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Am Freitag, den 28. April 2006, wurde der Südabschnitt der Wiener Außenring Schnellstraße S1 zwischen Vösendorf und Schwechat freigegeben. Der Spatenstich für die 16,2 km lange Strecke erfolgte am 25. Oktober 2001 mit dem geplanten Bauende Dezember 2006. Das Teilstück war aber in der Rekordbauzeit von nur viereinhalb Jahren fertig. Bereits nach einer Woche war eine Verkehrsentlastung der Tangente durch die S1 merkbar.
Die Vösendorf-Schwechat-Verbindung
Das Teilstück Vösendorf-Schwechat verbindet die A2-Süd-Autobahn mit der A4-Ost-Autobahn. Sie umfasst als Großprojekte fünf Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 4 km, 15 Brückenbauwerke, 6 Grünbrücken und 8 Anschlussstellen.
Vorstandsdirektor der ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstrassen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft), Diplomingenieur Franz Lückler fasste zusammen: „Die gesamte Strecke ist voll ausgebaut, d.h. vierstreifig im Freiland mit Betonleitwänden zur Mittelstreifenabsicherung bzw. zweiröhrig in den Tunneln plus Pannenstreifen. Die Tunnel im Zuge der S1 sind sicherheitstechnisch auf höchstem Niveau ausgeführt: befahr- und begehbare Querschläge, Notruf- und Feuerlöschnischen, Videoüberwachung, Tunnelfunk, Belüftung mit Strahlventilatoren, helle Beleuchtung und Beschichtung, Bordsteinreflektoren, Fluchtwegorientierung. Zusätzlich wurde in Erweiterung zum Stand der Technik in den Tunneleinfahrtsbereichen ein Tageslichtsystem entwickelt, welches dem Auge die Adaptierung an das Tunnellicht erleichtert.“
Kostenpunkt: 430 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte aus den Erlösen der ASFINAG aus Maut, Vignette und LKW-Road-Pricing (LKW Vignetten System, bei dem ein LKW ein Gerät mit sich herum führt, über das die Maut verrechnet wird).
Entlastung der Tangente
Seit der Eröffnung werden pro Tag durchschnittlich 38.000 bis 40.000 Fahrzeuge auf der S1 gezählt. Das sind mehr als erwartet. Ursprünglich hatte man mit rund 36.000 Fahrzeugen gerechnet. Dazu gab Lückler positiv überrascht kund: „Das ist ein großartiger Erfolg und macht deutlich, dass die S1 nicht nur akzeptiert, sondern auch frequentiert wird und damit bereits nach kurzer Zeit spürbar eine Entlastung der Wiener Süd-Osttangente und den zahlreichen Ortsdurchfahrten südlich von Wien beiträgt. […] Rein subjektiv ist der Unterschied kaum zu bemerken, ob 170.000 Fahrzeuge oder 200.000 an einem Tag über die Tangente rollen, für den Verkehrsfluss ist dieser Unterschied aber sehr wesentlich!“
Auch die Zeitersparnis von ca. 20 Minuten ist nicht gering. Fahrer, die von Vösendorf zum Flughafen Schwechat wollen, brauchen für diese Strecke über die S1 im Normalfall nur noch 15 Minuten.
Bedeutung des Regionenrings
Das Teilstück Vösendorf-Schwechat ist ein Abschnitt des geplanten Regionenrings um Wien. „Wien zählt geographisch und wirtschaftlich zu den Top-Standorten der erweiterten EU. Wir brauchen somit mehr denn je eine leistungsfähige Infrastruktur als Element der Transeuropäischen Netze. Der Bahnhof „Wien Europa-Mitte“ und der Regionenring mit seinen Verbindungen zu A4, A5, A6, A22 und A23 haben daher höchste Priorität“, äußerte Diplomingenieur Rudi Schicker, Wiens Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr.
Der Regionenring ist ein Autobahn- und Schnellstraßenring in und um Wien, der im Zuge der Erweiterung des ASFINAG-Netzes in der Ostregion realisiert wird. Er soll als Verbund von mehreren Autobahnen und Schnellstraßen eine verkehrswirksame, sichere und umweltverträgliche Erschließung der „Vienna Region“ gewährleisten. Der Ring soll die West Autobahn A1, Wiener Außenring Autobahn A21, Donauufer Autobahn A22, Wiener Außenring Schnellstraße S1, Stockerauer Schnellstraße S5 und die Kremser Schnellstraße S33 umfassen. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf 2,3 Milliarden Euro.
Stimmen der Politik
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) bestärkte die Wichtigkeit der S1: „Die Fertigstellung des Südabschnittes der gesamten S1 ist ein erster und wichtiger Schritt in der verkehrsmäßigen Erschließung der Ostregion. Im Zuge der EU-Erweiterung ist Wien in das Zentrum Europas gerückt. Gut ausgebaute Infrastruktur fördert nicht nur ein Zusammenwachsen der EU-Mitgliedstaaten, sondern stärkt auch den Wirtschaftsstandort Österreich.“
Auch Verkehrsminister und Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ) ist positiv eingestellt, er betont dabei vor allem den wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit: „Die Fertigstellung dieses Abschnitts führt vor dem Hintergrund des gestiegenen Verkehrsaufkommen zu einer Entlastung der niederösterreichischen Gemeinden und der A23 vom Durchzugsverkehr und durch den vierspurige Vollausbau auf höchstem technischen und baulichem Niveau zu einer weiteren Steigerung der Verkehrssicherheit.“
Trotz des überschwänglichen Lobes der Politiker gibt es zur Eröffnung der Wiener Außenring Schnellstraße auch negative Stimmen. Die Bürgerinitiative „NEIN zur NordostDURCHfahrung“ äußert sich auf ihrer Homepage www.bignot.at gegen die Vollendung des Regionenrings. Dieser solle nicht nur der Umwelt schaden, sondern auch die Lebensqualität verringern. Sie ruft die Bürger auf, sich über das Bauvorhaben zu informieren und regt zum Überlegen an, ob diese Nord-Ost-Umfahrung tatsächlich notwendig ist.
Mag. Wolfgang Gerstl, Verkehrssprecher der ÖVP Wien, ist der Meinung, sie ist es auf jeden Fall: „Die Bilanz der Wiener Außenring Schnellstraße (S1) nach der ersten Woche zeigt deutlich, wie notwendig Umfahrungsstraßen für die Verkehrsentlastung Wiens sind. Jetzt muss schnellstens die N-O-Umfahrung her.“ Er kritisiert dabei aber auch das langsame Vorgehen der SP-Stadtregierung: „Das Anliegen der Wienerinnen und Wiener, die täglichen Staus zu entschärfen, wird einfach aufgrund von SP-internen Meinungsverschiedenheiten hinten angereiht. Jetzt muss die SP-Stadtregierung endlich koordiniert vorgehen und die ASFINAG unterstützen, damit mit dem Bau rasch begonnen werden kann!“
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