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Wenn die Dunkelheit krank macht - Deprimiert durch die Wintermonate


14.01.2006 (R. Schmidt) Kategorie: Gesundheit

Viele kennen es: Zu Beginn der dunklen Wintertage fühlt man sich energielos, müde und schlecht gelaunt; eigentlich ein ganz normales Problem, sofern es nur dabei bleibt und nach kurzer Zeit wieder vergeht.

Leider gibt es aber immer mehr Menschen, bei denen diese Symptome so schnell nicht wieder vergehen, sondern während des Winters immer wieder kommen. Diese Menschen leiden an einer speziellen Form der Depression: Der Winterdepression.

Etwa 1 % der Bevölkerung leidet unter dieser Krankheit. Die Erkrankten fühlen sich antriebslos, sind meist sehr traurig, müde und haben es schwer, morgens aus dem Bett aufzustehen. Auch beginnen die Betroffnen meist soziale Kontakte zu meiden. Am besten fühlen sie sich allein und in dunklen Räumen.

Diese Krankheit heißt in der Fachsprache „saisonal abhängige Depression“, kurz SAD. Saisonal daher, da sie jahreszeitlich bedingt ist. Über die genauen Ursachen dieser Krankheit gibt es bis jetzt keine klaren Antworten, jedoch vermuten die Wissenschaftler, dass ein Mangel an Tageslicht und Bewegung in den Herbst- und Wintermonaten eine enorme Rolle spielt.

Leider müssen die Betroffenen häufig mit Vorurteilen leben, da diese Depression in der Bevölkerung kaum akzeptiert wird. Prof. Ulrich Hegerl vom „Kompetenznetz Depression“, einem Forschungsprojekt der Universitätskliniken in Deutschland, betont jedoch, dass man die Winterdepression stark von einer miesen Laune trennen muss. Weiter erklärt er, dass eine gedrückte Stimmung, die wieder vergeht, zum Leben dazugehört. Aber Menschen, die an einer Winterdepression leiden, leiden unter einem „ganz generellen Verlust der Lebensfreude und des Interesses“.

Die erkrankten Patienten bezeichneten sich häufig als „innerlich abgestorben“. Fachärzte beschreiben diesen Zustand als „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Gefährlich wird dieser Zustand, sobald die Betroffenen an Selbstmord denken, um ihren Depressionen zu entfliehen.

Tragisch ist auch, dass die Erkrankten ihr soziales Umfeld meiden. Dabei sind gerade in dieser Phase Familienangehörige, Freunde und Bekannte sehr wichtig, solange diese allerdings Argumente wie: „Kopf hoch, das wird schon“ oder „Reiß dich doch mal zusammen“, meiden. Denn diese gut gemeinten Ratschläge verschlimmern die Situation in der Regel. Was die Betroffenen in ihrer Lage brauchen, ist jemand, der zuhört, sie ernst nimmt und viel Geduld hat. Wichtig sind auch Spaziergänge oder andere sportliche Aktivitäten an der frischen Luft. Auch ein Besuch der Sonnenbank kann manchmal Wunder bewirken.

In der Medizin gibt es für die Winterdepression gute Behandlungsmöglichkeiten. So kann den Betroffenen zum Beispiel mit Hilfe einer speziellen Lichttherapie geholfen werden. Bei dieser Behandlungsmethode sitzt der betroffene Patient zwei Wochen lang täglich vor einem Apparat mit Leuchtstoffröhren, deren Lichtintensität am Auge mindestens 2.500 Lux beträgt. Wichtig dabei ist es, dass der zu Behandelnde die Augen geöffnet hält, da die Wirksamkeit über die Netzhaut vermittelt wird. Erfolge können schon nach einigen Tagen wahrgenommen werden.

Außer der Lichttherapie gibt es die medikamentöse Behandlung. Ein spezielles Medikament ist der selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Aber auch Kneipp-Wechselbäder und einige Tassen Johanniskrauttee können zu Erfolgen und besserer Laune führen.

Wichtig ist jedoch für die Betroffenen, dass sie so viel wie möglich versuchen in der dunklen Jahreszeit an der frischen Luft und besonders bei Tageslicht aus dem Haus zu gehen.

Weitere spezielle Medikamente gegen Winterdepression:

- Phytopharmaka (z. B. Extrakt aus Johanniskrautöl)
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)
- selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI)
- Noradrenalin-Serotonin spezifisches Antidepressivum (NaSSA)

Generell ist Betroffenen unbedingt zu raten, sich einem Arzt anzuvertrauen, da den meisten professionelle Hilfe am ehesten helfen kann.



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