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New Yorks neue Skyline


12.05.2006 (I. Switil) Kategorie: Welt

Bild: www.theboxtank.com

Nach dem terroristischen Anschlag am 11. September 2001 blieb im Herzen von Ney York ein riesiges Loch. Dort wo einst die „Twin Towers“ - das World Trade Center - standen, liegt nun eine weiträumige Fläche brach. Nach langem Hin und Her wurde inzwischen ein Neubau des World Trade Centers beschlossen.

Der Grundstein am „Ground Zero“ wurde am 4. Juli 2004 (Nationalfeiertag) gelegt. Dieser Stein ist auf schwarzem Granit und ca. 20 Tonnen schwer. Eine Inschrift soll an die 2747 Opfer der Anschläge erinnern. Nun, fast fünf Jahre später, beginnt endlich der Bau.

Einigung für Neubau

Nach einem monatelangen Ringen um den Neubau kamen die Stadt und der Staat New York, sowie die Hafenbehörde am 26. April 2006 einen großen Schritt weiter. Der Investor für den Neubau und Pächter des Grundstücks, Larry A. Silverstein hatte zugesagt, nicht mehr über den „Freedom Tower“ (Freiheitsturm) bestimmen zu wollen. Damit wurden die Forderungen der Stadt und des Staates erfüllt.

Der jüdische Immobilien-Magnat Silverstein hatte das Grundstück drei Monate vor dem Anschlag auf eine Dauer von 99 Jahren von der Hafenbehörde gepachtet. Außerdem hatte Larry Silverstein mit Unterzeichnung des Pachtvertrages auch die Versicherungssumme erhöht und um eine Klausel bezüglich terroristischer Anschläge erweitert.

Alle beteiligten Parteien stimmten einem Vorschlag Silversteins zur Verteilung der Verantwortlichkeiten zu. Ursprünglich wollte der Multimillionär das Projekt alleine umsetzen. Jetzt aber soll Silverstein den Bau der vier von fünf geplanten Gebäude übernehmen, darunter auch den höchsten Wolkenkratzer der Welt - den „Freedom Tower“. Das letzte Gebäude wird von der Hafenbehörde gebaut. Das Bauvorhaben konnte somit begonnen werden.

Startschuss

Nur zwei Tage darauf folgte der Startschuss für den Neubau. Eine Schlange von Baggern rollte am 28. April 2006 die Rampe zum Ground Zero hinab um das Gelände freizuschaufeln. Am Beginn der Bauarbeiten nahmen die Gouverneure der Bundesstaaten New York und New Jersey, George Pataki und Jon Corzine, der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sowie Larry A. Silverstein teil.

Dabei schüttelten sie die Hände der Bauarbeiter, die Helme mit dem Slogan „Freedom Tower World Trade Center“ trugen. Gouverneur Pataki sagte, der „Freedom Tower“ werde „ein Symbol für unsere Freiheit und unsere Unabhängigkeit“ sein. Mit dem etwa 540 Meter hohen Wolkenkratzer gewinne New York seine Skyline zurück.

Das neue Gesicht von New York

Der Berliner Architekt Daniel Libeskind nahm am Wettbewerb um den Neubau des World Trade Centers teil. Mit seinem außergewöhnlichen Entwurf schaffte er es auf den ersten Platz. Der „Freedom Tower“ soll genau 1776 Fuß, in Anlehnung an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, in die Luft ragen.

Obwohl die Büroflächen in luftiger Höhe als schwer vermietbar gelten, wollte der New Yorker Bürgermeister Bloomberg und mit ihm die meisten Bürger seiner Stadt, ein „neues Ausrufezeichen“ für die Metropole: einen auffallenden, herausragenden Bau, wie einst die „Twin Towers“.

Das Besondere an Libeskinds Entwurf: Das Gebäude soll sich leicht um die eigene Achse winden. Das Wohn- und Bürogebäude an sich soll 335 Meter hoch werden und mit 72 Etagen ca. 793.000 Meter Nutzfläche bieten. Somit entfällt die Frage, was man mit den vermutlich leer stehenden Etagen machen könnte. Darüber wird sich eine 122 Meter hohe Gitterkonstruktion befinden, die ein eigenes Windkraftwerk inkludieren soll, welches etwa 20 % des veranschlagten Energiebedarfs des Komplexes decken wird. Die Spitze bildet der 84 Meter hohe Turm in einer Ecke des Gebäudes. Geplant waren ursprünglich ebenfalls Plattformen, ein Restaurant und dekorative, aber teure hängende Gärten.

Libeskind, der kaum Erfahrung im Bau von Wolkenkratzern hat, wurde während der Detailplanung an den Rand gedrängt. Silverstein empfand Libeskinds Entwurf als zu avantgardistisch und brachte deshalb einen anderen Architekten ins Spiel: David Childs überarbeitete Libeskinds Masterplan und realisiert nun den „Freedom Tower“. Childs, der schon viel Erfahrung mit Hochhäusern und den knallharten kommerziellen Vorgaben der New Yorker Bauherren gemacht hat, strich als erstes das Restaurant und die hängenden Gärten.

Die bauliche Umsetzung der Spirale bleibt trotzdem in Deutschland. Denn auf der Suche nach einem geeigneten Bauingenieur für dieses luftige Unterfangen, wandte sich Childs an das Stuttgarter Bauingenieursbüro Schlaich. Im Büro lief die Arbeit auf Hochtouren, da nur vier Monate Entwicklungszeit bis zur Grundsteinlegung blieben.

Der „Freedom Tower“ soll auf dem Dach des Bürokomplexes eine Aussichtsplattform für mutige Besucher bekommen. Bauherr Larry A. Silverstein meint, dass sich niemand im und auf dem „wahrscheinlich sichersten Gebäude der Welt“ fürchten müsse. Der Kern der Turmspitze, der die Konstruktion trägt und die Aufzüge beherbergt, besteht aus zehn Zentimeter dickem Panzerstahl, der laut dem Bauingenieurbüros auch nicht zusammenfällt, wenn ein Flugzeug hinein fliegt.

Mit der Fertigstellung des „Freedom Towers“ wird 2010 gerechnet. Ob überhaupt und wenn ja, für wie lange, das Gebäude das Höchste der Welt sein wird, bleibt offen, denn nach nur wenigen Tagen der Veröffentlichung der Pläne gab Dubai bekannt, das Gebäude mit dem mindestens 560 Meter hohen „Burj Dubai“ das Projekt der Amerikaner übertreffen zu wollen.



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