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Mehr als jeder zweite Bürger in Deutschland ist Brillenträger, der unaufhaltsame Vormarsch der Brille also vorprogrammiert. Knapp 40,4 Millionen Erwachsene und 1,5 Millionen Kinder zwischen 2 und 15 Jahren brauchten eine Sehhilfe. Dies ging aus der „Brillenstudie 2005“ des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am 10. Januar 2006 in Düsseldorf vorgestellt wurde, hervor.
Mit 64 % erreichte der Anteil der Brillenträger in Deutschland im Jahr 2005 einen neuen, noch nie erreichten Höchststand. Besonders bei der steigenden Anzahl der Brillenträger in der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren wird der rasante Anstieg sichtbar. Griff 1952 lediglich jeder Achte zur Brille, ist inzwischen fast jeder Dritte in dieser Altersgruppe mit einer Sehhilfe „ausgestattet“. In der Altersgruppe der um die 60-Jährigen ist eine Brille fast schon bei jedem Standard. Hier tragen volle 94 % eine Brille.
Verantwortlich für die Zunahme der Brillenträger sind vor allem
- die bessere Vorsorge,
- die stärkere Beteiligung der Bevölkerung an Sehtests,
- die größeren Anforderungen an das Sehvermögen im Leben und Beruf, aber auch
- der Abbau von Vorurteilen gegenüber dem Tragen einer Brille.
Ein Grund für die Verschlechterung der allgemeinen Sehkraft ist speziell, dass immer mehr Berufstätige einen Computer benutzen und täglich bis zu 10 Stunden davor arbeiten müssen. Dies, sowie die Feststellung, dass auch der tägliche „Fernsehkonsum“ zunimmt, sind ausschlaggebend für die immer stärkere Einschränkung der Sehkraft.
Die Geschichte der Sehhilfe
Die Idee, das Auge mit Hilfe einer geschliffenen optischen Linse zu unterstützen, begann mit dem arabischen Gelehrten Ibn al-Haitam, der während seiner Lebenszeit (965-1039) diese Vorstellung in seinem Werk „Schatz der Optik“ niederschrieb. Jedoch dauerte es noch über zwei Jahrhunderte, bis diese Idee von westeuropäischen Mönchen 1240 aufgegriffen wurde.
Sie benutzten einen aus Quarz, Bergkristall oder Beryll gefertigten Lesestein, der eine halbkugelförmige, konvexe Linse mit einer glatten Bodenfläche besaß. Diesen Lesestein legten sie nun auf die Schrift, die sie lesen wollten. Durch die Halbkugel zeigte sich eine Vergrößerung der Buchstaben.
Von dem oben genannten Halbedelstein Beryll leitet sich auch unser heutiges Wort „Brille“ ab, da eine zum Lesen geschliffene Linse „Brill“ genannt wurde. Auch wenn diese Entdeckung mehr einem heutigen Vergrößerungsglas als einer Brille ähnelt, wird dies als „Geburtsstunde“ der Brille bezeichnet.
Aber die Entwicklung der Brille so, wie wir sie heute kennen, sollte noch weitere 500 Jahre dauern. Die heutige Brille bezeichnet man als „Ohrenbrille“, da sie zwei Bügel besitzt, welche die Brille auf der Nase halten. Bis jedoch dieser Tragekomfort zu Stande kam und sich diese Art der Brille endgültig durchsetzte, entstanden viele skurrile Arten der Brille.
Im 13. Jahrhundert begann man den Sehstein zu verändern. Man begann zwei Halbedelsteinsegmente flacher zu schleifen und sie in einen aufklappbaren Rahmen zu setzten. Dadurch entstanden größere Sehfelder. Die Nietbrille war geboren.
Die Bügelbrille, eine Weiterentwicklung der Nietbrille Mitte des 14.
Jahrhunderts, besaß einen Nasenbügel mit einer Einkerbung und ermöglichte so einen behelfsmäßigen Sitz der Brille auf dem Nasenrücken.
Eine der originellsten Arten war jedoch hingegen die Mützenbrille. Sie wurde vom 15. bis in das 18. Jahrhundert vor allem von Frauen verwendet. Hierbei wurde das geschliffene Glas, durch einen Stoff hängend, genau vor dem Auge justiert.
Das Monokel war der „Nachfahre“ des Lesesteins. In Mode kam es aber erst um 1800. Diese Sehhilfe bestand aus einem flach geschliffenen Halbedelstein, wurde zwischen Wange und Oberlied eingeklemmt und war ein wichtiges Accessoire für den reichen Herrn.
Was uns manchmal als lästig erscheint und mittlerweile durch Kontaktlinsen oder durch eine Laseroperation ersetzt werden kann, gehört heute zum ganz normalen Stadtbild und kann sogar als Modeaccessoire angesehen werden; denn wer verbindet nicht mit Xavier Naidoo oder Anastacia eine „coole“ Brille?
Die Entwicklung geht weiter: Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden immer wieder neue Werkstoffe wie zum Beispiel Kunststoffgläser, die besonders bei einer hohen Dioptrienzahl zum Einsatz kommen können, erfunden und benutzt, sowie immer leichter werdende Rahmen aus Titan.
Der Brillenträger strahlt, damals wie heute, eine gewisse Intelligenz und Intellektualität aus, die negativ und / oder positiv gesehen werden kann. Zurückzuführen ist dieses Phänomen darauf, dass sich früher nur finanziell Bessergestellte eine Brille leisten konnten. Die Sehhilfe war also Prestigeobjekt sowie Luxus, an dem man höher angesehene Menschen erkennen konnte.
Durch die Weiterverbreitung der Brille wurde die Akzeptanz jedoch allmählich gesteigert, sodass die früher weit verbreitete Bezeichnung „Brillenschlange“ weitestgehend aus unserem Sprachgebrauch der Schimpfwörter verschwand.
Ob (3D-Brille), Schutzbrille, Sonnenbrille oder aber auch Kontaktlinsen - die Erhaltung der Sehkraft ist aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Sei es in der Schule, der Uni, auf der Arbeit, zum Lesen oder im Straßenverkehr: Klare Sicht ist wichtig für uns und trägt auf diese Weise zur Lebensqualität bei.
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