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Im September 2005 veröffentlichte die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ als erste Zeitung die zwölf Karikaturen, die Mohammed, der von den Muslimen auch als „Siegel der Propheten“ bezeichnet wird, als Terroristen oder Terror gutheißende Person darstellten, indem er z. B. eine Bombe auf dem Turban trägt oder dargestellt wird, wie er Selbstmordattentäter im Himmel mit dem Kommentar zurückweist: „Stopp! Uns sind die Jungfrauen ausgegangen“.
(Wer sich selbst ein Bild von den Karikaturen machen will, kann dies auf www.citybeat.de tun.)
Es folgten massive Proteste der Muslime in aller Welt. Am Sonntag, den 5. Februar 2006 wurde beispielsweise ein dänisches Konsulat im Libanon gestürmt, nachdem es zuvor aufgrund der Androhung eines Bombenanschlages bereits für drei Stunden geräumt worden war.
Nach Tagen des Aufstands und Massendemonstrationen in vielen muslimischen Ländern gerieten die Proteste außer Kontrolle. Berichten in den Medien zufolge sind inzwischen im Libanon zwei Demonstranten ums Leben gekommen; ein Polizist und 28 weitere Zivilisten wurden verletzt. In Afghanistan wurden 30 Menschen verletzt, so das afghanische Innenministerium. Wie es dazu kam, ist bis dato ungeklärt. Die Proteste dehnten sich unterdessen nach Afghanistan, Ägypten, den Iran, Indonesien, Thailand, Indien, die Philippinen und in die palästinensischen Gebiete (den Gazastreifen) aus.
Weil in einigen dieser Länder gezielt dänischen Ausländer von radikalen Gruppen in Hotels gesucht wurden und es im Iran Forderungen nach Anschlägen in Dänemark gab, sprach das dänische Außenministerium in Kopenhagen eine weit reichende Reisewarnung für islamische Länder aus. Nicht unbedingt notwendige Reisen nach Syrien, den Libanon, Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, den Sudan, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Jordanien, Iran, Pakistan und Afghanistan sollten dringend vermieden werden, so hieß es. Teilweise wurden die Dänen in diesen Ländern sogar zur Ausreise aufgefordert.
Mittlerweile bleiben auch wirtschaftliche Folgen nicht aus. Dass dänische Produkte boykottiert werden, ist hierbei noch das geringste Problem. Der irakische Handelsminister hingegen fror alle Arten von Handelsabkommen ein und auch gegenseitige Besuche von Handelsorganisationen werden bis auf weiteres nicht stattfinden. Die dänische Regierung befürchtet, dass auch andere muslimische Staaten folgen könnten. Das jährliche Handelsvolumen zwischen dem Iran und Dänemark allein beträgt umgerechnet 234 Millionen Euro.
Auf der Internetseite der Arab European League (AEL) erschienen inzwischen ebenfalls Zeichnungen. Eine zeigt Anne Frank gemeinsam mit Adolf Hitler im Bett, die andere stellt den Holocaust in Frage, was inzwischen auch die Menschen jüdischen Glaubens in die Diskussion um Beleidigung oder Meinungsfreiheit involviert. Des Weiteren kündigte die „Liga“, der arabische Staatenbund, frei nach dem Motto „Wenn das jetzt die Zeit ist, Tabus zu brechen, wollen auch wir nicht zurückbleiben.“ eine Kampagne gegen die Karikaturen an, bei der sie weitere geschmacklose Zeichnungen im Internet veröffentlichen will.
Die Meinungen über die Karikaturen bleiben indessen gespalten, denn in Europa hat das Ganze eine Debatte um die Meinungs- und Pressefreiheit ausgelöst. Eine französische Zeitung veröffentlichte im weiteren Verlauf der Streits um die Karrikaturen ähnliche Bilder, die bereits viel früher weltweit abgedruckt worden waren und für keinerlei Aufruhr gesorgt hatten, wodurch Frankreich ebenfalls mit ins Visier der protestierenden Islamisten geriet.
Einige Muslime vertreten die Ansicht, dass es nicht ausreiche, dass sich die dänische Regierung im Namen einer dänischen Zeitung entschuldige. Dass man eine Zeitung nicht mit einer ganzen Nation gleichsetzen kann, bleibt dabei völlig außen vor, ebenso wie die Tatsache, dass die Gewalt nach der Entschuldigung des Chefredakteurs der „Jyllands Posten“ weiter ihren Lauf nahm, und dass nicht nur gegen die Dänen, sondern auch gegen andere Staaten der Europäischen Union.
