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Der serbische Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic ist tot. Am Samstag, 11. März 2006, starb der ehemalige Staatspräsident Serbiens und damit der Verantwortliche für den Balkankrieg in den 90er Jahren, in frühen den Morgenstunden alleine in seiner Zelle im Den Haagener Gefängnis (Niederlande). In 66 Fällen wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo wurde Milosevic angeklagt.
Von Gefängniswärtern ist Milosevic erst nach ein paar Stunden tot aufgefunden worden, obwohl die Wärter dazu verpflichtet waren, jede halbe Stunde nach ihm zu sehen. Milosevic starb, laut Autopsiebericht, an einem Herzinfarkt, so meldete das Den Haager UN-Tribunal einen Tag danach.
Noch zuvor berichtete der niederländische Rundfunksender NOS, dass in Milosevics Blut Spuren von Medikamenten gefunden worden seien, die üblicherweise der Behandlung von Tuberkulose und Lepra dienten. Sie könnten die Wirkung von Mitteln gegen Bluthochdruck und Herzprobleme neutralisiert haben, mit denen Milosevic wegen seiner Beschwerden behandelt wurde.
Doch wie erreichten solche Gegenmedikamente den Weg zu ihm, wenn doch alles und jeder um Milosevic kontrolliert wurde? Besonders wegen seinem gesundheitlichen Zustand stand Milosevic unter ärztlicher Kontrolle. Steckt hinter dem ganzen eine versteckte Taktik?
Vor Weihnachten hatte das Gericht ihm den Wunsch verweigert, in Moskau medizinisch behandelt zu werden, denn die Behandlung sei auch in Den Haag möglich. Man befürchtete keine Rückkehr Milosevics, obwohl Russland hiefür Staatsgarantie gewährleistete hätte.
Der gescheiterte Prozess
Viel zu lange dauerte der Prozess um den Tyrann. 2001 wird Milosevic durch das serbische Parlament unter der Führung des Chefs der Demokratischen Partei, Zoran Djindjic, an das UN-Tribunal überstellt. Der Prozess beginnt am 12. Februar 2002 mit großem Aufsehen in den Medien. Während zu Anfang noch bis zu 100 Journalisten über den Prozess in Den Haag berichten, sind es bis vor seinem Tod nur noch zwei. Zwei serbische Journalisten.
Milosevic verzichtet auf rechtlichen Beistand und auch sonst versucht er alles zu vermeiden, was als Anerkennung des Tribunals gewertet werden kann. Hitzige politische Wortgefechte liefert er sich, bis er vor Gericht unterbrochen wird. Er versucht alles, um den Prozess scheitern zu lassen.
In endlosen Zeugenvernehmungen probiert das Gericht das Geschehen auf dem Balkan wieder lebendig zu machen. Manchmal schien es in Den Haag um den Nachweis einer persönlichen Schuld Milosevic zu gehen und nicht um eine Gesamtgeschichte des Jugoslawien-Krieges. Oft verzettelt sich die Anklagebehörde, anstatt sich auf die wichtigsten Punkte und Zeugen zu konzentrieren.
Slobodan Milosevic stirbt bevor es noch im Frühling dieses Jahres zu seiner Verurteilung kommen konnte. Eine milde Strafe für den Massenmörder Balkans.
Die letzt Ruhestätte
Als die Nachricht über Milosevic Tod im Fernsehen übertragen wurde, waren schon ein paar Stunden vergangen. Der Grund dafür war keine schlechte technische Schwierigkeit sondern die Gleichgültigkeit dem ehemaligen Präsidenten gegenüber. Es brach keine Panik aus. Im Gegenteil: Die Verkehrslage in Belgrad blieb ruhig und die Geschäfte weithin geöffnet.
Nur die sozialistischen Anhänger Milosevics legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und unterschrieben im Kondolenzbuch. Anders ging es einen Tag später zu. Die Stadt war wie leer geräumt. Der 12. März 2006 steht in Gedenken für die Ermordung des Demokraten Djindjic vor drei Jahren.
Noch bevor die Autopsieergebnisse bekannt waren, herrschte tagelang Unklarheit über den möglichen Ort einer Beerdigung. Die Soziaistische Partei Serbiens (SPS), von der einst Milosevic Parteichef war, forderte ein Staatsbegräbnis in Belgrad.
Da jedoch Milosevics Ehefrau Mira Markovic und sein Sohn Marko vor der serbischen Justiz nach Russland geflohen sind, wurde Moskau zusätzlich als örtliche Möglichkeit genannt. „Ein Staatsbegräbnis kommt ebenso wenig in Frage, wie eine Begnadigung der Ehefrau Milosevic“, so Serbiens Präsident Tadic.
Nun ist Slobodan Milosevic beerdigt. In Pozarevac, ungefähr einer Stunde von Belgrad entfernt. Für Pozarevac ist das eine große Ehre, weil hier das parteipolitische Erbe Milosevics am Stärksten ist.
Die Ruhestätte: Unter einer Linde auf dem Grundstück der Villa Milosevic. Die Ehefrau, die Tochter und der Sohn, obwohl dieser die Überfahrt von Amsterdam nach Belgrad organisierte, fehlten.
Die Beerdigungsgesellschaft: SPS-Mitglieder und Menschen in seinem Alter, überwiegend Rentner, deren Kinder Opfer Milosevic waren - ehemalige Kommunisten, eher vom Lande als aus der Stadt, in der Regel mit niedrigerem Bildungsstand. Weiterhin glaubt diese Gesellschaft, sowie auch die sozialistische Partei Serbiens: „Milosevic sei ermordet, wahrscheinlich vergiftet worden.“
Die ideologische Basis der Milosevic-Herrschaft taucht wieder auf: Deutschland und der Vatikan als historische Feinde Serbiens, der Kosovo als Übungsgelände für neue Waffen der Nato, das Haager Tribunal als Serbenvernichtungsapparat.
Neben einem Portrait Slobodan Milosevics hat jemand ein Plakat geklebt, dass ihr politisches Glaubenbekenntnis enthält: „Sie haben Dich entführt und dem Feind ausgeliefert, Du hast die Freiheit und das Leben verloren. Und wir alle und unsere Generation haben die Sklaverei erhalten. Ruhe in Frieden. Lieber im Grabe als Sklave.“
Der kritische Blickwinkel
Andere mag die Nachricht über Milosevic Tod getroffen oder schockiert haben. Bei anderen weckte sie Hassgefühle und schlechte Erinnerungen. Jedenfalls traf sie ein, wie ein Schlag. Vor allzu gar nicht langer Zeit war er und seine Art Politik zu betreiben, ein großes Thema.
Seine Herrschaft brachte vielen Unglück und seine Brutalität Trauer ins Haus. Für jene war die Verhaftung Milosevics vom Europäischen Tribunal ein Stück Gerechtigkeit. Endlich sollte er bestraft werden, für all das, was er Millionen von Menschen angetan hatte - Vertreibungen, Vergewaltigungen, Entführungen, Verstümmelungen, Hinrichtungen und Massaker.
Nun ist der Massenmörder des Balkans, Slobodan Milosevic, tot und ohne jede anerkannte Verantwortung gestorben. Mutmaßliche Teilschuld trägt gewiss das Europäische Gericht, da es zu lange für eine Verurteilung brauchte. Aber Hauptsache ist, dass jemand wie er nicht wieder kommt!
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