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1985 riefen die New Yorker Verkehrsbetriebe ein besonderes Musik-Projekt ins Leben, das auch heute, nach seinem 20-jährigen Bestehen, noch mehr als nur erfolgreich läuft.
1904 eröffnet, 1.200 km Gesamtstrecke und 468 Stationen - das sind die Daten des New Yorker U-Bahnnetzes, oder der vermutlich größten Bühne der Welt. Da mehr als 8 Millionen Menschen täglich die U-Bahn nutzen, riefen die New Yorker Verkehrsbetriebe MTA (Metropolitan Transportation Authority) ein besonderes Projekt ins Leben: MUNY.
MUNY steht für „Music Under New York“, gemeint sind damit die lizenzierten Musiker, die in den U-Bahnstationen für die Unterhaltung der Wartenden sorgen. Und dass es sich um gute Unterhaltung handelt, dafür sorgt Jahr um Jahr eine Jury aus professionellen Musikern. Alle Musiker, die die Lizenz erhalten wollen, in den U-Bahnstationen aufzutreten, müssen sich erst bewerben und dann zum Vorspiel antreten.
Von der Jury werden die 20 besten Musiker ausgewählt. Beurteilt werden Qualität, Vielfalt und die Angemessenheit für die New Yorker Pendler. Hat man es einmal geschafft, erhält man eine Lizenz, die nicht mehr erneuert werden muss. Die MTA kümmert sich um die Werbung für die Musiker, verteilt deren Telefonnummern an Interessenten und ermöglicht ihren Performern immerhin täglich Auftritte vor einem Millionenpublikum - auch wenn die meist nur zwei oder drei Minuten zuhören und dann in den nächsten Zug steigen. Außerdem werden pro Woche ca. 150 Performances zu einem bestimmten Thema organisiert. Im Februar stehen diese Gemeinschaftsauftritte unter dem Motto: „Black Heritage. Men’s Voices.“
Obwohl die Musiker eigentlich Konkurrenten sind, sind schon viele Freundschaften entstanden und so manche Einzelkünstler treten schon mal gemeinsam in Clubs auf. Die Motive, in den U-Bahnschächten der Weltmetropole zu spielen, sind verschieden. Viele machen es einfach aus Spaß an der Musik, andere des Geldes wegen und einige träumen sogar davon, entdeckt zu werden und den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Dieser Traum ist vielleicht gar nicht so abwegig; immerhin gelang es einigen der über 100 Künstlern schon, ihre eigenen CDs aufzunehmen.
Einer dieser ziemlich erfolgreichen Musiker ist Theo Eastwind. Der Österreicher kam vor sieben Jahren nach New York, um dort in einer Bäckerei zu arbeiten, die Wiener Spezialitäten verkaufte. Die Bäckerei hielt sich nicht besonders lange - Theo ist aber immer noch in New York. Er hatte keinen Dollar in der Tasche, als er zum Vorspiel zu MUNY ging. Er begeisterte mit seiner Gitarre und seiner Stimme und bekam seine Lizenz. Mittlerweile hat er drei Alben produziert und ist Inhaber des Plattenlabels „TheoSophical Music“. Er hat sich seinen amerikanischen Traum erfüllt, allerdings gibt er zu, dass es am Anfang sehr hart war. „Das Problem ist, dass niemand kommt, um dich zu hören. Du musst dir in den paar Sekunden, die die Menschen auf die U-Bahn warten, soviel Aufmerksamkeit wie möglich erspielen“, sagt er rückblickend auf seine Anfänge.
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