|
Der katastrophale Dacheinsturz einer Eishalle in Bad Reichenhall forderte am 2. Januar 2006 fünfzehn Menschenleben. Zwölf Opfer waren nicht einmal sechzehn Jahre alt. Am Nachmittag gegen 16 Uhr stürzte die gesamte Dachkonstruktion der Eishalle auf die Besucher, die fünfzehn Opfer hatten keine Chance, sie waren sofort tot. Darüber hinaus wurden 34 Menschen verletzt.
Die 18.000 Einwohner zählende Kleinstadt steht unter Schock, viele geben dem 55-jährigen Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier (Freie Wähler) die Schuld an der Tragödie. Das am Nachmittag terminierte Training des örtlichen Eishockey-Athletik-Clubs war zwei Stunden vor der Katastrophe abgesagt worden, weil durch den anhaltenden Schneefall eine Überlastung des Daches drohte. Warum das Dach einstürzte, obwohl der zulässige Höchstwert des Schneegewichtes noch nicht erreicht war, ist derzeit ungeklärt.
Der Architekt der 1972 eröffneten Eishalle, Hans Jürgen Schmidt-Schicketanz, wies darauf hin, dass bei der Planung des Daches 150 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter einkalkuliert worden waren, und dass Statiker darüber hinaus einen noch höheren Grenzwert als Sicherheitsvorkehrung ansetzten. Am Tag des Einbruchs wurde die Schneelast auf dem Dach noch gemessen, zum Zeitpunkt des Unglücks lag das Schneegewicht deutlich unter dem erlaubten Maximum.
Die besonders nasse und schwere Konsistenz des null Grad warmen Schnees hätte nicht alleine die Katastrophe auslösen können, so sind sich Experten einig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt augenblicklich auf Hochtouren. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf der Holzkonstruktion des Daches. Bisher ist die Ursache nicht geklärt, erste Vermutungen lassen darauf schließen, dass die Feuchtigkeit das Holz marode gemacht haben könnte, oder Ablösungen der Leimverbindungen im Dach für die Tragödie verantwortlich seien. Der Prüfingenieur Walthari Fuchs will in den Trümmern Leimablösungen gefunden haben; er war aber nicht im Auftrag der Staatsanwaltschaft tätig, die wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt ermittelt.
Spekulationen über die Kenntnis möglicher Sicherheitsgefahren der Eishalle weisen die öffentlichen Behörden entschieden zurück. Ein Gutachten aus dem Jahre 2003 bestätigt die Aussage des Oberbürgermeisters Wolfgang Heitmeiers, dass das Dach der Eishalle nicht als sanierungsbedürftig gegolten habe. Die Sanierungspläne der Eishalle beschränkten sich ausschließlich auf die technische Ausstattung, nicht aber auf die Bausubstanz.
Im Rahmen eines ökumenischen Trauergottesdienstes gedachten rund 1.000 Angehörige und Freunde, Vertreter des Staates und der Kirche der Opfer und nahmen schmerzlich Abschied. Für jedes der 15 Opfer des Eishalleneinsturzes sowie auch der drei Opfer der am gleichen Tag abgegangenen Lawine wurde ein Licht entbrannt.
Am Tage des Einsturzes der Eishalle waren in der Nähe Bad Reichenhalls drei Tiefschneewanderer von einer Lawine in den Tod gerissen worden.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der sich unter den Trauergästen befand, gab zu Bedenken: „Voreilige Schuldzuweisungen, so verständlich sie in dieser Ausnahmesituation auch sein mögen, helfen niemandem.“ Voraussichtlich werden die Ermittlungen noch bis April andauern.
|