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Kopierschutz-Skandal um Sony


09.12.2005 (I. Pavic) Kategorie: Computer

Bild: cdl.niedersachsen.de

Der CD-Kopierschutz mit Namen XCP ist für den Musikkonzern Sony BMG zu einem Image-Desaster geworden. Nicht nur, dass er sich als Eingang für Cracker entpuppte, auch wurde das Copyright eines anderen Herstellers verletzt.

Teile eines bestimmten Codes scheinen aus dem Quellcode des Softwareprogramms Open-Source-MP3-Encoders „Lame“ übernommen worden zu sein, der unter der LGPL (GNU Lesser General Public License) veröffentlicht wird. Nach dieser Lizenz hätte Sony unter anderem auf die Nutzung des Codes hinweisen und den neuen Code öffentlich zugänglich machen müssen.

Keiner der Punkte wurde im Falle von XCP-Programm erfüllt. Eigentlich wollte Sony nur mit Hilfe der Software seine eigene Rechte schützen, um Cracker und Raubkopierer von der illegalen Vervielfältigung der CDs abzuhalten. Jedoch geschah dies unter Missachtung der Urheberrechte der Produzenten des Programms „Lame“, aus dem man Teile für das XCP-Programm zusammengeklaut hat. Ganz klar: Urheberrechtverletzung.

Wie funktioniert das XCP-Kopierprogramm?

Beim Abspielen einer entsprechenden Sony-CD werden am PC Dateien unbemerkt vom Nutzer (CD-Käufer) in den Tiefen des Betriebssystems versteckt. Die Dateien arbeiten wie ein Schadprogramm, wobei sie möglichen Viren, Würmern und gefährliche Spionage-Software aus dem Internet eine Hintertür auf den Rechnern öffnen. Ein potenziell gefährliches Werkzeug, mit dem das Musikunternehmen ungefragt die Rechner seiner Kundschaft verschmutzt.

Das Musikunternehmen musste in der Zwischenzeit ein Programm anbieten, um den eigenen CD-Kopierschutz von den befallenen Rechnern zu entfernen, XCP aufgeben und Millionen von CDs zurückrufen. Dazu kommt eine Welle von Klagen, mit denen sich die Firma konfrontiert sieht: Der US-Bundesstaat Texas klagt bereits, New York prüft eine Klage. Mindestens zwei Sammelklagen von Seiten von US-Verbrauchergruppen sind ebenfalls anhängig, in Italien klagt der dortige Ableger der Electronic Frontier Foundation EFF.

Sony BMG Deutschland versichert, dass hierzulande XCP - außer durch Importe - nie in den Verkauf kam.

Die Spitzen von Sony BMG USA üben sich derweil in Bescheidenheit. Man hätte XCP intensiver testen sollen, heißt es aus der Konzernspitze, die Transparenz und Besserung gelobt. Doch die Anwälte von Sony BMG USA zeigen eine solche Einsicht nicht. Sie stehen verteidigungsbereit auf den Hinterbeinen: Sony BMG habe im Fall XCP „alles richtig gemacht“.

Trotzdem: Die Schlagzeilen um Sonys umstrittenen und mittlerweile zurückgezogenen Kopierschutz XCP für Audio-CDs nehmen kein Ende!



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