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EU-Dokumente sollen ins Deutsche übersetzt werden


16.05.2006 (S. Salzmann) Kategorie: Europa

Bild: www.eu-upplysningen.se

„Die deutsche Sprache stärken!“ - Das forderte der Deutsche Kulturrat bereits im März 2003. Die deutsche Sprache müsse - Aussagen des Kulturrates zufolge - einen größeren Stellenwert innerhalb der Europäischen Union bekommen.

Die meisten in der Europäischen Union lebenden Bürger sprechen Deutsch als erste Sprache. Sie ist somit genau wie Französisch und Englisch eine offizielle Arbeitssprache innerhalb der EU. Von der Europäischen Kommission werden allerdings mit steigender Tendenz Arbeitsdokumente vorgelegt, die zwar ins Englische, nicht aber ins Deutsche oder gar Französische übersetzt werden.

Gegen dieses Verhalten protestiert der Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (CDU). Er verfasste einen Brief an den EU-Kommissionspräsident José Barroso mit der Forderung, künftig alle wichtigen EU-Dokumente ins Deutsche übersetzen zu lassen.

Ein Auszug aus dem Brief von Bundestagspräsident Lammert lautete: „Der Deutsche Bundestag hat die feste Absicht, Verträge, Rechtsetzungsakte und andere relevante europäische Dokumente nur dann zu behandeln, wenn sie und die zu ihrer Bewertung notwendigen Texte, wie z. B. die Fortschrittsberichte von Beitrittskandidaten, Kommissionsarbeitstexte oder Texte zur Politikfolgenabschätzung in deutscher Sprache vorliegen.“

Die Dokumente seien nicht nur wichtige Grundlagen für die Beratungen des Bundestages, sondern eine entscheidende Voraussetzung für seine effektive Mitwirkung in den Angelegenheiten der Europäischen Union. Mit den Worten, „Wenn Ihr uns nicht auf Deutsch informiert, werden wir nicht mehr reagieren.“, drohte er Brüssel als Symbol für die deutsche Politik offen mit Boykott.

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßte Lammerts Einwand gegen die zunehmende „Nichtübersetzung“ von EU-Dokumenten ins Deutsche.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Die EU-Kommission beruft sich immer wieder auf die kulturelle Vielfalt und hat sich darum im Jahr 2005 für die Verabschiedung der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt eingesetzt. Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Identität, deren Vielfalt im Sinne der UNESCO-Konvention auch in der Europäischen Union gewahrt werden muss. Es ist daher dringend erforderlich, dass die EU-Kommission sich daran erinnert, nicht nur nach außen kulturelle Vielfalt zu fordern, sondern auch selbst entsprechend zu handeln. Deutsch, Französisch und Englisch müssen als gleichberechtigte Arbeitssprachen innerhalb der Europäischen Union behandelt werden. Ausnahmen darf es nicht geben.“

Über so viel Sprachpatriotismus kann der grüne EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit im Gespräch mit www.tagesschau.de nur den Kopf schütteln. „Europa hat viele Probleme, aber kein Sprachproblem“, so Cohn-Bendit. Er bescheinigt Lammert „einen Bewusstseinsstand von annodazumal“. Das Ganze sei eine „absolut absurde Debatte“. Lammert solle „lieber mal einen Volkshochschulkurs über Europa belegen“, als Probleme zu sehen, wo letzten Endes keine seien.

Auslöser für den Einspruch des Bundestagspräsidenten war die Mitteilung, dass die für Mitte Mai 2006 angekündigten Monitoring-Berichte über die Fortschritte Bulgariens und Rumäniens auf ihrem Weg zum EU-Beitritt nur auf englisch zur Verfügung gestellt werden sollen.

Den gleichwertigen Gebrauch der französischen Sprache in der EU-Kommission forderte auch das französische Parlament.

Ohne Frage ist die Übersetzung der EU-Dokumente in nur eine Sprache kostengünstiger und zeitsparender. Dennoch sollte von der EU-Kommission abgewogen werden, ob es sinnvoll wäre, das deutsche und französische Parlament deswegen gegen sich aufzubringen.



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