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Seit Oktober 1914 hieß es in ganz Großbritannien jeden Tag um 22 Uhr und 50 Minuten: „Last orders, please!“, womit die Sperrstunde der Pubs um 23 Uhr angekündigt wurde. Dieser Brauch hielt sich 91 Jahre, bis die Sperrstundenregelung für Pubs in Großbritannien am 24. November dieses Jahres endgültig abgeschafft wurde.
Bei einer Abstimmung im Parlament stimmten 302 Abgeordnete für eine Abschaffung, 228 Abgeordnete dagegen. Für die Aufhebung der Sperrstunde gibt es somit keine Widerrufs-Möglichkeit.
Vom Fall der Sperrstunde erhofft man sich vor allem einen zivilisierteren Umgang mit Alkohol. Großbritannien ist vor allem für die vielen Ausschreitungen und Krawalle unter Alkoholeinfluss bekannt. Das so genannte „Binge-Drinking“, bei dem mindestens fünf Pints (ein Pint entspricht ca. einem halben Liter) Bier oder fünf Gläser Schnaps hintereinander getrunken werden, mutierte zum Volkssport. Es ging darum, möglichst schnell, also noch vor der Sperrstunde, betrunken zu werden, bevor man sich auf den Weg in die (teureren) Clubs machte.
Die Labour-Regierung erhofft sich von der Möglichkeit, ohne zeitliche Beschränkung Alkohol kaufen zu können, eine Eindämmung des Kampftrinkens, während die Opposition eher Angst vor noch mehr Alkohol-Krawallen hat. Bezeichnend ist auch, dass innerhalb der Bevölkerung nur die 18- bis 24-jährigen für die Abschaffung der Sperrstunde sind, während der Großteil der Bevölkerung diese Regelung für sinnvoll hält.
Ob sinnvoll oder nicht wird sich erweisen, Fakt ist allerdings, dass in London an manchen Wochenenden zwei Drittel der Krankenwageneinsätze für Betrunkene gefahren werden, jährlich ca. 14 Millionen Arbeitstage aufgrund der Nachwirkungen eines Rausches wegfallen, was einen Produktionsverlust von 10 Millionen Pfund (ca. 15 Millionen Euro) bedeutet, Ausgaben für Polizeiansätze steigen und auch alkoholbedingte Krankheiten stark zunehmen.
Tony Booth, der Schwiegervater von Premierminister Tony Blair, der selbst trockener Alkoholiker ist, meint dazu: „In diesem Land trinken wir nicht wie in den Mittelmeerländern. Wir trinken auf die primitivere angelsächsische Weise. Wir trinken, um betrunken zu werden.” Im internationalen Vergleich sind das jährlich ca. 9,5 Liter purer Alkohol pro Kopf, womit die Angelsachsen allerdings noch hinter den Deutschen und den Franzosen liegen - der Grund für die Exzesse liege aber nicht in der Menge, sondern in der Geschwindigkeit, mit der der Alkohol konsumiert werde, so Andrew McNeil vom Institut für Alkoholstudien.
Der Fall der Sperrstunde betrifft übrigens nicht alle Pubs, sondern nur jene, die eine so genannte 24-Stunden-Lizenz beantragen. Von den rund 81.000 Pubs in Großbritannien haben dies immerhin erst 70 % der Pubs getan.
Spätestens wenn die neuen Statistiken veröffentlicht werden, wird sich zeigen, was das Ende der Sperrstunde wirklich gebracht hat. Ihre persönliche Meinung dazu können Sie aber schon jetzt im Life-Go Forum bekannt geben.
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