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Schloss Bellevue ist wieder bezogen


11.03.2006 (I. Pavic) Kategorie: Politik

Nach nun rund 19 Monaten Renovierungs- und Sanierungsarbeiten darf Bundespräsident Horst Köhler seinen Sitz im Schloss Bellevue endlich beziehen. Der erste Sitz des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, das Schloss Bellevue in Berlin, ist fertig modernisiert und vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung zur Nutzung wieder übergeben worden.

Wie sein Vorgänger Johannes Rau wohnt auch Horst Köhler nicht im Schloss Bellevue, sondern in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Die früheren Wohnräume wurden deshalb zu einem Bürotrakt für die Präsidentengattin umgebaut. Am 8. Januar 2006 konnte sich die Bevölkerung auf Einladung des Bundespräsidenten zu einem Tag der offenen Tür einen persönlichen Eindruck von den umfangreichen Sanierungen und Modernisierungen machen.

Die Kosten dafür lagen bei 24,4 Millionen Euro. Während der Sanierungsmaßnahmen führte der Bundespräsident seine Amtsgeschäfte vom Bundespräsidialamt aus. Für Repräsentationszwecke stand in der Zeit das Schloss Charlottenburg zur Verfügung.

Das Schloss wurde im Auftrag des jüngeren Bruders von Friedrich II., Ferdinand von Preußen, nach Plänen von Michael Phillip Boumann errichtet und 1786 fertig gestellt. Es wurde in einem Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus gestaltet. Es sollte als Wohnschloss dienen, daher standen repräsentative Ansprüche nicht im Vordergrund. Dementsprechend wurden die Eingänge in die beiden Eckrisaliten (Eckvorsprüngen) gelegt und erhielten lediglich einfache Stiegen zum Obergeschoss - ein großer festlicher Saal war nicht vorgesehen.

Auf Grund der damals großartigen Aussicht auf die Spree, in die umgebende Parklandschaft und auf diverse „Points de vue“ verdankt die Anlage ihren Namen „Bellevue“. Angelegt wurde der Park unter der Leitung des Hofgärtners Weil. Im Laufe seiner Geschichte wurde der Schlosspark von den Bewohnern des Schlosses dem Zeitgeschmack entsprechend verändert. Das herausragendste Gestaltungselement des Parks, seine fächerartigen Sichtachsen, überdauerte jedoch alle Veränderungen bis heute.

Ferdinand von Preußen nutzte es bis zu seinem Tod 1813 als Lustschloss - also nur zum privaten Vergnügen - und als königlichen Landsitz. Danach wohnte sein Sohn August dort, bis das Schloss 1843 von Friedrich Wilhelm IV. erworben wurde, der 1844 in einem Flügel des Erdgeschosses das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Preußen einrichten ließ - diese „Vaterländische Galerie“ war der Vorgänger der Nationalgalerie. Nach deren Auszug 1865 wurde das Schloss bis 1918 wieder vom Hofe genutzt.

Im Ersten Weltkrieg diente es der Obersten Heeresleitung und der Regierung mit den Alliierten als Besprechungsort. Anschließend stand das Schloss zunächst leer. Von 1929 an nutzte man es als Bürogebäude, Volksküche und Ausstellungshalle. Die Seitenflügel dienten als Mietwohnungen, bis 1935 das „Staatliche Museum für Deutsche Volkskunde“ dort untergebracht wurde. Schon 1938/1939 wurde das Schloss durch Anbauten nach Süden zum Gästehaus der Reichsregierung umgebaut. Diesem repräsentativen Verwendungszweck entsprechend wurde der Eingang in die Mittelachse verlegt und ein neues, großes Treppenhaus gebaut. Im südlichen Anbau war die Präsidialkanzlei untergebracht.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss schwer beschädigt. Vom Hauptflügel blieben nur noch die Außenwände stehen. Der südliche Anbau wurde total zerstört. Die beiden Seitenflügel blieben erhalten und wurden bis 1957 als Privatwohnungen genutzt. 1955 wurde das Schloss zum Amts- und Wohnsitz des Bundespräsidenten bestimmt und bis 1959 saniert.

Im Laufe der Jahre trat der Charakter des Schlosses als Amtssitz immer mehr zurück. Seit dem Inkrafttreten des Viermächteabkommens vom 3. September 1971 waren den Amtshandlungen des Bundespräsidenten in Berlin enge Grenzen gesetzt. Die Bundespräsidenten haben jedoch durch häufige Besuche in Berlin die Bindungen zwischen dem Bund und der Stadt unterstrichen und eine Vielzahl von Empfängen und Essen im Schloss gegeben.

In den Jahren 1986 und 1987 wurde das Schloss gründlich renoviert und teilweise neu gestaltet. Ziel war es, das Innere des Schlosses dem Charakter des äußeren historischen Erscheinungsbildes anzupassen.

1994 verlegte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz ins Schloss Bellevue. Roman Herzog war der einzige Bundespräsident, der von 1994 bis 1998 auch selbst im Schloss wohnte. Er soll das Schloss wegen seines schlechten technischen Zustandes und häufiger Pannen von Heizung, sanitären und elektrischen Anlagen ironisch als „Bruchbude“ bezeichnet haben. Nachdem sich die technischen Defekte häuften, wurde eine Sanierung und grundlegende Erneuerung der technischen Ausstattung 2004 bis 2005 durchgeführt. Während der Renovierung war der Sitz des Bundespräsidenten das Schloss Charlottenburg.

Die Inneneinrichtung stammte weitgehend aus Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. Die in den 50er Jahren verwendete Ausstattung von Schloss Bellevue, die heute bereits als Dokument der Zeit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bewertet wird, wurde in zwei Salons im Obergeschoss und im Arbeitszimmer des Bundespräsidenten im Erdgeschoss erhalten. Seit Beginn des Jahres 1994 ist das Schloss Bellevue in Berlin der erste Amtssitz des Bundespräsidenten und damit Ort zahlreicher Veranstaltungen, Gespräche, vor allem aber repräsentativer Termine.

Zu den berühmtesten Gästen des Schlosses gehörten Friedrich Schiller, Königin Luise, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Friedrich Schlegel und der Baumeister Gentz.



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