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Scott Derrickson, als Regisseur noch relativ unbekannt, schaffte mit seinem Film einen Überraschungshit, der in den USA bereits 75 Millionen Dollar einspielte. Er gilt jetzt schon als sein Karrierehighlight schlechthin. Seit dem 24. November ist sein Grusel-Gerichtsfilm „Der Exorzismus von Emily Rose“ nun auch in den deutschen Kinos zu sehen. Die FSK-Freigabe liegt hierzulande bei 12 Jahren, sollte jedoch angesichts der dargestellten Dämonen und ähnlichem von Eltern individuell nach der Sensibilität ihres Kindes überdacht werden.
Wie man aus dem Filmtitel schon schließen kann, geht es um den Exorzismus der jungen Frau Emily Rose (gespielt von Jennifer Carpenter), die ihre auf dem Land lebende Familie verlässt um ihr Studium zu beginnen. Als sie dort jedoch eines Nachts im College erste Visionen hat, die immer schlimmer werden, kehrt sie zu ihrer Familie zurück.
Nach Glauben Pater Moores (Tom Wilkinson) und ihren Eltern hat der Teufel sie in seinen Besitz genommen. Bei der Durchführung des Exorzismus erleidet die junge Emily jedoch einen grauenvollen Tot und es kommt zur Verhaftung Pater Moores, der nach Meinung des methodistischen Staatsanwalts Ethan Thomas (Campbell Scott) die Schuld am Emilys Tod hat.
Der Staatsanwalt glaubt an einen einfachen Prozess, hinter dem sich aber eine ganze Menge Unglaublichkeiten verbergen und in dem nichts ist, wie es scheint. Nach Meinung des Staatsanwalts litt Emily an einer psychotischen Epilepsie und da Moore ihr dazu riet, die dringend benötigten Medikamente abzusetzen, sei er wegen fahrlässiger Tötung anzuklagen.
Pater Moore ist jedoch der festen Überzeugung, dass aufgrund der Einnahme der Medikamente der Exorzismus nicht funktionieren konnte und wird von der skeptischen Rechtsanwältin Erin Bruner (Laura Linney), die nur ihre Karriere im Kopf hat, verteidigt. Im Laufe der Verhandlung muss sie sich jedoch eingestehen, dass hinter dem Fall mehr steckt, als nur purer „Aberglaube“.
Es beginnt ein Schaukampf zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Zeugen tauchen plötzlich auf, wenn die Lage aussichtslos erscheint. Zeugen verschwinden, als alles gut zu werden scheint und der Zuschauer findet sich oft in der Rolle eines Geschworenen wieder.
Nur die Frage bleibt offen - war Emily wirklich von dämonischen Mächten besessen oder litt sie lediglich an einer schweren, psychischen Krankheit?
Derrickson verleiht seinem Film eine elektrisierende Atmosphäre, welche die Gänsehautstimmung während der Horrorsequenzen komplett ausreizt. Allein schon die Gewissheit, dass dieser Film auf einer wahren Begebenheit basiert, lässt das Herz schneller schlagen.
Die wahre Geschichte
1976 verstarb die junge 23-jährige, streng religiöse Anneliese Michel in Klingenberg (Unterfranken, Bayern) nach sieben Jahren schweren Leidens, 15 Monaten der Betreuung und mehreren Exorzismusversuchen. Diese fanden mit Zustimmung des Würzburger Bischofs Josef Stangl durch zwei katholischen Priestern (Pater Arnold Renz und Pfarrer Ernst Alt) nach dem Buch „Rituale Romanum“ statt, dessen Ursprünge auf das Jahr 1614 zurückgehen, durchgeführt wurden.
Obwohl Anneliese Michel an den Folgen von Unterernährung und Entkräftung (sie wog kurz vor ihrem Tod nur noch 30 kg) starb und obwohl ihre Eltern sowie Pater Renz und Pfarrer Alt im April 1978 zu je sechsmonatigen Haftstrafen wegen „fahrlässiger Tötung durch unterlassene Hilfeleistung“ verurteilt wurden, besteht weiter der Mythos, dass Anneliese Michel vom Teufel besessen war.
Ihre letzte Ruhe fand sie endlich 1978, nachdem sie durch eine von ihrem Vater erzwungene Exhumierung noch einmal das Licht der Welt erblicken musste, in einer für sie errichteten Privatkapelle auf dem Klingenberger Friedhof.
Ihr Schicksal wird auch in den Film „Requiem“ von Hans-Christian Schmid ab voraussichtlich 02.03.2006 in den deutschen Kinos zu sehen sein.
„Der Exorzismus von Emily Rose“
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson
Schauspieler: Laura Linney, Tom Wilkinson, Campbell Scott, Jennifer Carpenter, Colm Feore, Shohreh Aghdashloo
Laufzeit: 120 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren
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