Einige Muslime bezeichnen die Karikaturisten selbst als Terroristen, die bestraft gehören, und rechtfertigen sich damit, dass Provokation Gegengewalt erzeuge. Vielleicht wäre es diesbezüglich für diese Personen empfehlenswert, sich mit dem Sinn und Zweck einer Karikatur auseinander zu setzen, denn diese dient als überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, oft mit politischer Tendenz, und ist eine Form von Satire. Diese wiederum dient als gewaltlose „Waffe“ gesellschaftlicher Auseinandersetzungen.
Auch laut werdende Argumente, dass die Europäer Jesus, den Papst oder Gott in dieser Form nicht dargestellt haben wollten, ist nicht tragbar, wie das Artikelbild eindeutig zeigt.
Die europäischen Politiker versuchen bisher mit Engelszungen auf die Muslime einzureden und forderten dazu auf, dass der Gewalt ein Ende gesetzt wird. Angela Merkel stellte hierbei entschlossen klar: „Gewalt kann kein Mittel der Auseinandersetzung sein.“ Sie könne verstehen, dass die Muslime erzürnt seien, betrachte dies jedoch nicht als Rechtfertigung für die gewaltsamen Demonstrationen. Der Uno-Generalsekretär Kofi Annan schloss sich dem an. Der Vatikan erklärte, dass die Proteste „bedauerlich“ seien und rief die Religionen zu gegenseitigem Respekt auf. Vielleicht hätte man mehr als nur dieses schon häufig gegebene Statement erwarten können.
Viele Bürger könnten sich währenddessen wohl fragen, wieso der deutsche Staat Moscheen bauen lässt, muslimische Denkmäler subventioniert oder Kopftücher akzeptiert, weil es sich um eine zu respektierende andere Kultur handelt, während unsere Kultur und unser Recht umgekehrt mit Füßen getreten werden. Es wird von den Europäern und Nichtmuslimen also erwartet und vorausgesetzt, dass sie anderen Kulturen und Religionen gegenüber aufgeschlossen sind, diese es uns aber gegenüber nicht sein müssen? Stimmen da noch die Relationen? Wieso kann man umgekehrt nicht erwarten, dass die protestierenden radikalen Muslime satirische Karikaturen als Teil unserer Kultur akzeptieren?
Die österreichische Botschaft ist nicht mehr sicher, nur weil sie zurzeit den EU-Vorsitz hat. Sie wurde bereits mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Zudem wurden deutsche, englische und weitere europäische Flaggen demonstrativ verbrannt. Dies erklärt zumindest, wieso Frankreich und Großbritannien Dänemark gegenüber bereits telefonisch ihre Solidarität aussprachen.
Währenddessen wurden weiter von muslimischen Demonstranten symbolisch Puppen, die Politiker aus den Führungsspitzen von u. a. Dänemark und Deutschland darstellten, verbrannt. Zudem wurden Kopfgelder für die Ermordung der Zeichner der Karikaturen ausgesetzt. Nicht alle aufgebrachten Muslime griffen jedoch sofort zu Gewalt. Dass man auch friedlich protestieren kann, bewiesen die Muslime der Türkei mit Demonstrationen in Istanbul.
Zu sinnloser Gewalt gegen Dänemark, sowie auf weiterer Länder der europäischen Union aufzurufen dürfte mit der eigentlichen Sache nichts mehr zutun haben. Ist es tatsächlich Entrüstung, die eine ganze Glaubensgemeinschaft so militant auf den Plan ruft? Oder doch vielmehr willkommener Anlass zur politischen Hetze gegen die westliche bzw. europäische Kultur und das europäische Denken? Nach all den Vorkommnissen kommt dem normalen, westlich orientierten Menschen jedenfalls in den Sinn, dies anzunehmen.
Ein interessanter Kommentar im Zusammenhang mit den Ereignissen kam von Philippe Douste-Blazy, dem französischen Außenminister: „Der Dialog der Kulturen, Zivilisationen und Religionen ist der große Kampf des 21. Jahrhunderts.” Er forderte, dass es keinen Religionskrieg geben dürfe. Weiter sagte er: „Es gibt keine Religion auf der Welt, die sagt, dass man töten oder Flaggen verbrennen muss. Es gibt Leute, die mit der Religion Politik machen wollen. Das sind Fanatiker.“
Wann ist es genug mit Glaubenskampf, Antisemitismus und Gewalt gegen alles, was westlich ist? Reicht es nicht langsam mit Hass und Intoleranz?
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