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„Entlassungsproduktivität“ ist das Unwort des Jahres 2005


14.02.2006 (G. Elsbeck) Kategorie: Kultur

Bild: www.bild.t-online.de

Der wirtschaftswissenschaftliche Begriff „Entlassungsproduktivität“ wurde von der Jury der Universität Frankfurt zum Unwort des Jahres 2005 gewählt.

Der Begriff bezeichnet im Arbeitswesen die Zunahme der Arbeitsproduktivität der Belegschaft eines Unternehmens, die durch die Entlassung eines Teils der Mitarbeiter hervorgerufen wird.

Jurysprecher Horst Dieter Schlosser erklärte: „Vorschläge aus der Wirtschaft, mit denen die Managements beschönigen und verschleiern, haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.“ Beispielsweise hieß das Unwort 2004 nämlich „Humankapital“.

Hier drei Verwendungsbeispiele des Unwortes 2005:

Gerhard Schröder sagte im August 1998, während des Wahlkampfes: „Aber ich halte es für eine gravierende Fehlentwicklung, wenn bei uns inzwischen ein Wirtschaftsverständnis Platz greift, in dem derjenige ein erfolgreicher Manager ist, der die meisten Beschäftigten entlassen hat. Entlassungsproduktivität ist die dümmste, weil kurzsichtigste Variante von Produktivitätssteigerung, zudem eine Lösung auf Kosten Dritter, nämlich des Steuerzahlers. Eine schöpferische Leistung vermag ich darin nicht zu erkennen.“

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall äußerte 1998: „Die hohe Entlassungsproduktivität kann keine ökonomische Rechtfertigung für eine weitere Verteuerung der Arbeitskosten sein.“

Ein neueres Beispiel aus dem Jahr 2004 wurde von Stephan Kaufmann zur Auto-Krise genannt: „Mit Einsparungen und Rationalisierungen können die Konzerne vielleicht ihre Produktivität - besonders die „Entlassungsproduktivität“ - erhöhen und auch den Gewinn stützen. Die Stimmung der Verbraucher, also der Arbeitnehmer, wird so aber bestimmt nicht steigen.“

Auf Platz 2 in der Unwort-Wertung landete „Ehrenmord“ vor „Bombenholocaust“, das Platz 3 belegte.

Seit 1991 ruft Professor Schlosser jährlich fünf andere Sprachwissenschaftler der Universität „Johann Wolfgang Goethe“ in Frankfurt zusammen und berät mit ihnen, welcher prägende Begriff aus dem vergangenen Jahr zum „Unwort des Jahres“ gekürt werden soll. „Entlassungsproduktiviät“ ist also schon das fünfzehnte Unwort und auch im nächsten Jahr wird wieder beraten und gewählt werden.



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