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Seit dem Beginn der Menschheit ist das Thema des Wegziehens und Auswanderns aktuell. Zum Glück bleibt dem heutigen europäischen Auswanderer beim Umzug in ein fernes Land ein überfülltes Schiff erspart, das die Passagiere ins Ungewisse befördert. Beispielsweise wanderten allein zwischen 1846 und 1957 über eine Millionen Deutsche in die USA aus. Die größtenteils aus kleinbäuerlichen Verhältnissen stammenden Auswanderer verließen ihr Land mit der Hoffnung auf bessere Arbeit und dem Wunsch nach größerer Zufriedenheit mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Und die Zeiten waren erbarmungslos, so dass nur die ganz Hartgesottenen fanden ihr Glück.
Der zeitgenössische Auswanderer hingegen kann sich bereits im Vorhinein durch die scheinbar endlosen Informationsquellen wie Bücher, Internetforen, Filme, Gesprächskreise und persönliche Berater informieren, um aus seinem „Traumland“ keinen „Alptraum“ werden zu lassen. Eine intensive Vorbereitung ist obligatorisch, da sie vor allem auch die persönlichen Fragen klären muss. Beispielsweise sollte geklärt werden, wie sich der Aussiedler sein neues Leben vorstellt und ob dies in der Realität auch gewährleistet werden kann.
In den letzten Wintermonaten war der Ausdruck „Auswandern“ wohl eines der favorisierten Suchwörter der Suchmaschinen im Internet. Immerhin träumt jeder dritte Deutsche von einem Leben in einem anderen Land. Laut einer Umfrage im Jahr 2004 des Marplans-Institut in Offenbach (veröffentlicht in W&V Compact 6/2004), liegt Australien auf Platz 1 des männlichen „Traumlandes“ (7,3 %), gefolgt von den USA (6,6 %) und Kanada (4,8 %). Spanien und Italien folgen mit jeweils 4,6 %.
Bei den Frauen spiegelt sich ein etwas anderes Verhältnis wider. Die ersten beiden Spitzenpositionen belegen unsere europäischen Nachbarn Spanien (5,7 %) und Italien (4,2 %). Erst an dritter Stelle steht Australien mit 3,6 % und liegt dabei fast auf derselben Höhe wie die USA mit 3,5 %.
Ein besseres Leben, an einem besseren Ort, bei besserem Wetter sind die am häufigsten genannten Antworten auf die Frage nach dem Grund für den Auswanderungswunsch. Die meisten Auswanderer sind dabei zwischen 18 und 40 Jahren alt und begründen ihren Schlussstrich mit der Heimat vor allem mit der Aussage: „Hier hat man keine richtige Zukunft mehr.“ Diese Ansicht bezieht sich auf die Erwartung in die Rentenkassen einzahlen, selbst aber keine Rente mehr zu erhalten und deswegen gleichzeitig noch privat vorsorgen zu müssen.
Sobald die Entscheidung getroffen ist, dass man seiner Heimat den Rücken zukehren möchte, ist die Entscheidung, in welches Land es gehen soll, der wichtigste Schritt. Die Umsiedlung in ein europäisches Nachbarland ist in Sachen Bürokratie sehr viel unkomplizierter als beispielsweise das Auswandern nach Australien oder Kanada. Anhand vieler Fragen sollte sich der Betroffene klar machen, ob die Situation des Arbeitsmarktes im ausgewählten Land für ihn ideal erscheint, denn sie entscheidet im Endeffekt darüber, ob man sich in einem Land wirklich integrieren kann oder nicht.
Aber auch andere Fragen wie Lohnvorstellungen, die Funktionsweise des Sozialsystems, Kulturunterschiede und andere Dinge, auf die man verzichten muss oder die als Störfaktor hinzukommen könnten, sollten von vornherein gut durchdacht werden. Denn: Das Auswandern bringt nicht nur die gewünschten Vorteile - wie Traumstrände, besseres Wetter - mit sich und schon manch einer ist nach der großen Auslandsenttäuschung in den Schoß des Vaterlandes zurückgekehrt.
