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Er war Geologe, Bergsteiger, Sportler im Olympiateam von 1936, Schriftsteller, Professor und diente nicht zuletzt dem 14. Dalai Lama in Tibet als Privatlehrer. Der am 7. Januar 2006 verstorbene Heinrich Harrer konnte mit 93 Jahren auf ein erfülltes Leben zurückblicken.
Die Beerdigung fand in seinem Geburtsort Hüttenberg in Österreich am Samstag, den 14. Januar statt. Sogar der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel meldete sich zu Wort und drückte in einer Erklärung seine Bewunderung für den weltweit bekannten Bergsteiger aus: „Heinrich Harrer, dessen Leben mich fasziniert hat, verdanke ich schöne und interessante Gespräche.“
1912 in Hüttenberg (Österreich) geboren, studiert Heinrich Harrer ab 1933 Geologie und Sport an der Universität in Graz. Drei Jahre später nimmt er in den Disziplinen „Abfahrt“ und „Slalom“ an den Olympischen Spielen 1936 teil. Im Jahr darauf wird er staatlich anerkannter Skilehrer und Bergführer, wieder ein Jahr später besteht er das Lehramtsexamen.
Ganz auf seine Leidenschaft, das Bergsteigen, fixiert, gelingt es ihm 1938, als erster Mensch die schweizerische Eiger-Nordwand zu besteigen. Er wird Mitglied im Team der 1939 aufbrechenden Himalaja-Expedition, die den Nanga Parbat, den 8125 m hohen „König der Berge“ im heutigen Pakistan besteigen will. Vom Ausbruch des 2. Weltkriegs überrascht wird das Team allerdings in Indien von den Briten interniert. Erst 1944 gelingt Heinrich Harrer zusammen mit seinem Kollegen Peter Aufschnaiter die Flucht.
Zwei Jahre dauert die Flucht, die durch Nordindien in das damals noch unabhängige, vom 11-jährigen Dalai Lama regierte Tibet führt. Sie sind die beiden einzigen Ausländer, die in der „verbotenen Stadt“ Lhasa geduldet werden. Während Peter Aufschnaiter eine Tibeterin heiratet, wird Heinrich Harrer zum Berater und Lehrer des Dalai Lama.
Anfang der 50er Jahre kehrt Heinrich Harrer nach Österreich zurück. Auch der Dalai Lama verlässt 1959 Tibet, von den Chinesen durch deren militärische Besetzung Tibets zur Flucht gezwungen. Heinrich Harrers 1952 veröffentlichte Buch „Sieben Jahre in Tibet“, in dem er seine Erfahrungen und Eindrücke vom „Dach der Welt“ beschreibt, schaffte große Sympathie für den exilierten Dalai Lama und wurde bis heute in 60 Sprachen übersetzt. Weltweit bekannt wurde Heinrich Harrers Aufenthalt in Tibet schließlich durch die Hollywood-Verfilmung des Buches von 1997 mit Brad Pitt in der Hauptrolle.
Nach seiner Rückkehr aus Tibet bestieg Heinrich Harrer zahlreiche weitere Berggipfel in Amerika und Afrika. Später betrieb er vor allem ethnologische Forschungen in Südamerika und Südostasien. 1962 wurde dem passionierten Golfspieler die Professur verliehen. Er war insgesamt drei Mal verheiratet, unter anderem in erster Ehe mit Lotte Wegener, Tochter von Alfred Wegener, dem Entdecker der Plattentektonik.
Tibet blieb jedoch Zeit seines Lebens in seinem besonderen Interesse. 1980 kehrte er, neben Reisen nach Indien und Nepal, in das noch heute zu China gehörende Land zurück. 1986 wurde in seiner Heimatstadt Hüttenberg das „Heinrich-Harrer-Museum“ eröffnet. Der Dalai Lama selbst weihte 1992 den dortigen buddhistischen Gebetsraum ein.
Ein Schatten liegt über Heinrich Harrers Leben: Nach der Annexion Österreichs an das deutsche Reich 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und sogar der SS. An NS-Verbrechen sei er aber nicht beteiligt gewesen, versichert der Leiter des NS-Dokumentationszentrums in Wien, Simon Wiesenthal. Harrer selbst bezeichnete seine Sympathisierung mit Hitler-Deutschland später als „dummen Fehler“ und „ideologischen Irrtum“.
Der heute 60-jährige Dalai Lama verliert in Heinrich Harrer seinen ersten westlichen Lehrer, sowie einen langjährigen Freund. Die Unabhängigkeit Tibets, die nicht nur von den Tibetern, sondern auch von vielen Deutschen unterstützt wird (z.B. in der „Tibet Initiative Deutschland e.V.“) wird Heinrich Harrer nun nicht mehr erleben können.
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