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Am Sonntag gab es in Serbien-Montenegro ein Referendum für die Unabhängigkeit Montenegros. Das Ergebnis ist wie erwartet knapp ausgefallen. Nicht erwartet wurde eine dermaßen hohe Wahlbeteiligung. Von den rund 480.000 Wahlberechtigten stimmten 55, 4 % für die Unabhängigkeit Montenegros. Die Wahlbeteiligung lag bei unerwartet hohen 86,3 %.
Nur einen Tag nach der Wahl wurde das Ergebnis bestätigt. Eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten hatte sich am Sonntag für die Souveränität ihres Landes ausgesprochen. Das teilte der Kommissionsvorsitzende Frantisek Lipka am Montag in Podgorica mit. Von der Europäischen Union waren 55 % vorgeschrieben. Die Abstimmung selbst sei frei, fair und ohne Zwischenfälle verlaufen. Lipka äußerte, er habe keine Beschwerden erhalten.
Lipka selbst ist slowakischer Diplomat und wurde von der Europäischen Union mit der Leitung der Wahlkommission beauftragt. Bei der Abstimmung waren rund 3.000 Beobachter im Einsatz, darunter Vertreter des Europarats, des Europaparlaments, der Parlamentarischen Versammlung und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Montenegros Ministerpräsident Milo Djukanovic sprach bereits in der Nacht vom „wichtigsten Tag in der Geschichte Montenegros“. Er verkündete vor seinen Anhängern: „Erlauben Sie mir, Ihnen mitzuteilen, dass Montenegro durch den Willen seiner Bürger seine Unabhängigkeit wiederhergestellt hat.“ Montenegro sei nun ein neuer Staat, ein neues Mitglied der Vereinten Nationen und wolle so bald als möglich auch ein Mitglied der Gemeinschaft europäischer Staaten werden.
Langer Weg zur Souveränität
Bereits vor einem Jahr wurde in Belgrad ein Vorschlag zur Auflösung des Staatenbundes von der montenegrinischen Führung unterbreitet. Damals wurde der Vorschlag jedoch von Serbien kategorisch zurückgewiesen. Der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica sprach sich bis zuletzt gegen die Unabhängigkeit Montenegros aus.
Sollte die Unabhängigkeit von Serbien offiziell bestätigt werden, müssen Europas Landkarten neu gezeichnet werden. Ein neuer Kleinstaat entstünde dann auf dem Balkan, mit nur 650.000 Einwohnern.
Die Wurzeln des heutigen Montenegro liegen im 1042 entstanden, von Byzanz unabhängigem Fürstentum Zeta. Im 12. Jahrhundert gehörte Zeta zum serbischen Reich Nemanjici, das nach dem Tod des Zaren Stefan Dusan unterging. Ende des 14. Jahrhunderts wurde das bis dahin von montenegrinischen Geschlechtern beherrschte Fürstentum von den Osmanen besetzt. Die Bevölkerung sicherte sich jedoch eine gewisse Autonomie. Über drei Jahrhunderte war Montenegro eine Art Theokratie, regiert von den Wladikas (Fürstbischöfe).
1878 erhielt Montenegro zum ersten Mal die Souveränität, diese hielt bis 1918. Ab 1910 galt Montenegro als Königreich. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs stimmte das Parlament für die Vereinigung mit Serbien, die bis jetzt anhielt.
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