Das Umsiedeln innerhalb Europas ist deshalb viel einfacher, da man kein Visum wie in Übersee-Ländern benötigt und in der Regel erst nach drei Monaten eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen muss.
Darüber hinaus ist es von Land zu Land sehr unterschiedlich, in welchen Bereichen und Branchen nach Arbeitnehmer gesucht werden. In Spanien ist der größte Wirtschaftszweig beispielsweise der Tourismus. In dieser Branche sowie im Gesundheitswesen werden Arbeitnehmer gesucht. Hingegen werden in Finnland Ingenieure und Techniker aus der Metall- und der forstwirtschaftlichen Industrie benötigt. Auch Handwerker haben in Finnland gute Karten. Deutschlands Nachbarland - die Niederlande - müssen ihren Bedarf an Call-Centern-Mitarbeitern und im Versicherungs- und Bankengewerbe noch abdecken.
Auch über die Gehälter der zukünftigen Heimat sollte man sich vorher Gedanken machen. Diese liegen in der Regel unterhalb deutscher Gehaltsabrechnungen, obwohl die Lebenshaltungskosten ähnlich sind. In Schweden beispielsweise liegen die Lebenshaltungskosten bei gleichem Lohn etwa 15 % höher als in Deutschland. In Frankreich hingegen sind Bruttolöhne etwa 15 % niedriger als hierzulande, dafür sind die Beiträge zu den Sozialversicherungen geringer. Unter dem Strich ist das Gehaltsniveau beider Länder vergleichbar. Das gilt auch für die Lebenshaltungskosten.
Diese Überlegungen sind nur ein Bruchteil dessen, was Emigranten zu bedenken haben. Ein weiterer Aspekt der „Papierdschungel“ durch den man sich schlagen muss. Er nimmt viel Zeit, Nerven und Geld in Anspruch.
Um ein legaler Einwanderer Australiens zu werden, benötigt man eines der vielen Visa, die sich nach Fachkräften „Skilled Independend Class“ (Unabhängige Einwanderung) oder „Family Sponsored“ (Familienzusammenführungen) unterscheiden. Die Visa für Geschäftsleute („Business Skills“) können auch innerhalb Australiens gestellt werden und unterliegt einer jährlichen Quote von 7.000 Personen.
Ob der Antrag auf Einwanderung genehmigt wird, bestimmt ein gewisses Punktesystem der „Skilled Independend Class“. Die Punkte werden für Kriterien wie Alter, Sprachkenntnisse, Schulbildung, Ausbildung, Beruf, Berufserfahrungen, Bürgen etc. vergeben. Einfacher ist es, wenn der Beruf des Einwanderers auf der „Migration Occupations in Demand List“ steht, die die aktuell gesuchten Berufsrichtungen aufzeigen (zurzeit umfasst diese Liste vor allem medizinische Berufe). Oder man findet eine australische Firma, die einen „sponsored“ und bezeugt, dass sie keinen Australier für diesen Job einstellen kann. Dieser Weg ist allerdings äußerst kompliziert und selten. Weiterhin ist ein Sprachtest natürlich obligatorisch und weitere große und kleine Hürden und Kosten müssen auf dem Weg ins „Traumland“ bewältigt werden.
In vielen Übersee-Ländern gibt es schwierige Anforderungen, die viele Einreisewillige nicht bestehen. Erhält man die Einwanderungserlaubnis nicht beim ersten Mal, so kann man auf eine Warteliste gesetzt werden, die nach einiger Zeit eine vereinfachte Einwanderung ermöglicht.
Das vorherige Informieren und das reale Einschätzen der eigenen Chancen kann große Enttäuschungen und Wartezeit verhindern. Für alle die den Schritt dennoch wagen wollen gilt die Devise: Was man vorher weiß kann / muss man später nicht bedauern!
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