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Der Kopf brummt, die Nase läuft und der Bauch tut weh - ein Gang zur Apotheke und der Patient wird durch Selbstmedikation sein eigener Arzt. Doch Vorsicht ist geboten, denn es herrscht der weit verbreitete Irrglaube, dass Medikamente, die frei verkauft werden, nicht schädlich seien.
Das Medikament ist eine der ältesten Errungenschaften der Menschen. Schon der bekannte Gletschermann Ötzi trug vor mehr als 5.000 Jahren einen Pilz bei sich, der ihm bei seinem Wurmbefall helfen sollte. Heutzutage gibt es vor allem Dank der synthetischen Präparate eine Bandbreite von Medikamenten, die unterschiedlichste Anwendungsgebiete abdecken. Welche Medikamente apotheken- und rezeptpflichtig sind, darüber entscheidet die Expertenkommission des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Hinblick auf den individuellen Anwendungsbereich, die Darreichungsform und die Wirkstoffkonzentrierung des Präparats.
Da Ärzte immer weniger Medikamente verschreiben dürfen, Patienten die Praxisgebühren scheuen oder den Gang zum Arzt als zu zeitaufwendig bewerten, gehen fast 2/3 der Deutschen bei gesundheitlichen Problemen direkt in die Apotheke. Dort kaufen sie ohne Anweisung eines Arztes rund 40 Prozent aller verkauften Medikamente.
Dem rezeptfreien Bereich fallen somit 650 Millionen der insgesamt 1,6 Milliarden Packungen jährlich zu. Dabei wird oft unbedacht gekauft und angewendet. Der oft kryptisch erscheinende Beipackzettel wird von den Betroffenen nicht richtig gelesen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten erst gar nicht beachtet. Dies kann dazu führen, dass das wirksamste Mittel krank machen kann, wenn beispielsweise ein frei verkäufliches Präparat mit einem rezeptpflichtigen Medikament vermischt wird. Kombiniert ein Patient zum Beispiel das Naturmittel Johanniskraut mit einem vom Arzt verschriebenen Medikament, kann dieses entweder wirkungslos werden oder verstärkt wirken.
Auch Langzeitwirkungen und Überdosierungen von Medikamenten können zu einem bösen Erwachen führen. Zum Beispiel kann die Azetylsalizylsäure, die u.a. in Aspirin und ASS-Ratiopharm vorkommt, bei langer Behandlungsdauer Magenschleimhäute schädigen und im schlimmsten Fall sogar ein Magengeschwür auslösen. Diese Azetylsalizylsäure gehört der Gruppe von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) an, die die am häufigsten selbst gekauften Mittel gegen Gelenk- und Muskelschmerzen stellt. Auch andere Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Magengeschwüre legen dem Kranken noch eine weitere Last auf den eh schon geschwächten Körper. Die Einnahmedauer solcher NSAR-Medikamente - zu denen auch Ibuprofen und Naproxen gehören - sollten daher das verordnete Zeitmaximum auf keinen Fall überschreiten.
Zu diesen und anderen Ergebnissen kam „Stiftung Warentest“ bei einer Untersuchung von über 9000 Medikamenten - darunter 1.500 frei verkäufliche Medikamente -, dessen Ergebnis erschreckend wirkt: ca. 40 Prozent der frei verkäuflichen Medikamente sind wirkungslos oder gar schädlich. Dazu gehören bekannte Schmerzmittel wie „Thomapyrin“ und „Togal“, das Grippemittel „Wick MediNait“ und die Halsschmerztablette „Frubienzym“.
„Stiftung Warentest“ stellte daher 2004 ein Handbuch zusammen, das dem Verbraucher einen detaillierten Überblick in Sachen Nebenwirkungen, sinnvollen Behandlungsalternativen, Wechselwirkungen und andere Warnhinweise gibt. Zu bestellen ist dieses über www.stiftung-warentest.de.
Also: Augen auf beim Medikamentenkauf!
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