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Eisfrei: In 20 Jahren sollen Afrikas tropische Gletscher geschmolzen sein
23.05.2006 (K. Lang)
Kategorie: Wissenschaft
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Schon lange lässt sich ein Schrumpfen der tropischen Gletschermassen auf Afrikas Bergen beobachten. Nun schlagen Klimaforscher Alarm: Die Erderwärmung schreite bedeutend schneller voran, als bisher angenommen und mit ihr auch die Gletscherschmelze. In 20 Jahren soll es südlich des Äquators - mit Ausnahme der Antarktis - kein Gletschereis mehr geben.
Die Untersuchungen am ostafrikanischen Ruwenzori-Massiv gaben den Ausschlag für einen beunruhigenden Bericht der Klimaforscher. Der zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo gelegene Berg ist der dritthöchste Afrikas. Am Ruwenzori sei seit 1960 die Lufttemperatur um rund ein halbes Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen. Dies hat eine beschleunigte Gletscherschmelze zur Folge. Rechnet man, von der aktuellen Schmelzgeschwindigkeit ausgehend, in die Zukunft, so sollen die tropischen Gletschermassen in spätestens 20 Jahren verschwunden sein.
Hoffnung - dem entgegenzuwirken - gäbe es keine, meint der britische Klimaforscher Richard Taylor, der mit seinem Team den Ruwenzori über mehrere Jahre hinweg beobachtete. Eine Umkehr des Temperaturanstiegs sei nicht zu erwarten. Mit dem Gletschereis verschwinden ganze Ökosysteme.
Gebirgsgletscher reagieren am schnellsten auf die Klimaveränderungen der Erde. Sie gelten als Schlüsselindikatoren für Temperaturanstiege. Die Gletscherschmelze ist ein globales Phänomen. Fast auf der ganzen Welt schmelzen die Gletscher in steigendem Tempo. Etwa 2.000 Gletscher im Himalaya-Gebiet sind bereits vollständig verschwunden. Der Kilimandscharo verlor in den letzten 100 Jahren 80 % seiner Gletschermasse. Der Ruwenzori schmilzt sogar noch schneller und hat heute nur mehr ca. 8 % der Masse von vor 100 Jahren.
Gletscherforscher schätzen das Alter der Afrikanischen Gletscher auf ungefähr 11.700 Jahre. Wenn sie geschmolzen sind, ist das „Klimaarchiv“ der Erdgeschichte unwiederbringlich verloren.
Doch nicht nur eine wichtige Quelle für erdgeschichtliche Forschungen geht verloren. Die Gletscherschmelze birgt auch viele Gefahren mit sich. So steigt z. B. der Meeresspiegel an und bedroht viele Küstenregionen. Wüsten breiten sich durch die Klimaerwärmung immer mehr aus und in den vormaligen Gletscherregionen bilden sich große Seen, die Überflutungen verursachen können. Warnsysteme für diese Gefahren gibt es bisher nicht.
Gründe für die Erderwärmung und damit auch für das Schmelzen der Gletscher sind vorrangig die hohen CO2-Emissionen. Sie verursachen die globale Erwärmung, die das gesamt Erdklima verändert und einen tiefgreifenden Wandel nach sich ziehen wird. Bis 5,6 Grad Celsius sei die Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert gestiegen, so Klimaforscher. Man erwartet einen Anstieg des Meeresspiegels um zwischen 11 und 88 cm.
Nur eine drastische Einschränkung der Treibhausgase könnte die Klimaveränderung stoppen oder zumindest abschwächen. Das Kyoto-Protokoll hat eine weltweite Reduktion dieser Emissionen zum Ziel. Viele Staaten beteiligen sich an diesem Abkommen und konnten bereits eine Verringerung der Treibhausgase erreichen. Die USA, der weltweit größte Treibhausgas-„Produzent zeigt sich jedoch nicht bereit, das unter der Regierung Clintons unterzeichnete Abkommen zu erfüllen.
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