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Deutschlands Studierende in Protestlaune


21.06.2006 (S. Salzmann) Kategorie: Politik

Bild: jan.beckendorf.de

Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Diese lassen sich untergliedern in Existenz-, Kollektiv- und Luxusbedürfnisse. Bildung wird zu den Kollektivbedürfnissen gezählt. Es ist ein Bedürfnis, das zwar nicht zum existenziellen Dasein benötigt wird, dennoch aber für die weitere berufliche Zukunft unabdingbar ist.

Wozu aber würden Sie die Möglichkeit des Studierens zählen? Gehört es mittlerweile durch Einführung von Studiengebühren zu einem Luxusbedürfnis? Nicht jeder ist heutzutage in der Lage, sich ein oder sein begonnenes Studium - egal, ob mit oder ohne Hilfe der Eltern - zu finanzieren.

Weiter ist zu beobachten, dass Deutschland durch die Einführung der Studiengebühren in der Hochschulbildung auf amerikanische Verhältnisse zusteuert.

Proteste in Hessen

Tausende Studierende haben in Hessen im letzten Monat bei Vollversammlungen, Demonstrationen, Rektorats- bzw. Verwaltungsbesetzungen gegen die Pläne der Landesregierung protestiert.

So demonstrierten in Darmstadt bereits nach Öffentlichmachung der Studiengebührenpläne am 5. Mai 2006 Hunderte von Studierenden. Zu der am 10. Mai 2006 stattgefundenen Vollversammlung an der Hochschule Darmstadt kamen 1.800 Studenten (das entspricht ungefähr 20 Prozent der Immatrikulierten).

Am 9. Mai 2006 fand an der Fachhochschule in Frankfurt am Main eine studentische Vollversammlung statt. Im Anschluss daran zogen über 1.000 Studierende durch die Stadt zur Universität, wo sich weitere Studierende der spontanen Demonstration anschlossen. Einen Tag darauf fand an der Frankfurter Universität ebenfalls eine studentische Vollversammlung statt, zu der 6.000 Studierende anwesend waren.

An der Fuldaer Fachhochschule trat am 15. Mai 2006 als erste hessische Hochschule in den Streik. Dies beschloss eine Vollversammlung vom 11. Mai 2006, an der über 1.500 Studentinnen und Studenten teilnahmen. Unter anderem wurde auch die Straße besetzt, um betroffenen Autofahrern auf die Situation an den Hochschulen und die Gebührenpläne aufmerksam zu machen.

In Gießen fand am 26. April 2006 bereits eine Spontan-Demo gegen Studiengebühren statt. Anschließend tagte der Senat der Universität Gießen in Anwesenheit von 1.000 Studierenden und nahm bei nur einer Gegenstimme eine Resolution an, in der er sich gegen die Einführung von Studiengebühren aussprach.

Ganz besonders angespannt ist die Lage in Marburg. Dort besetzten Studentinnen und Studenten seit 8. Mai 2006 die Hochschulverwaltung ihrer Universität. Mit dieser Handlung äußerten die Studierenden ihren Unmut gegenüber der Hochschulleitung, die sich mehrfach für Studiengebühren ausgesprochen hat.

Bei der am 11. Mai 2006 stattfindenden Marburger Vollversammlung waren ungefähr 1.500 Studierende anwesend. Im Anschluss an diese fand eine spontane Demonstration mit 4.000 Teilnehmern statt. Im Verlauf dieser wurde unter anderem über vier Stunden lang eine Autobahnkreuzung besetzt, sodass die Demo schließlich von der Polizei gewaltsam aufgelöst wurde. Zum Einsatz kamen hier Schlagstöcke und Tränengas.

Demonstrationen in Nordrhein-Westfalen

Noch etwas gravierender als in den hessischen Städten ging es am 11. Mai 2006 an der Universität Duisburg-Essen zu, als knapp 300 protestierende Studierende das Rektorat der Universität am Campus Duisburg besetzten. Die Studenten forderten die Rücknahme des Senatsbeschlusses zu Studiengebühren. Die Hochschulleitung schenkte dem Treiben jedoch wenig Beachtung und ließ das Rektorat noch am gleichen Tag durch die Polizei räumen. Dabei wurde von 47 Festnahmen berichtet. Dennoch sollen weitere Aktionen geplant sein.

In Köln wurde nach der Besetzung des Universitätsrektorats am 11. Mai 2006 aus Protest gegen die Landesregierung die Zentrale von CDU und FPD blockiert.

An der Universität Paderborn besteht seit dem 11. Mai 2006 eine Mahnwache. Grund dafür ist, dass sich der Rektor der Paderborner Universität weigert, die entscheidende Senatssitzung, bei der über Studiengebühren entschieden werden soll, zu einem akzeptablen Zeitpunkt einzuberufen.

Bei der Siegener Universität wurden am 11. Mai 2006 von einer Gruppe Studierender Teile des Verwaltungsgebäudes besetzt. Der derzeitige Rektor, Herr Schnell, bewegt sich auf die Studenten zu und hat die entscheidende Senatssitzung für den 18. Mai ins Audimax verlegt.

Schleswig-Holsteins Studentenschaft protestiert

Ende Mai gab es auch in Schleswig-Holstein an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel als auch an vielen anderen Hochschulen Proteste von Studierenden, die sich gegen die Einführung von Studiengebühren aussprechen. Die CDU will im Gegensatz zur SPD Studiengebühren einführen. Solange aber die SPD auf ihrem Standpunkt beharrt, kann die Koalition keine Erhebung von Studiengebühren vornehmen. Dennoch wird bereits ein Gesetzesentwurf vorbereitet.

Am 31. Mai 2006 demonstrierten in Kiel fast 2.000 Studierende vor dem schleswig-holsteinischen Landtag.

Für Tausende Studentinnen und Studenten, die bereits durch steigende Lebenshaltungskosten und hohe Mieten belastet sind, bedeuten die zusätzlichen Studiengebühren, dass sie sich eine Universitätsausbildung kaum noch leisten können und dass diese zum Luxus wird.

Welchen Standpunkt vertreten Sie? Wir laden Sie herzlich dazu ein unser Forum zu besuchen und dort darüber zu diskutieren. Darüber hinaus können Sie in den kommenden Wochen zwei weitere Artikel zu diesem Thema.



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