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Die Berliner Rütli-Hauptschule - eine Schule außer Rand und Band. Tagtäglich flogen hier die Fetzen. Schlägereien, das Demolieren von Türen und Mülleimern, sowie Knallkörpergeschosse. Gewalt, Sex und Tod sind die beliebtesten Gesprächsthemen der Minderjährigen, Gewaltszenen das beliebteste Handybild. Selbst als Reporter auf ihrem Schulhof auftauchen werden sie mit Steinen beschmissen, beschimpft und mit weniger zimperlichen Gestiken in Empfang genommen.
Nichts blieb den Lehrkräften erspart. Besonders diese waren nämlich häufig Ziel der Schüler. Angst vor den eigenen Schülern, Angst, die sogar so weit ging, dass sich das Lehrerkollegium nicht einmal mehr ohne Handy ins Klassenzimmer wagte, um notfalls Hilfe holen zu können. Die Angst stand auf der Tagesordnung. Doch dann war das Maß endgültig voll: In einem Brief baten die verzweifelten Lehrer den Senat um Hilfe. Sogar von einer Schließung der Bildungsstätte war die Rede.
Doch die Rütli-Hauptschule ist mit ihrem Problem nicht alleine. Acht weitere Hautschulen in Berlin schlossen sich nur kurze Zeit später dem Hilferuf ihrer Kollegen an. Experten schätzen die Zahl solcher Problemschulen in ganz Berlin sogar auf über 30.
Während SPD-Bildungssenator Klaus Böger von einer Schulschließung nichts wissen wollte, erklärte er sich bereit, der Schule zusätzliches Hilfspersonal zur Verfügung zu stellen, das Pädagogen, Psychologen und Sicherheitskräfte beinhalten soll. Auch die Anzahl der Lehrkräfte soll erhöht werden. Zudem sollen künftig Ganztagsschulen für eine ausgeglichene Freizeitgestaltung der Jugendlichen sorgen.
Die Bildungs- und Integrationspolitik sei gescheitert, so sagten führende Parteipolitiker einige Tage nach dem Erscheinen des Briefes. Während die Mehrheit der SPD für eine Schließung aller Hauptschulen stimmte, plädierte der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber dafür, dass ausländische Kinder erst dann in eine deutsche Schule aufgenommen werden sollen, wenn sie über ausreichend Deutschkenntnisse verfügen oder aber nebenher einen Sprachkurs besuchen. Andernfalls soll es Sonderschulen für sie geben.
Ganze 80 % der 224 Jugendlichen, die zurzeit die Rütli-Hauptschule, die sich im Berliner Problembezirk Neukölln befindet, besuchen, sind Ausländer. Die meisten von ihnen stammen aus der Türkei, dem früheren Jugoslawien, Polen sowie einigen arabischen Ländern. Sie sind unintegriert und desinteressiert, denn sie haben keine Zukunftsperspektive. 80 % von ihnen verwenden, statt sich im Deutschen zu üben, im häuslichen Umgang weiterhin ihre Muttersprache. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine schnelle Integration der Schüler.
Mit zahlreichen Projektarbeiten versuchen Fachkräfte, das Interesse ihrer Schützlinge zu wecken, sie zu motivieren und ihnen Hoffnung für die Zukunft zu geben. Ein wichtiger Schritt: Die Gründung einer Streitschlichtergruppe. Sie soll den Schülern neue Wege der Problemlösung offen legen und die Gewalt überflüssig werden lassen.
Und vielleicht, wenn die geplanten Maßnahmen eines Tages Früchte tragen, wird eine Hausordnung, die die Schüler auffordert, keine Knallkörper, Messer, Waffen anderer Art oder gar Tränengas mit in die Schule zu bringen, nicht mehr notwendig sein.
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