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Mammut oder Currywurst? - Instinkte: Die unsichtbaren Kräfte


20.03.2006 (C. Röser) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www3.sfdrs.ch

Warum wir auch heute noch den Instinkten von damals unterliegen: Der Mensch ist auch heute noch nicht von all seinen Instinkten bzw. Naturtrieben entbunden. Einer der Gründe ist darin zu sehen, dass die meisten dieser naturgegebenen Triebe der Lebenserhaltung unserer Spezies dienen.

Die Instinkte bestimmen auch heute noch unsere Verhaltensweise, indem wir Dinge tun, die völlig ohne reflektierte Kontrolle ablaufen. (Die Naturtriebe werden von Verhaltensforschern heute häufig als „angeborenes Verhalten“ bezeichnet, da es unterschiedliche Definitionen gibt, die auf Darwin, Freud und viele andere zurückzuführen sind.) Zu den primären Trieben - diese haben wir von Geburt an - gehören das Bedürfnis nach Nahrung, Wasser, Sauerstoff, Ruhe, Sexualität und Entspannung. Zu den Sekundärtrieben zählen das Begehren nach Anerkennung und Sicherheit.

Dieser Artikel soll einen kleinen Einblick in den Primärtrieb „Nahrung“ geben. In einem weiteren Teil wird es um das Sexualverhalten des Menschen gehen.


Eigentlich wissen wir es besser. Und trotzdem zieht uns die Imbissbude magisch an. Wir gehen hinein und bestellen Burger und Pommes mit extra viel Mayonnaise. Wir beißen herzhaft ins gebratene Fleisch und ein Gefühl tiefer Zufriedenheit macht sich breit.

Aber warum ist das so? Warum widerspricht unser körperliches Bedürfnis allem, was wir über gesunde Ernährung wissen? Warum fühlen wir uns von einem fetten Stück Fleisch angenehmer gesättigt als von einem Salatteller? Weil unser Körper nach Kalorien giert, um Fettreserven für schlechte Tage anzulegen. Tage, an denen wir kein Mammut erlegen können. Mammut?! Genau!

Lebenswichtige Kalorien

Die Instinkte, die unser Essverhalten steuern, stammen aus der Steinzeit. Unser Vorfahr, der Homo sapiens, zog in Horden gen Norden, jagte Mammuts und Kleintiere, sammelte Beeren, Pilze und Wurzeln. Reichhaltige Nahrung war rar, der Energieaufwand für ihre Beschaffung hingegen hoch. Unter diesen Umständen überlebten nur die Urmenschen, die sich am besten mit Energie aus kalorienhaltigem Essen versorgen konnten, also diejenigen, die lieber Mammutsteak mochten als Wurzelrohkost.

Sie gaben ihre Gene weiter und dank der Evolution sind diese auch heute, 400 Generationen nachdem der Mensch sesshaft wurde, noch in uns. Und deshalb lieben wir sie so, die Currywurst, die Kartoffelchips, die Schokolade und die Limo: Weil sie uns Energie liefern.

Nur brauchen wir diese Energie heute gar nicht mehr. Statt im Kampf mit dem Mammut verbringen wir unsere Tage im Büro. Mit dem Erlegen und Erbeuten unserer Nahrung haben wir nur noch wenig zu tun. Das Essen muss nur noch aus dem Supermarkt auf den Teller gebracht werden, mit kurzem Umweg durch die Mikrowelle.

Das rechtfertigt keine vergleichbare Kalorienzufuhr wie der Kampf auf Leben und Tod mit einem riesigen Steinzeit-Ungeheuer.

Daher rächt es sich, wenn wir unserem instinktiven Essverhalten unkontrolliert nachgeben: Übergewicht und Fettleibigkeit, Karies, Herz- und Kreislaufprobleme sind die Folgen. So werden die Instinkte, die uns in der Steinzeit das Leben retteten, heute zum Problem.

Die Angst in uns

Ebenfalls ein Relikt jener Tage ist die Angst. Sie war einst ein lebenswichtiger Mechanismus, der den Menschen dazu befähigte, in bedrohlichen Momenten blitzschnell zu reagieren. Zusätzliche Energie wurde bereitgestellt, der Körper bereitete sich auf Angriff oder Flucht vor. Langes Nachdenken hätte im Kampf mit einem Mammut fatale Folgen gehabt und setzte sich daher nicht als arterhaltende Handlungsoption durch.

Heute kämpfen wir nicht mehr gegen Mammuts. In Stressmomenten ist Konzentration wichtiger als Muskelkraft und schnelle Reaktion. Darauf aber ist unser Körper nicht ausgelegt.

Gerade in Prüfungssituationen spielen uns unsere Instinkte oft einen Streich: Wir brauchen Konzentration und kriegen Herzrasen, Schweißausbrüche, zitternde Hände; am liebsten würden wir weglaufen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Blackout.

Die Evolution hat den Menschen im Laufe von Jahrtausenden optimal für ein Leben in der Steinzeit ausgerüstet. Seit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht jedoch haben sich unsere Lebensumstände so rapide verändert, dass sich die instinkthaften Verhaltensweisen nicht mitentwickeln konnten. So kommt es, dass uns heute vieles in Schwierigkeiten bringt, das ursprünglich sehr nützlich war.

Aber wer weiß, wofür es noch gut sein wird, dass wir noch Jäger- und Sammler-Eigenschaften mit uns herumtragen. Vielleicht macht ja eines Tages der Supermarkt nebenan zu.



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