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Karneval in Köln - Ein Hoch auf die 5. Jahreszeit


27.02.2006 (J. Brodski) Kategorie: Kultur

Bild: www.catwins.de

Wenn Hexen und Kobolde die städtischen Straßen unsicher machen und Hand in Hand mit Elfen, Feen und Prinzen wilde Partys feiern, dann ist allen klar: Es ist wieder Karnevalszeit! Doch was bringt uns Menschen dazu, die alten Märchen und Legenden wieder aufleben zu lassen und woher stammt das verrückteste Fest aller Feste?

Dieses Fest der Freude und Lebenslust ist keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit. Bereits 5.000 Jahre vor unserer Zeit gab es ähnliche Feierlichkeiten bei unseren Ahnen. Der ursprüngliche Sinn des Karnevals war es, die Gleichheit aller Menschen zu betonen. Dies schließen moderne Archäologen aus einer altbabylonischen Inschrift: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen, die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Der Mächtige und der Niedere sind gleich geachtet.“

3000 vor Christus feierte man in Babylon und allen anderen Kulturen Mesopotamiens - griechisch: Land zwischen den Flüssen - unter dem Priesterkönig Gudea sieben Tage lang die Vermählung einer bestimmten Gottheit.

Köln - Hochburg des Karnevals nicht nur heute, sondern auch in der Antike

Zu Zeiten der Römer gehörte der Karneval zu einem der wichtigsten Feste überhaupt und Köln, als Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermaniens, wurde zum Sammelpunkt für die rheinländischen Feiernden. Man huldigte damals dem Gott Saturn, dessen Herrschaft mit Glückseeligkeit und der Gleichheit aller Menschen in Verbindung gebracht wurde. Arbeit war während der „Saturnalien“ verboten und freudige Trinkgelage und ausgelassene Spiele standen an der Tagesordnung.

Colonia Claudia Ara Agripinensium (CCA) - das römische Köln - war eine kulturell und vor allem wirtschaftlich bedeutende Stadt, die Händler und Reisende aus aller Welt anlockte, welche abgesehen von den Waren auch eigene Sitten und Bräuche mitbrachten. So brachten die Griechen, die mit ähnlichen Ritualen Dyonisos, den griechischen Gott des Weins, priesen, den „Karnevalsumzug“ mit sich. Bei den so genannten Dionysien fanden Umzüge statt, die von lärmenden Menschen in den Kleidern von Nymphen, Mänaden oder Satyren begleitet wurden. Mit dem Lärm wollte man den Tod vertreiben und den Geist des Guten wecken. Ähnliches geschah auch in Ägypten und anderen Hochkulturen der Antike.

Der Karneval im Mittelalter

Als das Christentum 343 nach Christus dank Kaiser Konstantin zur Staatsreligion wurde, wurden die alten, tief verwurzelten römischen Sitten und Bräuche auf das Christentum übertragen, was vor allem auf Italien und andere mitteleuropäische Länder starke Auswirkungen hatte.

So zum Beispiel auch auf den Karneval, der von nun an eine völlig neue Bedeutung gewann: Die Menschen verkleideten sich als Bock, Hirsch und Bär, die als Zeichen der Fruchtbarkeit galten, um zu Anfang des Frühjahrs die Dämonen des Winters zu vertreiben. So entstand die heutige Fastnacht, die auch wegen der wilden Feste und Tänze als Nacht der Teufelsherrschaft bezeichnet, und von der Kirche als Warnung an die Menschheit akzeptiert wurde. Diese Zeit der Sünde und des Teufelsstaates wurde auf den Abend vor Beginn der Fastenzeit festgelegt und endete am Aschermittwoch, an dem wieder die Zeit Gottes gekommen war (auch Zwei-Staaten-Modell genannt), der die zuvor begangenen Sünden vergab.

Doch auch im Mittelalter stand das Prinzip der Gleichheit aller Menschen vor Gott und Satan im Mittelpunkt der Festlichkeiten, das in eindrucksvollen, oft satirischen Maskenspielen und Bällen dargestellt wurde.

Karneval heute

All diese Traditionen haben ihren Weg in die Moderne gefunden. Auch heute gilt der Karneval als Fest der Freude und Lebenslust, aber auch als Zeit des Ausbruchs und der Sünden.

Die so genannte 5. Jahreszeit beginnt am 11. November um 11:11 Uhr mit einer kleinen Vorfeier in der Kölner Altstadt. Auf die Eröffnung der offiziellen Karnevalssaison müssen die Jecken aber noch bis zum 1. Januar warten. Nun finden zahlreiche Vereinssitzungen statt, ob in Kindergärten, Schulen, beim Damenkaffeekranz oder in der Herrenrunde. Mitte Februar geht es dann mit dem Straßenkarneval los, wenn es wieder heißt: „Bühne frei für das Dreigestirn!“

Dieses besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau, die übrigens traditionell von einem Mann dargestellt wird, Symbole für Rang, die Kölner Wehrhaftigkeit und die Lieblichkeit. Nach der Eröffnungsrede des Prinzen werden dem Bauern für die restliche Karnevalszeit die Schlüssel der Stadt übergeben. Es folgt die Weiberfastnacht, an der, wie der Name schon sagt, die Frauen die Macht übernehmen. Sie stürmen das Rathaus und schneiden Männern Krawatten und Schnürsenkel ab.

Der Rosenmontag ist der krönende Abschluss der Karnevalszeit. Eine bunte Menge zieht durch die Straßen, farbenprächtig gekleidete Menschen, mit Konfetti in den Haaren und Händen voller Süßigkeiten, die die letzen Karnevalsstunden feiern und genießen.

Am auf den Rosenmontag folgenden Dienstag wird im Rheinland als Abschied von Fest und Sünde um Mitternacht der „Nubbel“ verbrannt, eine Holzpuppe, die während der Karnevalstage aus vielen Fenstern und Türen grüßt und zu Sündhaftem aufruft. Mit deren Verbrennung bittet der Mensch um Vergebung für seine Taten und erklärt den „Nubbel“ zum Sündenbock.

Bleibt nur zu sagen übrig: Carpe diem, falls Sie einen triftigen Anlass zum Feiern brauchen oder den Politikern mal so richtig die Meinung sagen wollen!



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