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Deutschland trauert um „Bruder Johannes“


27.01.2006 (N. Galetzka) Kategorie: Politik

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau starb am 27. Januar 2006 im Alter von 75 Jahren. Nach Angaben seines Büros in Berlin starb er Freitagmorgen in seinem Wohnsitz in Berlin im engsten Kreis seiner Familie. Rau war bereits länger krank gewesen und hat sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt als Bundespräsident am 1. Juli 2004 bereits zwei Operationen unterziehen müssen, von denen er sich scheinbar nicht richtig erholen konnte.

Zuletzt hatte er mehrere öffentliche Auftritte abgesagt. So konnte er kürzlich nicht mehr an dem Empfang Teilnehmen, den der amtierende Bundespräsident Horst Köhler anlässlich Raus 75. Geburtstag am Montag, den 16. Januar im Schloss Bellevue gegeben hatte. Johannes Rau hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Köhler hat zum Gedenken an Johannes Rau für den 7. Februar 2006 einen Staatsakt angeordnet.

Sein politisches Leben

Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal geboren. Er war Sohn eines Kaufmanns, besuchte das Gymnasium und arbeitete zunächst als Verlagsbuchhändler, dann als Lektor in Witten. Ab 1949 war er freier Mitarbeiter der „Westfälischen Rundschau“ in Wuppertal, ab 1954 Geschäftsführer beim Jugenddienst-Verlag, ab 1962 Vorstandsmitglied und ab 1965 Direktor dieses Verlages.

Sein politischer Werdegang begann 1952. Rau wurde Mitglied in der vom ehemaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann mitbegründeten Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) und gleichzeitig deren Kreisvorsitzender Wuppertals. Fünf Jahre später löste sich die GVP auf und Rau wurde SPD-Mitglied.

1958-1962 Vorsitzender der Jungsozialisten in Wuppertal
1958-1999 im Landtag von Nordrhein-Westfalen
1962-1967 Mitglied im Vorstand der SPD-Fraktion und deren Vorsitzender
1964-1978 Tätigkeit im Stadtrat Wuppertal
1969-1970 Oberbürgermeister von Wuppertal
1977-1998 Vorsitzender des Landesvorstandes in Nordrhein-Westfalen
1978-1995 Ministerpräsident
1982-1983 und
1994-1995 Bundesratspräsident

In der Bundestagswahl 1987 trat er als Kanzlerkandidat der SPD an, unterlag jedoch dem damals amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl. Johannes Rau zählte zu den führenden Politikern Deutschlands: Fast 50 Jahre politische Aktivität, davon 20 Jahre als Ministerpräsident von Nordrheinwestfalen. 1999 wurde Rau der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus war Rau Ehrenpate des weltweit 1.000.000-sten Patenkindes des Kinderhilfswerkes „Plan International“. Die Patenschaft des Kindes hatte er von seinem Vorgänger Roman Herzog übernommen.

Sein privates Leben

1982 heiratete er Christina Delius. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor: Anna Christina, Philip Immanuel und Laura Helena.

Er war leidenschaftlicher Skatspieler, sehr humorvoll und legendär bibelfest, was ihm den Spitznamen „Bruder Johannes“ einbrachte.

2004 unterzog sich Rau einer schweren Herzoperation, bei der ihm eine künstliche Herzklappe implantiert wurde. Ende desselben Jahres musste - aufgrund seines Kettenrauchens - eine Notoperation durchgeführt werden.

Einer seiner letzen öffentlichen Auftritte war die Einweihung der Frauenkirche in Dresden am 20. Oktober 2005.

Zwischen 1985 und 2005 wurden ihm 28 Ehrungen verliehen.

Politiker aller Parteien äußerten sich gleichermaßen sehr betroffen über den Verlust von Johannes Rau. Durch seine friedensorientierte Politik und sein Engagement ist Rau bei den Bundesbürgern und über jegliche Parteigrenzen hinaus sehr geschätzt und geachtet.



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