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Xavier Naidoo - der wahrscheinlich bekannteste (Soul-) Sänger Deutschlands - ist, wie sich kürzlich herausgestellt hat, wohl auch ein Promi auf Umwegen. Er wolle sich „ein bisschen zurückziehen“, so Naidoo zum „Mannheimer Morgen“, was bei seinem Beruf durchaus nachvollziehbar ist.
Was der Musiker sich jedoch unter einem Entspannungsurlaub vorstellt, stößt bei vielen Fans auf Unverständnis. Er will nach China. Nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen, wenn da nicht das von ihm gewählte Transportmittel wäre...
Denn statt sich mit Champagner und Kaviar an Bord eines Privatjets verwöhnen zu lassen, will der deutsche Superstar den Weg mit dem Auto auf sich nehmen, um auf die andere Seite der Welt zu gelangen. Mit nur ein paar Freunden im Gepäck soll es nach Ende seiner aktuellen Deutschlandtour Anfang April 2006 in Mannheim losgehen. Bis Oktober 2006 will Naidoo in China bleiben, auch wenn sich die Reise ihm zufolge durchaus verlängern könnte.
Die große chinesische Mauer
Bei der Auswahl des Urlaubsortes beweist Xavier wieder einmal guten Geschmack. China war in der Antike (bis ca. 214 vor Christus) von Kriegen und Revolten geprägt. Sechzehn Königreiche rangen mit einander um die Macht, bis schließlich einem der Konkurrenten der Sieg gelang - Quin Shihuangdi wurde zum ersten Kaiser Chinas.
Zum Schutz seines neu gewonnenen Reiches ließ er große Schutzwälle errichten und legte damit den Grundstein für die spätere „Große Mauer“. Kaiser Qin war jedoch keineswegs ihr einziger Bauherr. Es folgten Dynastien auf Dynastien. Jeder neue Kaiser steuerte etwas zum Wachstum der Mauer bei, auf dass man sich auch noch Jahrtausende später seiner erinnern möge.
Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Denn heute noch ist das geschichtsträchtige Monument eines der beliebtesten Reiseziele, auch wenn es teilweise begeisterten Graffiti-Fans und geschäftstüchtigen Immobilienmaklern zum Opfer fällt. Nicht selten wird behauptet, die Mauer sei das Einzige Bauwerk, was aus dem Weltraum zu erkennen sei. Diese stolze chinesische Hoffnung wurde jedoch von einem ihrer Landsmänner zunichte gemacht - Yang Liwei, Chinas erster Astronaut, bestritt das Weltwunder gesehen zu haben, als er 2003 von seiner Jungfernfahrt zurückkehrte. Auf Befehl der chinesischen Regierung wurden deshalb neue Schulbücher gedruckt und alte entsorgt, um diesen Irrglauben aus der Welt zu schaffen.
Warum seine Fans ihn schmerzlich vermissen werden
Als Sohn einer in Südafrika geborenen, irischstämmigen Mutter und eines deutsch-indischen Vaters wurde Xavier(sprich: „Seviour“ = Retter) am 2. Oktober 1971 in Mannheim geboren. Seine Mutter war Schneiderin - sie arbeitete unter anderem für die Beatles -, sein Vater Industrieschweißer von Beruf und später Schichtarbeiter.
Bereits als Kind liebte Xavier das Singen. Er ging seiner großen Leidenschaft in Schülerbands, einem Kirchenchor und später einem Männergesangsverein mit Hingabe nach.
Nach seinem Realschulabschluss versuchte sich Naidoo unter anderem als Koch und Türsteher in seiner Heimatstadt Mannheim. 1992 erhielt er einen Vertrag mit einer US-amerikanischen Plattenfirma. Ihre Zusammenarbeit scheiterte jedoch an mäßigem Erfolg.
Bei einem seiner Auftritte als Backgroundsänger beim „Rödelhelmer Hartreim Projekt“ konnte der Sänger schließlich durch sein herausragendes Talent auf sich aufmerksam machen.
Moses Pelham und Thomas Hofmann machten ihn schließlich innerhalb kürzester Zeit mit der Single „frei sein“, an der auch Sabrina Setlur beteiligt war, zum Superstar. 1998 brachte Naidoo sein erstes Album auf den Markt, das über eine Million Mal verkauft wurde und sich über ein Jahr in den Top 20 der deutschen Charts hielt. Der Erfolg schien kein Ende nehmen zu wollen: Kurz nach seinem Durchbruch begab sich der Musiker auf seine erste Tournee, deren Erfolg nur noch durch das kurz darauf erschienene Live-Album übertroffen wurde.
2002 gründete Naidoo die Band „Die Söhne Mannheims“, was zu einem Zerwürfnis mit Moses Pelham führte, der sich betrogen fühlte. Pelham zog deswegen sogar vor Gericht. Das Urteil lautete jedoch: Freispruch. Von nun an ging es für den Sänger wieder bergauf. Für seine Musik wurde er als Solokünstler unter anderem mit dem „MTV-Award“, einem „Echo“ und einem „Comet“ ausgezeichnet. Zudem ist der Sänger für die „Goldene Kamera“ 2006 nominiert. Naidoos Band „Die Söhne Mannheims“ wurde außerdem mit der „goldenen Stimmgabel“ geehrt.
Naidoos scheinbar unerschütterlicher Glaube - Der Schlüssel zum Erfolg
In einer einsamen Silvesternacht (1992/1993), kurz nach dem Tod seines Vaters, nahm Xavier seine alte Bibel aus dem Schrank und blätterte darin, bis er auf den Brief des Apostels Petrus stieß, und durch die Lektüre desselbigen „erleuchtet“ wurde. Diese Erleuchtung und die darin enthaltene Botschaft von der baldigen Wiederkehr des Messias, an die der Sänger noch heute fest glaubt, versucht er in vielen seiner Lieder zu vermitteln. So z. B. auch in seinem Album „Nicht von dieser Welt“.
Ist seine Religiosität nur ein PR-Gag?
Doch die Realität sieht anders aus: Naidoo ist nicht der brave, gottesfürchtige Junge von nebenan, der er zu sein scheint. Er konsumiert Drogen (Haschisch) und fährt Auto, obwohl er keinen Führerschein hat. Man stellt sich nun die Frage, ob der Glaube des Soul-Giganten nicht nur ein PR-Gag ist. Bis heute hat man darauf keine Antwort, seine Fans jedoch halten zu ihm.
Für die über Naidoos bevorstehende China-Reise enttäuschten Fans gibt es zumindest einen kleinen Trost. Im Sommer will der Sänger für einige Zeit nach Deutschland zurückkehren, da er die Fußballweltmeisterschaft um keinen Preis verpassen will. Dann nimmt er aber hoffentlich das Flugzeug!
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