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Die Sonne übt seit jeher eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Vor 7.000 Jahren errichteten die prähistorischen Menschen im sachsen-anhaltinischen Goseck das älteste Sonnenobservatorium Europas.
Bei diesem Sonnenobservatorium handelt es sich um eine Kreisgrabenanlage mit einem Durchmesser von 74 Metern. Die Anlage verfügte über doppelringförmige, zwei Meter hohe Holz-Palisadenzäune, die durch drei Tore zugänglich war. Im Inneren dieser Anlage konnten die prähistorischen Menschen exakt den Tag der Wintersonnenwende am 21. Dezember und die Sommersonnenwende am 21. Juni mithilfe bestimmter Visiere bestimmen.
Die Nutzung dieser Vorrichtung war nur von geringer Dauer, denn nach der Errichtung vor 7.000 Jahren - diese Anlage ist somit um zirka 2.000 Jahre älter als Stonehenge - wurde sie nach etwa 200 Jahren wieder aufgegeben. Dies ist das Resultat einer dreitägigen internationalen Fach-Archäologentagung, auf der sich etwa 40 Experten aus England, der Slowakei, Tschechien, Österreich, Polen und Deutschland mit ihren Erkenntnissen zu dieser
und anderen steinzeitlichen Anlagen auseinandergesetzt hatten.
Archäologen wurden bei der Auswertung von Luftbildern aus dem Jahr 1991 auf kreisförmige, schattenhafte Verfärbungen des Bodens aufmerksam. Im Jahr 1999 wurden noch einmal Luftbilder angefertigt. Wissenschaftler wandten zur Prüfung der Fotos eine Methode namens „geomagnetische Prospektion“ an, die auf der Beobachtung der Stärke des erdmagnetischen Feldes beruht. Diese zeigt Abweichungen von normalen Werten, wenn Fremdkörper wie beispielsweise Ziegeln oder Tongegenstände im Boden liegen, da diese Mineralien eine andere magnetische Strahlung besitzen. So bestätigte sich die im Jahr 1991 gemachte Entdeckung eines kreisförmigen Systems.
An den im Jahr 2002 stattgefundenen Ausgrabungen nahmen Archäologen der Martin-Luther-Universität Halle und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie teil. Diese entdeckten in der Anlage zwei Opfergruben, in denen Reste sowohl von tierischen, als auch von menschlichen Knochen nachweislich vergraben waren. Zudem wurde aufgrund hunderter Tonscherben die Entstehungszeit laut Experten auf 4.800 vor Christus geschätzt. Damit gilt die Anlage als ältestes Sonnenobservatorium der Welt.
Auch die Nutzung als Sonnenobservatorium wurde von Experten nachgewiesen. Für die eigentliche Aufgabe dieser Anlage, nämlich der Bestimmung der Sonnenwende, sprechen folgende Fakten: Die drei Tore und die Visieraussparungen sprachen für eine solche Nutzung. Sie waren in ihrer Anordnung so festgelegt, dass die Sonne am Tag der Wintersonnenwende exakt im Osttor auf- und immer Westtor unterging. Das dritte Tor war genau nach Norden ausgerichtet. So konnten die Steinzeitmenschen vermutlich anhand des Sonnenstandes nicht nur die Himmelrichtungen, sondern auch den Jahreszyklus bestimmen. Das beinhaltete auch die Bestimmung des längsten bzw. kürzesten Tages des Jahres.
Die Beachtung kleiner Details nahm bei der Rekonstruktion des Sonnenobservatoriums eine vordergründige Stellung ein. Da bei den Ausgrabungen kultische Bemalungen und Verzierungen festgestellt worden sind, sind diese sehr wichtigen Details bei der Rekonstruktion des Sonnenobservatoriums mit berücksichtigt worden. Um auf die kultische Bedeutung dieses Standortes hinzuweisen, brachte man auf den Pfosten der Tore Rinderschädel an.
Dr. Harald Meller, Sachsen-Anhalts Landesarchäologe, sagte folgendes bezüglich der Kultstätte: „Die Anlage ist perfekt ausgegraben, sehr gut datiert und extrem gut erhalten. Sie ist eine Momentaufnahme aus der Welt der ersten Bauern der Steinzeit in Mitteldeutschland und zeigt, dass diese Menschen bereits über umfangreiche astronomische Kenntnisse verfügten.“
Das Land Sachsen-Anhalt stellte für die Rekonstruktionsarbeiten an dieser Anlage rund 100.000 Euro zur Verfügung. Für die Infrastruktur, die zum Beispiel den Bau einer Zufahrtsstraße sowie Parkplatzmöglichkeiten erforderte, flossen knapp 690.000 Euro.
Die Eröffnung des rekonstruierten Denkmals fand am 21. Dezember 2005, am Tag der Wintersonnenwende, statt.
Gosecks Sonnenobservatorium ist Teil des touristischen Netzwerkes „Himmelswege“. Verantwortlich für dieses Projekt ist das Prähistorische Institut für Archäologie der Uni Halle (Saale). Zu diesem Netzwerk zählen unter anderem die Himmelsscheibe von Nebra, ein Projekt des Fördervereins „Himmelsscheibe von Nebra e.V.“, das 5.000 Jahre alte Steinkammergrab der „Dolmengöttin“, das sich bei Langeneichstädt befindet, sowie das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Von Mitte 2006 an soll das in Sachsen-Anhalt befindliche Netzwerk bis zu 100.000 Touristen pro Jahr anlocken.
Weitere Informationen über den genauen Standort der oben genannten Denkmäler erhalten Sie unter www.mdr.de unter dem Stichwort „Netzwerk Himmelswege“.
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