|
Warum wollen wir so oft, was wir nicht sollen? Warum hat das Verbotene einen so unwiderstehlichen Reiz? In manchen Fällen liegt es daran, dass das, was wir für „richtig“ halten, zu dem im Widerspruch steht, was uns die Natur in Form von Instinkten zu tun rät. Das betrifft zum einen die Bereiche Ernährung und Stress (Mammut oder Currywurst? – Instinkte: Die unsichtbaren Kräfte), zum anderen besondere Ausprägungen unseres Sexuallebens.
Sie liebt ihn wirklich. Er ist der Erste, mit dem sie sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Er ist genau der Richtige - eigentlich. Wenn da nur nicht die vielen anderen gutaussehenden Männer wären, die immer wieder ihr Interesse wecken. Ob nicht einer von ihnen noch besser zu ihr passen würde? Jedes Mal, wenn ihr ein anderer Mann gefällt, stellt sie ihre Beziehung in Frage; aber warum?
Ihm geht es nicht besser: Obwohl er mit seiner Freundin glücklich ist, fühlt er sich oft zu anderen Frauen hingezogen. Er findet sie sexy, weiß aber gleichzeitig, dass er keine Beziehung mit ihnen eingehen würde. Warum fällt es ihm dann so schwer, seiner Freundin treu zu bleiben?
In den letzten paar Jahrtausenden haben sich unsere Lebensumstände grundlegend verändert. Unsere Instinkte und angeborenen Verhaltensweisen jedoch sind seit der Steinzeit weitgehend erhalten geblieben. Damals, als der Mensch noch Jäger und Sammler war, als Ackerbau und Viehzucht - und ein ruhiges Familienleben im eigenen Häuschen - noch in unvorstellbar weiter Ferne lagen, wurden die Voraussetzungen für unser Sexualleben geschaffen.
Wer mit wem?
Frauen sind von Natur aus dafür prädestiniert, sich das stärkste und durchsetzungsfähigste „Männchen“ der Horde auszuwählen. Deshalb müssen sie sich heute mit Machos herumschlagen, während die Softies, mit denen das Zusammenleben viel leichter wäre, häufig unbeachtet bleiben.
Bei Männern bewirkt der Urtrieb, dass sie ihren Samen an möglichst viele Partnerinnen weitergeben wollen. Dabei sind junge, fruchtbare Frauen, die gute Versorgungseigenschaften für den Nachwuchs (große Brüste) besitzen, besonders attraktiv. Schließlich ging es um das Fortbestehen der Art.
Widerstreit der Bedürfnisse
Da Jugend ein äußerst vergängliches Gut ist, steht dieses Verhalten unserer modernen Vorstellung von einer monogamen Lebenspartnerschaft im Wege. Wir befinden uns in einem Dilemma: Einerseits sind wir von Natur aus immer auf der Suche nach den besten Genen, andererseits wollen wir eine Liebesbeziehung und sind verletzt, wenn sich der Partner - ebenfalls seinen Instinkten folgend - nach anderen potentiellen Sexualpartnern umschaut.
Dabei sind Frauen nicht weniger triebbestimmt als Männer, sie müssen nur gründlicher selektieren, während es beim Mann hauptsächlich auf die Masse ankommt.
Das Wissen darum, dass Fremdgehen seinen Ursprung in unseren Instinkten hat, gilt aber nicht als Entschuldigung, denn zwischen den Wunsch und die Ausführung hat Gott - oder die Evolution - die menschliche Vernunft gesetzt. Dieses reflektierende Moment schenkt uns die Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen und nimmt dem Instinkt die Ausredenfunktion.
Neue Möglichkeiten in alten Anlagen?
Eine im Rahmen einer Fernsehshow angestellte Untersuchung zeigte, dass uns viele instinktive Verhaltensweisen nicht bewusst sind. So wählen Frauen umso knappere Kleidung, je näher sie ihrem Eisprung sind. Auch wenn die meisten Frauen dessen Zeitpunkt gar nicht kennen. Die Natur kennt ihn und will den günstigen Augenblick nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Vielleicht kann man aber anhand der Länge von spontan aus dem Schrank gezogenen Kleidungsstücken die fruchtbaren Tage bestimmen...? Eine völlig neue Methode zur „Geburtenkontrolle“ wäre geboren.
|