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Lärmarme Lebensräume schaffen


06.12.2005 (M. Schreiner) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.menireres.org

Esther Schreiner ist Grundschullehrerin in Frankfurt. Was sie am meisten bei ihrer Arbeit stört, ist Lärm. Schreiende Kinder, die Baustelle vor der Schule und das laute Treiben heranwachsender Schüler auf dem Pausenhof überschreiten schnell den Pegel des erträglichen Lärms. Da brummt der Schädel und der Bluthochdruck erreicht Rekordwerte. Die Bekämpfung des Lärms stellt für sie also eine vorrangige Aufgabe dar.

Morgens um 7.30 Uhr erreicht die 30-jährige Grundschullehrerin Esther die Schule, dort angekommen sind die Bauarbeiter schon längst am Bohren, Baggern und Bauen. Da beginnt selbst der wunderbare Morgenkaffee mit Stress für die Ohren und somit Stress für den Geist.

Esther geht mit Kopfbrummen zum Klassenzimmer der Klasse 3b. Hier warten schon die ersten Schüler auf sie. Als sie um die Ecke biegt, fangen sie an zu kreischen wie Teenies bei einem Boygroupkonzert. Esther öffnet ruhig die Klassenzimmertür, der Raum füllt sich schnell mit gutgelaunten und wissbegierigen Schülern.

Der Lärm von der Baustelle hallt indes in die Klassenräume. Esther bittet die Schüler, trotz des akuten Sauerstoffmangels, der im Klassenzimmer herrscht, die Fenster zu schließen. Doch auch diese Maßnahme kann nicht darüber hinwegtäuschen: Es ist und bleibt laut. Bei der Grundschullehrerin beginnen allmählich die ersten Symptome einer noch leichten Migräne. Sie schluckt in der ersten Pause ihre erste Kopfschmerztablette.

Um 11.45 Uhr beginnt Esthers Pausenaufsicht, diese Aufgabe sprengt endgültig das erträgliche Maß an Lärm für den Tag. 200 Schülerinnen und Schüler lachen, toben und schreien, das Chaos ist perfekt. Esther nimmt die zweite Kopfschmerztablette und kehrt zurück zu ihrem Klassenraum.

Der Tag endet für sie um 16.00 Uhr. Sie verlässt entkräftet und müde das Schulgelände. Der Tag war anstrengend, doch anstelle des erholsamen Schlafs am Abend, lässt sie der Lärm des Vormittags und Mittags nicht los. Das Getöse in ihrem Kopf ist laut, obwohl in ihrem Zuhause absolute Stille herrscht. Esther schaltet den Fernseher ein, damit sie den Lärm in ihrem Kopf verdrängen kann. Sie geht ins Land der Träume über, als der Zeiger auf Mitternacht zugeht, der Fernseher berieselt sie weiter. Erst am Morgen, als sie ihre Augen öffnet, schaltet sie ihn aus. Und wieder beginnt ein lärmender Tag.

So oder ähnlich sieht der Alltag für viele Menschen in Deutschland aus. Lärm bedeutet sicher nicht nur Stress für die Lehrer, sondern natürlich auch für die Kinder. Es fällt ihnen schwer sich zu konzentrieren und Migräne ist kein Fremdwort für erschreckend viele von ihnen. Doch was kann man tun?

Ohrenstöpsel, Megaphone, Walkytalkys und Kopfhörer sind keine Lösungen. Lärm muss anders bekämpft werden, zum Beispiel vom DAL, dem deutschen Arbeitsring für Lärmbekämpfung. Der DAL ist ein eingetragener Verein mit etwa 600 Mitgliedern und besteht bereits seit 1952. Gegründet wurde er von Medizinern und Juristen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, dem Verein Deutscher Ingenieure und anderen aktiven Lärmgegnern.

Hier ist der Name Programm, der DAL kämpft gegen die Entstehung und Ausbreitung von Lärm und für den Schutz und die Wiederherstellung lärmarmer Lebensräume. Gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, informiert er Bürger, Behörden, Organisationen und politische Institutionen über Auswirkungen von lauten Geräuschen und Möglichkeiten ihrer Bekämpfung. Dazu veranstaltet der DAL regelmäßig Workshops, Kongresse, Seminare und Tagungen, aber auf derartige Aktivitäten lässt sich die Arbeit des DAL nicht beschränken.

Seit 1954 gibt er die „Zeitschrift für Lärmbekämpfung“ heraus und als praxisnahe Ergänzung seit 1983 den „Lärm-Report“. Dabei wird der DAL unterstützt von der Bundesvereinigung gegen Fluglärm und der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm. Finanziell wird der DAL jedoch vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt gefördert. Er ist Mitglied im Europäischen Umweltbüro Brüssel (EEB = European Environmental Bureau) und Mitglied im Deutschen Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine (DVT). Die Erteilung von individuellen Auskünften an ratsuchende Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen gehört für den DAL zum täglichen Aufgabengebiet, somit ist er auch an vielen Schulen tätig, um aktiv zur Lärmreduzierung beizutragen.

Beispielsweise kann man schon eine Lärmreduzierung durch einfache Maßnahmen wie das Ersetzen der schrillen Schulklingel durch einen Gong erreichen. Filzkleber an den Unterseiten von Stuhl- und Tischbeinen sind ebenso zweckmäßig und auch das Austauschen der brummenden Neonröhren kann helfen und lärmlindernd sein. Wie wäre es des Weiteren mit dem Einrichten von Ruhebereichen für Lehrer und Schüler? Derartige Vorschläge zur Lärmminderung erteilt der DAL tagtäglich, doch nicht immer können diese direkt umgesetzt werden.

Esther zumindest hat die Vorschläge beherzigt und sich gleich ans Werk gemacht. Ab Montag wird die Klasse 3b einen abgegrenzten Meditationsraum einrichten. Hier soll sich jeder zu bestimmten Zeiten zurückziehen dürfen. Als oberstes Gebot in diesem Raum gilt: Kein Ton (!), kein Mucks (!), kein Lärm!



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