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Wer sieht sich nicht in einer lauen Sommernacht gerne den Sternenhimmel an und träumt von den unendlichen Weiten des Kosmos? Der Gedanke, diese schönen Sterne zu bereisen wie ein fernes Urlaubsland, kam vermutlich jedem schon einmal.
Dieser Gedanke wird natürlich aber schnell wieder verworfen; immerhin blickt man, wenn man die Fakten in Betracht zieht, dem gesamten mit Materie erfüllten Raum entgegen. Nur der gegenwärtig der Beobachtung zugängliche Teil erstreckt sich schon allein im Durchmesser bereits über Milliarden von Lichtjahren. Darin befinden sich dann noch einmal Milliarden von Galaxien, und eine dieser Galaxien ist das Milchstraßensystem, das wiederum auch aus mehr als 100 Milliarden Sternen besteht, wovon einer die Sonne ist!
Da bekommt der Satz „der Sonne entgegen fliegen“ zum ersten Mal Inhalt. Aber so fern ist dieser Gedanke gar nicht mehr. Nein - für manch einen wurde er sogar schon Realität. 2001 war Dennis Tito der erste Weltraumtourist, der sich mit eigenen finanziellen Mitteln seinen Flug ermöglichte. Allgemein wird der Flug von Dennis Tito zur ISS (Internationale Raumstation) vom 28. April 2001 bis zum 6. Mai 2001 als die Geburtsstunde des Weltraumtourismus gewertet.
Die Tourismusindustrie beschäftigte sich aber bereits eine kleine Weile länger mit dieser Thematik und wollte mit Studien, Befragungen und Einschätzungen selbst herausfinden, wie ausgeprägt tatsächlich der Wunsch des Ottonormalbürgers ist, ins All zu fliegen. Fakt ist, der Wunsch ist bei vielen vorhanden, aber es hapert an der finanziellen Umsetzung. Dennis Tito zahlte für seinen Flug mit der russischen Sojus-Kapsel zur ISS etwa 20 Millionen Dollar.
Da der Weltraum für Touristen aber zu einem einigermaßen erschwinglichen Preis zugänglich gemacht werden soll, gibt es natürlich Alternativen, wie zum Beispiel Testflüge mit Raumschiffsimulatoren oder Parabelflüge (sie dienen der Erzeugung von Schwerelosigkeit: während der Sturzflugphase ist fast alles im Inneren der Maschine schwerelos, da sie sich im freien Fall befindet). Diese werden im Juri-Gagarin-Kosmonautenzentrum bei Moskau sowie mit kleineren Flugzeugen in Deutschland und Österreich bereits kommerziell angeboten.
Thomas Kraus organisiert seit fünf Jahren „Space Tours“ zusammen mit seinen Firmen, dem „German Space Shop“ und dem „European Space Shop“. Er selbst arbeitete 15 Jahre für Raumfahrtagenturen, raumfahrtbezogene Forschungseinrichtungen und für das Raumfahrtmanagement des DLR (Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt). Er selbst bezeichnet „Space Tours“ als individuellen Erlebnistourismus; so kann man zwischen verschieden Varianten eine auf die Person und deren Wünsche abgestimmte Tour komplett organisiert buchen.
Mit Raumfahrtexperten zu einem Raketenstart oder lieber selbst an einem Astronautentraining teilnehmen und die Schwerelosigkeit mit einem Parabelflug oder mit einer MiG-25 erleben? Oder soll es wie bei Dennis Tito ein Besuch auf der ISS sein? Das alles ist möglich, man muss sich nur entscheiden und die finanziellen Mittel sollten auch nicht fehlen.
Entscheidet man sich für den Flug mit einer MiG-25, sieht das Ganze kurz skizziert in etwa folgendermaßen aus: Mit 2 1/2-facher Schallgeschwindigkeit rast man in den Himmel. Zehn Minuten später ist man an der Grenze zum Weltall - knapp 30.000 Meter über Mutter Erde - ein Kurztrip ins All.
Die MiG-25 wurde Anfang der siebziger Jahre gebaut, das Beschleunigungswunder sollte den schnellsten Abfangraketen davonfliegen. Noch heute fliegen viele Kosmonauten ihre Vorbereitungsflüge mit dieser Maschine. Der Weltraumtourismus kam aber nicht aufgrund der vielen Vorzüge der Maschine zustande, vielmehr war der Grund die leere Kasse der russischen Weltraumbehörde, die gefüllt werden musste. Westliche Weltraumfans kommen da wie gerufen.
Für einen Kurztrip ins All wird der Geldbeutel gerne erleichtert, Hauptsache einmal dem Himmel so nah sein wie kein anderer. Diese Touristen tragen somit dazu bei, die russische Raumfahrt am Leben zu erhalten. Dass der Trip da nicht immer wunderschön ist, lässt man lieber außer Acht! Aber man bedenke dennoch, dass man seinen Körper bei einem Flug dieser Art an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. Nicht jeder verlässt das Flugzeug mit einem strahlenden Lächeln. Der unvergessliche Anblick aber tröstet sicher über vieles hinweg.
Trotzdem sollte man berücksichtigen, dass nicht jedermann für den Aufenthalt im All geschaffen ist, denn rund 70 % aller Menschen leiden nach raumfahrtärztlicher Ansicht unter der „Weltraumkrankheit“. Anstatt also Schwerelosigkeit zu genießen, entleert sich oftmals, gerade bei untrainierten Individuen, der Mageninhalt und es herrscht eine akute Orientierungslosigkeit, die dazu führt, dass man des Öfteren die Wand persönlich grüßt (was trotz Schwerelosigkeit nicht minder weh tut).
Wer gerne in den Genuss der Schwerelosigkeit kommen möchte, informiert sich am besten direkt auf der Seite von Thomas Kraus (www.european-space-tourist.com). Hier werden derartige Trips nach Russland und ins All organisiert und realisiert. Als Flug mit einer MiG-25 beispielsweise kostet eine derartige Grenzerfahrung etwa 10.000 Euro. Zu diesem Flug, der ca. 35 Minuten dauert, kann man noch etwaige Specials buchen, wie zum Beispiel einen Fotografen, der die Reise mit Bildern dokumentiert.
Als Alternative kann man für weitaus weniger Geld eine Reise in die USA buchen, um dort einen Ausflug ins größte Luftfahrtmuseum, dem Smithsonian-Museum, zu unternehmen. Der Eintritt ist frei und es besteht die Möglichkeit, an einer zweistündigen Besichtigungstour mit einem persönlichen Guide teilzunehmen. Weitere Informationen dazu findet man auf www.nasm.si.edu. Diese Erlebnisreise ins All lässt sich also für jeden individuell gestalten.
Als Fazit ist festzuhalten, dass zwischen Weltraumtourismus und Raumfahrtourismus im wahrsten Sinne des Wortes Welten liegen. Der Raumfahrttourismus mit dem Parabelflug oder dem Flug mit einer MiG-25 simuliert zwar nur ein raumfahrtähnliches Erlebnis, ist aber aufgrund dieser Tatsache wesentlich erschwinglicher, während der Weltraumtourismus a là Dennis Tito wohl vorerst nur den Millionären unter uns vorbehalten bleibt.
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