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Bachelor, Master oder Diplom?
15.04.2006 (E. Engelhardt)
Kategorie: Wirtschaft
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Bologna - Universitätsstadt in Norditalien und vor allem für sein Wahrzeichen bekannt: zwei schiefe Türme. Eigentlich nichts Besonderes, doch die Universität in Bologna genießt Weltruf - sie gilt als die älteste in Europa und trägt den Beinamen „la dotta“, „die Gelehrte“. Aus diesem Grund traten Bildungsminister aus 29 Ländern 1999 dort zusammen.
Seitdem steht Bologna für die Reform der europäischen Hochschulen. Der Bologna-Prozess: Bis 2010 wollen die inzwischen 40 europäischen Unterzeichnerstaaten des Bologna-Abkommens die alten Abschlüsse abschaffen und das zweistufige Bachelor-Master-System einführen.
Ziel des Abkommens: Innerhalb der Europäischen Union ein einheitliches Bildungssystem zu führen. Das heißt, Studenten können europaweit einen vergleichbaren Abschluss machen. Auslandsaufenthalte und die Anerkennung der erbrachten Studienleistungen sollen erleichtert werden, des Weiteren soll eine kürzere Studiendauer und auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums erreicht werden.
Ab 2010 soll es in Deutschland statt dem Diplom nur noch den Bachelor und Master geben.
Bachelor bedeutet „Bakkaleures Artium“ oder aus dem englischem „Bachelor of Arts“ und heißt wörtlich übersetzt „Junggeselle“. Der Bakkalaureats-Titel ist der niedrigste akademische Grad. Der Studiengang dauert mindestens drei und höchstens vier Jahre. Im Bakkalaureats-Studium soll ein fachliches und praxisorientiertes Grundlagenwissen geschaffen werden. Studierende sollen sich besonders Methodenwissen, wie beispielsweise Lerntechniken und Projektmanagement aneignen, sowie auch berufsspezifische Kenntnisse. Ein abgeschlossenes Bachelor-Studium qualifiziert zur Berufstätigkeit oder zu einem Master-Studium. Doch Vorsicht, denn nicht zu jedem Bachelor gibt es auch einen vertiefenden Master-Studiengang.
Master, aus dem lateinischem von „Magister“ steht für „Vorsteher / Meister“ und ist der zweite akademische Grad, den Studenten an Hochschulen als Abschluss einer Ausbildung erlangen können. Ein Master-Studiengang schließt an einen Bachelor an und soll mindestens ein Jahr, höchstens zwei Jahre dauern. Er dient zur Vertiefung des vorherigen Studiums oder der Erschließung eines neuen Wissensgebietes. Viele Masterstudiengänge sind zulassungsbeschränkt. Ein Master-Absolvent ist mit einem Diplomand vergleichbar.
Zur Veranschaulichung folgende Grafik:
Nach der Studiengangumstellung des Bologna-Prozesses behalten jedoch die traditionellen Studienabschlüsse, wie Magister, Staatsexamen und Diplom ihre Gültigkeit und werden nicht auf die neuen Abschlüsse umgeschrieben.
Jedoch steht noch nicht fest, wie leicht der Einstieg in den Beruf mit B.A. tatsächlich fallen wird. Experten loben den Bachelor für seine internationale Vergleichbarkeit und große Praxisnähe.
Gleichzeitig muss er sich in den Unternehmen erst bewähren. Gerade bei mittelständischen Unternehmen ist der Bachelor noch unbekannt. Viele wissen mit der Abkürzung B.A. nichts anzufangen und denken es steht für „Berufsakademie“. Die ersten Bachelor-Absolventen drängen sich auf den Arbeitsmarkt, da die meisten regulären Studiengänge 1999 nach Beginn der Hochschulreform gestartet wurden - oder auch nicht.
Aufgrund der Wirtschaftskrise entscheidet sich der größte Teil der Prüflinge für eine Weiterbildung zum Master-Abschluss. Kritiker begründen die mangelnde Akzeptanz des anglo-amerikanischen Hochschulsystems mit den fehlenden Erfahrungswerten. Für sie ist der Bachelor ein „Sparstudium“.
Laut einer Umfrage der Zeitschrift „Junge Karriere“ bevorzugen 30 der größten deutschen Unternehmen weiterhin noch Diplom-Absolventen. Knapp 1/3 (32 %) der Befragten hielten ein Universitäts-Diplom für eine gute Einstiegschance in deutsche Unternehmen. Den Universitäts-Master bewerteten nur 14 %, den Bachelor sogar nur 2 % als gute Einstiegschance.
Dennoch haben B.A.-Bewerber gegenüber ihren Mitstreitern für die Arbeitgeber einen erheblichen Vorteil: Sie sind in der Regel billiger als Diplomanden und können ähnliche Aufgaben erledigen.
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