerngeschäft jedes Clubs bei, aber andererseits darf der Betrachter fragen, warum solche äußerst fragwürdigen Stellungnahmen von Spielerseite zu vernehmen sind, die mehr Fragen nach dem Verständnis um die Hintergründe eines „wirtschaftenden“ Unternehmens aufwerfen, als Antworten liefern.
Bei dem legitimen Versuch, dem Ligaprimus aus München die sportliche Krone des deutschen Fußballs streitig zu machen, haben sich zu viele selbsternannte „Kronprinzen“ finanziell verhoben. Diese Bruchstelle an der Leiste zwischen sportlichem Traum und wirtschaftlicher Realität zwingt viele Vereine heute geradezu in einen Offenbarungseid. Denn in Abwesenheit eines russischen Ölmilliardärs ist es freilich nicht möglich, die konsequente und langfristige sportliche und vor allem wirtschaftliche Aufbauarbeit der Herren in den Chefetagen an der Säbener Strasse in München geradezu in Zeitraffer zu kopieren.
Zu lange arbeitete der amtierende Meister und Spitzenreiter der Bundesliga an seinem wirtschaftlichen Erfolg. Auch eine überschaubare, aber derzeit nicht absehbare sportliche Talsohle der Bayern wird die finanzielle Situation des Vereins nicht nachhaltig schwächen. Und gerade das Vertrauen auf künftige sportliche Erfolge der „Bayern-Jäger“, welche vielfach nicht eingetreten sind und überhaupt nicht planbar sein können, kostete ehemaligen „Machern“, wie dem mittlerweile der Geschichte angehörenden „Triumvirat“ aus Dortmund, zu Recht den Kopf.
Nur gewagte Umschuldungsmaßnahmen und neue Finanzkonzepte können aktuell solche Traditionsvereine wie Schalke, die Hertha oder etwa die Lauterer über den Tag hinaus retten. Ob diese „lebenserhaltenden“ Maßnahmen langfristig zu sportlicher Augenhöhe mit dem Rekordmeister führen, darf getrost bezweifelt werden.
Sportlich wie wirtschaftlich scheint alleine der SV Werder Bremen mit einem geschickt agierenden Trainer/Managergespann auf den richtigen Weg gefunden zu haben. Fernab der laut tönenden Konkurrenz arbeiten die Nordlichter an ihrer eigenen Philosophie, bei der finanzielle „Va Banque“-Spiele vermieden und dennoch eine, zumindest derzeit im nationalen Vergleich, schlagkräftige Mannschaft ins Rennen geschickt werden kann. Nicht ohne Grund wird bereits der Bremer Manager Klaus Allofs als Nachfolger für den erfolgreichen Bayern-Macher Uli Hoeneß gehandelt, wenn sich dieser eines Tages aus dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat der Bayern zurückziehen sollte.
Angesichts der wirtschaftlichen Risiken und Verbindlichkeiten vieler deutscher Fußballclubs muss sich auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Frage gefallen lassen, wie man diesen Entwicklungen weiter künftig vorbeugen möchte. Neben einer sportlichen gehört eben auch eine finanzielle Leistungsfähigkeit auf die Visitenkarten aller, die an den finanziellen Fleischtöpfen des Profifußballs partizipieren möchten. Die Frage nach der Richtigkeit der alljährlichen Lizenzvergaben für die Profivereine durch die DFL ist somit evident.
Die Rufe nach höheren Fernseheinnahmen und eigenen Vermarktungsrechten sind völlig legitim, sie alleine dürfen allerdings nicht über die aktuelle Situation in den Kassen der Clubs hinwegtäuschen. Auch die Großen der Managerzunft im deutschen Fußball können es sich nicht derart einfach machen und die Schuld an den hausgemachten Fehlern bei einer Vermarktungssituation suchen, welche zum Zeitpunkt der Schuldenaufnahme lange Bestand hatte und seinerzeit auch keinesfalls grundlegend verändert werden sollte, selbst wenn dies heute vielleicht sinnvoll wäre.
Zur Professionalität von hoch bezahlten Managern und wirtschaftlich Verantwortlichen in den Profivereinen gehört es, eigene Fehler einzugestehen und hieraus auch die notwendigen Konsequenzen zu abzuleiten. Bei den Verantwortlichen im sportlichen Bereich, den Trainern, ist man schnell bei der Sache, gerade wenn die Leistungen auf dem Feld nicht den Erwartungen der Fans und des Management entsprechen.
Fragwürdig ist das rotierende Trainerkarussell allemal, da zumeist mit jeder Entlassung ein zwischen den betreffenden Trainern und dem Vereinsmanagement abgestimmtes sportliches Konzept zu Grabe getragen wird. Leider ereilt die Verantwortlichen in den Chefetagen, wie im Fall der Dortmunder Spitzen, nur zu selten das gleiche Schicksal wie diejenigen, die am Spielfeldrand oft im Regen stehen gelassen werden. Sportliche Ziele, und um diese geht es im Profifußball nun einmal vorrangig, werden damit nicht erreicht, an die Münchener Bayern kommt man so sicherlich ebenfalls nicht heran.
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