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Rechtschreibchaos für Schulen besonders gravierend


08.04.2006 (S. Salzmann) Kategorie: Kultur

Bild: focus.msn.de

Wie beim Lotto die Auswahl der Zahlen nach dem Zufallsprinzip erfolgt, so wird es derzeit auch von vielen Bürgern mit der Rechtschreibung gehandhabt. Verschiedene zugelassene Schreibweisen in der Groß- und Kleinschreibung oder Getrennt- und Zusammenschreibung lassen die Deutschen verzweifeln.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung beschloss am 3. Februar 2006 weitere Änderungen, die nicht nur bei Privatleuten und Unternehmern, sondern auch in den Schulen für Unsicherheit und Verwirrung sorgen.

Die Deutschlehrer der Schulen stehen vor dem Problem, wie sie die Neuregelungen ihren Schülern vermitteln sollen, die den Änderungen mit immer weniger Lernbereitschaft entgegentreten. Was sie ihren Schülern einst an Regeln unterrichtet haben, ist nun nicht mehr gültig.

So soll beispielsweise die Großschreibung von Anredepronomen in Briefen wieder eingeführt werden. Statt dem bisher gewährtem „Was machst du?“ heißt es nun wieder „Was machst Du?“. Auch Wortkombinationen, wie zum Beispiel „Erste Hilfe“ oder das „Schwarze Brett“ sollen nun wieder großgeschrieben werden.

Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rates für Rechtschreibung, erklärte, dass sich in dieser Hinsicht nach dem alltäglichen Sprachgebrauch gerichtet wurde. Ferner beschloss der Rat, dass künftig wieder mehr Wörter zusammengeschrieben werden sollen, wie z. B. „heilig sprechen“ oder „fertig machen“. Bei dem Wort „kennenlernen“ sollen jedoch beide Schreibweisen zugelassen werden.

Nach der Entscheidung der Kultusministerkonferenz vom 30. März 2006 soll die reformierte Version der Reform am 1. August 2006 bundesweit in den Schulen mit einjähriger Übergangsfrist eingeführt werden. Bisher wurden in Nordrhein-Westfalen und Bayern die alten, sowie die neuen Schreibweisen als richtig anerkannt.

Fachlehrer der sich in Sachsen-Anhalt befindlichen Allstedter Sekundarschule äußerten in einem Gespräch folgendes: „Es ist keine Lösung, jedes Jahr neue Änderungen an Altbewährtem vorzunehmen.“ Eine einheitliche Struktur in den verschiedenen Bereichen der Rechtschreibung sei nicht mehr vorhanden, da es zu jeder Regelung auch genug Ausnahmefälle zu beachten gäbe. „Die Fehler, die durch die Nichtbeachtung der Neuregelungen entstehen, führen zu schlechten Leistungen, die für den späteren beruflichen Werdegang der Schüler nicht sehr förderlich sind.“ Weiter sagten sie, dass die Schüler kaum Verbindung zwischen den Regeln und dem allgemeinen Schreibgebrauch ziehen können.

Während von Seiten der Deutschlehrer versucht wird, die Änderungen verständlich zu vermitteln, werden die Neuregelungen von der Schülerschaft weitgehend aus Unwissenheit und Unsicherheit abgelehnt. Nicht nur die Anwendung fällt ihnen schwer, sondern auch die Frage, warum diese Regelung Anwendung findet, stößt bei vielen Schülern auf Verwirrung.

Für Schüler, die nach dem Inkrafttreten der Rechtschreibreform 1998 mit den damals geltenden Regeln unterrichtet worden sind, ist eine Umgewöhnung schwierig. Die bei den Schülern häufig vorherrschende „Null-Bock-Einstellung“ führt nach eigenen Aussagen dazu, dass es ihnen „nicht auf den einen oder anderen Fehler ankommt“. Nach dem Zufalls- oder 50:50-Chance-Prinzip werden Wörter eben zusammen, klein, getrennt oder groß geschrieben.

Aus Sicht des Direktors der Allstedter Sekundarschule sind die ständigen Änderungen in der Rechtschreibreform schon vom finanziellen Aspekt her nicht tragbar, da Regelwerke, Duden, Lehrmittel etc. laufend neu angeschafft werden müss(t)en.

Deutschlands Bürgerinnen und Bürger wünschen sich übereinstimmend eine klare und überschaubare Struktur in der Rechtschreibung, die ein einheitliches System bildet.

Lesen Sie einen weiteren Artikel zu diesem Thema: Chaos bei der neuen Rechschreibung



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