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Der amtierende neue Papst Benedikt XVI. hat seine erste Enzyklika veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Deus Caritas est“, was aus dem lateinischen übersetzt „Gott ist Liebe“ bedeutet. Benedikt XVI. unterzeichnete sein Schreiben am 2. Weihnachtstag, den 25. Dezember 2005. Veröffentlicht wurde „Deus Caritas est“ jedoch erst am Mittwoch, den 25. Januar (also genau einen Monat nach der Unterzeichnung).
Eine Enzyklika ist ein verbindliches Lehrschreiben des Papstes, das sich an die gesamte katholische Kirche richtet. Papst Johannes XXIII. richtete sein Lehrschreiben „Pacem in terris“ 1963 erstmals auch an „alle Menschen guten Willens“. Die Enzyklika gilt dessen ungeachtet nicht als unfehlbar, so wie Pius IX. es im 19. Jahrhundert für andere päpstliche Entscheidungen und Schreiben festgelegt hatte.
Das Wort „Enzyklika“, vom griechischen „enkyklios“ kommend, bedeutet „im Umkreis“ oder „im Kreis laufend“. Sie ist somit auch als Rundschreiben an die Bischöfe des Erdkreises zu verstehen. Das erste päpstliche Schreiben, das diesen Titel trug, wurde um das Jahr 1750 von Papst Benedikt XIV. veröffentlicht.
Die erste Enzyklika eines Papstes gilt in Fachkreisen als Grundsatzerklärung seines Pontifikats, denn sie gibt Leitthema und Regierungsprogramm an. „Deus Caritas est“ umfasst im Original 59 Seiten in alter Rechtschreibung. Diese Enzyklika ist von Papst Benedikt XVI. in klaren, allgemein verständlichen Worten und mit kräftigen Sätzen formuliert worden.
Das zentrale Thema ist die göttliche und menschliche Liebe als bestimmende Kraft der Welt. Dabei kritisiert der Papst, wie das Wort „Liebe“ heutzutage sinnentfremdet wird. „Das Wort Liebe ist heute so verbraucht und abgenutzt, dass man fast fürchtet, es auszusprechen.“ so Benedikt in seiner Erklärung des auf Deutsch geschriebenen Textes. Der Papst warnt in der Enzyklika ausdrücklich vor „Eros ohne Liebe und Glaube“. Dadurch werde Liebe „zum reinen Sex herabgesetzt“. Die Liebe werde zur Ware, „der Mensch selbst wird zur Ware“.
Die Liebe verbinde Gott mit den Menschen, sowie die Menschen untereinander. Dies sei besonders aktuell in einer Welt, in der mitunter im Namen Gottes zu Hass und Gewalt aufgerufen wird, heißt es mit Blick auf den Terrorismus. Die Liebe zwischen Mann und Frau dürfe aber nicht zum bloßen Sex degradiert werden, warnt der Papst sehr deutlich. „Dem christlichen Gottesbild entspricht die monogame Ehe“, schreibt Benedikt XVI. in seiner stark theologisch ausgerichteten Enzyklika.
Der Papst betont die Verpflichtung der Gläubigen und der Kirche zur tätigen Nächstenliebe und zugleich warnt er: „Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen.“
Die einzige Anspielung auf die Herausforderung durch Islamismus und Terrorismus umschreibt der Papst so: „In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität.“ Das sagte er in seiner ungewöhnlichen Vorabpräsentation des Dokuments, kurz nach Weihnachten. Schon vorab sorgte die Enzyklika nämlich, zumindest in Rom, für Aufregung: Zeitungen veröffentlichten Textpassagen und Kernaussagen schon vor der offiziellen Veröffentlichung und somit war der Papst gezwungen schon vorab zu diesen Passagen Stellung nehmen.
Wer das gesamte Werk „Deus Caritas est“ lesen möchte, dem sei gesagt, dass der Text ohne Kürzungen Ende Februar als kleines Büchlein im „Christiana-Verlag“ zu einem günstigen Preis erscheinen wird. Außerdem kann man die Enzyklika auch auf der offiziellen Homepage des Vatikans unter www.vatican.va lesen.
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