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Tippt man in diesen Tagen, rein aus Interessensgründen oder weil man am Thema mittlerweile nicht mehr vorbei kommt, in der Suchmaschine Google den Begriff „Vogelgrippe“ ein, erhält man in genau 0,8 Sekunden über 2.720.000 Einträge, die diese Thematik mehr oder weniger behandeln.
Die Vogelgrippe hat die Medien fest im Griff und hält die Weltbevölkerung in Atem. Doch schon vor den aktuellen Begebenheiten und Todesfällen in Rumänien sowie der Türkei gab es Ausbrüche der Geflügelpest.
Zwei Beispiele: Im November / Dezember 1997 gab es in Hongkong 18 Erkrankte und 6 Tote in Folge von Erkrankungen von Vogel-Influenzaviren während einer Geflügelpest. Im Frühjahr 2003 erkrankten in den Niederlanden 83 Personen am Virus, eine Person starb.
Aber was ist die Vogelgrippe, wieso erhält sie so viel Aufmerksamkeit von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und hat ständige Medienpräsenz?
Hauptgrund ist, dass das tierische Vogelgrippe-Virus zu einer für den Menschen gefährlichen Form mutieren kann. Aggressive Varianten der Virustypen H5 und H7 führen zu schweren Seuchenausbrüchen - Fachleute sprechen dann von Geflügelpest. Daher wäre bei einer „Mensch zu Mensch - Übertragung“ die Gefahr einer Pandemie (einer weltweiten Epidemie) gegeben.
Die Vogelgrippe wird durch ein Influenza-Virus hervorgerufen und kann in seltenen Fällen von Geflügel auf Menschen übertragen werden. Besonders hoch ist die Gefahr einer Ansteckung bei jenen Menschen, die auf engstem Raum mit den Tieren zusammenleben. Dies ist besonders oft in Asien der Fall. Die Infektion erfolgt hierbei durch direkten Kontakt, das Einatmen von Kotstaub, sowie den Verzehr von ungekochtem Hühnerfleisch bzw. Eiern.
Sowohl die WHO als auch die Europäische Agentur für Ernährungssicherheit aber halten eine Ansteckung über eben genannte Lebensmittel im gekochten Zustand für sehr unwahrscheinlich. Trotzdem ist eine rasche Ausrottung der Geflügelpest unumgänglich: denn sollte ein Mensch gleichzeitig mit einem herkömmlichen Virus und zusätzlich mit dem „H5N1“-Virus infiziert werden, könnte sich ein neuer, „humaner“ Virus bilden. In diesem Fall müsste dieser schnellstens identifiziert werden, um einen geeigneten Impfstoff herstellen zu können.
Sollte es in Deutschland zu einem Ausbruch der Geflügelpest kommen, ist nach Informationen des renommierten Robert-Koch-Instituts für diesen Fall der Einsatz des antiviralen Medikaments „Tamiflu“ vorgesehen - das zur Zeit einzig bekannte Gegenmittel. Dieses wurde jedoch in der letzten Woche von Experten und den Medien kritisiert. Der Hersteller Roche wurde angehalten, weitere Entwicklungen des Produkts vorzunehmen, da trotz Einnahme des Mittels Patienten gestorben waren.
Britische Forscher gehen, laut einer im Dezember des Vorjahres erschienenden Studie, mittlerweile gar davon aus, dass sich bei der zurzeit empfohlenen Behandlung mit Tamiflu eine Resistenz entwickeln kann. Die Firma Roche aber lies verlautbaren, dass durch das Mittel bereits bei Millionen Patienten eine Behandlung der Influenza vorgenommen werden konnte. Resistenzen sind immer zu erwarten, sie wären jedoch Einzelfälle.
Experten gehen davon aus, dass das Vogelgrippe-Risiko in Deutschland angesichts der jüngsten Fälle in der Türkei größer ist als bisher angenommen. Dies liegt vor allem am starken Reiseverkehr (auch aus der Türkei), bei dem das Virus eingeschleppt werden könnte. Grenzübergänge, Häfen und Busreiserouten werden aus diesem Grund intensiver kontrolliert. Die Einfuhrbestimmungen von ausländischen Geflügelprodukten wurden ebenso verschärft. Zudem überlegt die deutsche Regierung, die Stallpflicht für Geflügel ab Februar oder März wieder einzuführen. „Im Augenblick gehe ich davon aus, dass die Stallpflicht im Februar oder März dieses Jahres, wenn die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurückkommen, erneuert wird“, sagte der Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Gert Lindemann, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von Dienstag, dem 10. Januar 2006.
In Österreich überlegt man augenblicklich keine Wiederaufnahme der Stallpflicht, die von 22. Oktober bis 15. Dezember für heimisches Federvieh wie Enten, Hühner, Gänse und Truthähne verhängt wurde. Von einer Gefahr gehe man zurzeit nicht aus. Trotzdem hat man, wie die Nachbarländer Deutschland und Schweiz Maßnahmen getroffen und Krisenpläne erstellt, um rasch auf einen möglichen Ausbruch reagieren zu können.
In der EU hat man angesichts der raschen Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei die Einfuhrbestimmungen für Geflügelprodukte verschärft. Für Federn aus den Nachbarstaaten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Syrien, Iran und Irak gilt künftig ein Importverbot, wie die EU-Kommission am Montag, den 9. Januar mitteilte. Zudem hat man seit der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen rund 25.000 Vögel in der EU getestet. Alle Tests seien allerdings negativ ausgefallen.
Aktuell ist die Geflügelpest momentan in der Türkei, wo letzte Woche drei Geschwister an der Seuche erkrankt und gestorben sind. Diese Nachricht sorgte in Europa für Erschrecken, da dies der erste Fall ist, der sich außerhalb Südostasiens und Chinas zugetragen hat. Obwohl derzeit keine neuen Todesfälle gemeldet wurden, breitet sich die Tierseuche rasch weiter aus. Alleine am Wochenende wurden im Norden wie auch im Westen der Türkei neue Verdachtsfälle gemeldet die noch untersucht werden müssen. Vor kurzem ist der Vogelgrippe-Virus auch erstmals im Südwesten, genauer in einem Urlaubsort an der ägäischen Küste, aufgetaucht. Auch in der Hauptstadt Ankara gab es jüngst einen Fall, der medial präsent war.
Erschreckend ist die Tatsache, dass die Erkrankung auf andere Tierarten übergreifen kann. Bei Tauben wurden erstmals Infektionen beobachtet. Man befürchtet, dass diese auch anderes Federvieh wie z.B. Amseln oder Möwen anstecken könnten.
Schärfere Kontrollen werden notwendig sein, wenn man eine Einschleppung der Krankheit in andere Länder unterbinden will. Die WHO geht aber auch nach den jüngsten Todesfällen nicht von einer wachsenden Bedrohung für die Menschen aus, da es aktuell keine eindeutigen Hinweise darauf gäbe, dass das Virus von Mensch zu Mensch überspringen könnte. Trotzdem ist Vorsicht und ständige Kontrolle von Nöten, denn der höchst krankheitserregende Virus könnte sich massenhaft in allen Teilen Europas ausbreiten.
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