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Geishas sind, entgegen der landläufigen westlichen Meinung, keine Prostituierten oder Kurtisanen. „Geisha“ bedeutet Kunstwerk, und der Begriff bezieht sich sowohl auf ihre Fähigkeiten als Künstlerin, z.B. traditionelle japanische Fächertänze tanzen oder die Shamisen, ein japanisches Saiteninstrument, spielen zu können, als auch auf ihre Erscheinung selbst: In einen teuren Kimono gekleidet, die Haare hochgesteckt und mit weiß geschminktem Gesicht verkörpert sie das Ideal der perfekten Frau, die einen Mann mit einem Blick um den Verstand bringen kann.
Geisha zu werden ist auch das Ziel der kleinen Chiyo. Als Kind zusammen mit ihrer Schwester von ihren verarmten Eltern verkauft, kommt sie im Kyoto der 30er Jahre in eine Okiya - das traditionelle, von einer Mauer umgebene Haus, in dem eine Geisha mit ihren Haushaltsangehörigen lebt.
Zwischen den Bewohnern der Okiya gibt es in der Regel keine verwandtschaftlichen Beziehungen, dennoch wird die Besitzerin der Okiya respektvoll mit „Mutter“ angeredet. Der jungen Geisha Hatsumomo, die jede Nacht als Gesellschafterin in Teehäusern verbringt und so für den Lebensunterhalt aller Bewohner der Okiya aufkommt, darf Chiyo als einfaches Mädchen vom Land nicht einmal ins Gesicht sehen.
Als Chiyo nach einiger Zeit in der Okiya erfährt, dass ihre Eltern gestorben sind (die Mutter war sehr krank), und dass keiner weiß, wohin ihre Schwester untergetaucht ist, wird das Leben als Geisha für sie zu der einzigen Option ihrem Dasein als Sklavin im Haushalt der Okiya zu entfliehen.
Zunächst jedoch sehen ihre Zukunftsaussichten schlecht aus. Von der tyrannischen Matsumomo aus reiner Boshaftigkeit zu einer schrecklichen Tat gezwungen, nämlich einen unbezahlbaren Kimono mit Tinte zu beschmieren, verliert sie die Erlaubnis zur Schule zu gehen und ist für Jahre gezwungen als Dienstmädchen in der Okiya zu arbeiten, während ihre Freundin, „Kürbisköpfchen“, unter Matsumomos Aufsicht zur Geisha ausgebildet wird.
Auf einer Brücke, von der sie eines Tages trübselig herunterstarrt, begegnet sie einem Mann, der sich als erster Mensch in ihrem Leben freundlich erweist (indem er ihr spontan ein Eis spendiert). Diese Begegnung soll von nun an ihr Leben bestimmen, denn sie beschließt, komme was wolle, selbst Geisha zu werden und diesen Mann so wieder sehen zu können.
Wunderbarerweise kommt nur kurze Zeit später Mameha, die berühmteste Geisha Kyotos, in ihre Okiya und erklärt sich dazu bereit, die Kosten für Chiyos Ausbildung zu übernehmen. Ein rücksichtsloser Wettstreit zwischen den Rivalinnen Matsumomo und Mameha entbrennt, welcher von ihnen es gelingen wird, den erfolgreicheren Schützling hervorzubringen. Chiyo mit ihren für eine Japanerin ungewöhnlichen, blauen Augen bekommt schließlich den Namen Sayuri und ist wenige Jahre später selbst die bekannteste und begehrteste Geisha Japans.
Der zweite Weltkrieg holt schließlich auch ihr von der Außenwelt weitgehend abgeschottetes Leben ein. Die Teehäuser werden geschlossen, die reichen Generäle und Unternehmer haben andere Sorgen als sich von schönen Frauen unterhalten zu lassen und Sayuri wird von einem ihrer Gönner aufs Land geschickt, wo sie vor den Bombenangriffen sicher ist.
Nach dem Einmarsch der Amerikaner 1945 ist nichts mehr wie zuvor. Japanische Traditionen werden zu Kitschware für amerikanische Soldaten und die meisten Geishas verzichten nach Jahren des Arbeitens außerhalb der Teehäuser und der Unabhängigkeit von ihren Okiyas gerne darauf, ihre alte Profession wieder aufzunehmen. Mameha beispielsweise besitzt ein großes Haus, dessen Räume sie vermietet. Was wird aus Sayuri werden? Wird sie ihren Direktor, den Mann, der in ihrer Kindheit freundlich zu ihr war, wieder sehen und ihm endlich ihre Liebe gestehen?
Rob Marshall verfilmte unter dem Produzenten Steven Spielberg mit „Die Geisha“ einen Roman des Amerikaners Arthur Golden, der auf wunderbare Weise eine verlorene Welt wieder aufleben lässt. Noch heute gibt es eine Handvoll Geishas in Kyoto, der alten Kaiserstadt Japans, doch auch die Japaner selbst sehen in ihnen nicht viel mehr als eine Touristenattraktion.
Mit Musik von Yo-yo Ma, einem weltbekannten japanischen Cellisten, vielen traditionellen japanischen Liedern und Tänzen und nicht zuletzt den herrlichen Kimonos, wird der Zuschauer in eine Welt entführt, die so ganz anders als unsere ist. Doch selbst Originalschauplätze in Kyoto und viel nebelverhangene japanische Berglandschaft können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine amerikanische Produktion handelt.
Die Hauptdarstellerin beispielsweise ist Chinesin, wie auch der größere Teil der übrigen Darstellercrew. Haben sich chinesische Schauspieler und Regisseure in Hollywood bereits etabliert - man denke nur an den chinesischen Regisseur Ang Lee, der für „Brokeback Mountain“ (einer Geschichte über zwei homosexuelle Cowboys) am 16. Januar einen „Golden Globe“ gewann - tun sich japanisches Kino und japanische Themen in der westlichen Welt noch immer schwer.
Wer also auf ein authentisches Bild der japanischen Geschichte und Kultur hofft, wird enttäuscht werden. Trotzdem kann der Film gut unterhalten, denn genau wie in der Romanvorlage gibt es sympathische Charaktere und eine spannende Handlung.
Mit Zhang Ziyi, Ken Watanabe, Michelle Yeoh, Koji Yakusho, Youki Kudoh, Kaori Momoi, Tsai Chin, Cary-Hiroyuki Tagawa und Gong Li.
Länge: 145 Minuten
Freigegeben ab 12 Jahren.
Seit dem 19. Januar in den deutschen Kinos.
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