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Ohne Fleiß kein Preis? - Weniger Überstunden als vor 10 Jahren
07.06.2006 (S. May)
Kategorie: Wirtschaft
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Mit der momentanen Einstellung der deutschen Bevölkerung wird dieses Jahr wohl kaum ein Preis in der Kategorie „Fleiß“ zu gewinnen sein. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet, dass aktuellen Schätzungen zufolge die Zahl der Überstunden im Jahr 2005 auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen ist.
Demnach leisteten die Arbeitnehmer hierzulande im Jahre 2005 insgesamt 1,44 Milliarden Stunden bezahlte Mehrarbeit. Laut Zeitungsberichten wurden 1995 noch 1,94 Milliarden vergütete Überstunden gemacht. Das ist seit 1995 ein Rückgang um mehr als 25 %. Im Jahr 2005 leistete dem IAB zufolge jeder Beschäftigte insgesamt nur noch 41,7 Stunden bezahlte Mehrarbeit.
Ausschlaggebend für diese Zahlen sei, so das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Forschungsinstitut, die schwache Konjunktur. Des Weiteren verwiesen die Experten auf den wachsenden Einsatz von Arbeitszeitkonten in vielen Unternehmen. Mit diesen sei es leichter möglich, die zusätzlich geleistete Arbeit durch Freizeit auszugleichen.
Die geringere Überstundenzahl hat ihre Ursachen auch in strukturellen und kontinuierlichen Veränderungen des Arbeitsmarktes. Der Anteil an Teilzeitarbeitsplätzen hat in den Branchen Postversand, Bahn und Energiegewerbe zugenommen. Ebenso hat sich das Angebot an Jobs für Frauen vergrößert - auch dort fallen traditionell weniger Überstunden an.
Die genannten Untersuchungsergebnisse stützen sich auf die Zahl der in Deutschland geleisteten Überstunden, die einem Beschäftigungsäquivalent von einer Million Personen entsprechen. Arbeitsmarktexperten warnen aber davor, diese Rechnung anzustellen. Meist seien es hoch qualifizierte Fachkräfte, die diese Überstunden leisteten und oft Spezialisten auf ihrem Gebiet sind.
Ihre Tätigkeiten und Aufgaben seien in diesem Kontext nicht einfach auf andere Arbeitskräfte verteilbar. Angestellte mit hoch qualifizierten Tätigkeiten leisten Berechnungen zufolge fünfmal so viele Überstunden wie ungelernte Beschäftigte.
Gemäß Prognosen der Nürnberger Arbeitszeitexperten wird die Überstundenzahl im kommenden Jahr ungefähr gleich bleiben. „Zwar werde sich die Konjunktur etwas erholen und damit die Mehrarbeit der Beschäftigten leicht zunehmen. Gleichzeitig würden die Arbeitszeiten aber immer flexibler und länger“, heißt es beim IAB.
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