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Kaiserschnitt - Geburt nach Wunsch


23.06.2006 (M. Tremschnig) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.urbia.de

In Deutschland entscheidet sich heute bereits jede dritte Frau für einen Kaiserschnitt, um ihrem Baby, bzw. ihren Kindern auf die Welt zu helfen. Zugegebenermaßen ist eine Schnittentbindung eine bequemere und wesentlich weniger schmerzvolle Geburtsmethode als die „übliche“ Entbindung. Aber wie bei jedem operativen Eingriff muss auch mit Risiken und Konsequenzen gerechnet werden.

Einst galt der Kaiserschnitt als letzte Möglichkeit, um Baby und Mutter das Leben zu retten, bzw. zu erhalten. Heute hat dieser operative Eingriff maßgeblich an Schrecken verloren. Viele Mütter entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen bewusst für einen Kaiserschnitt.

Einerseits kann der Geburtstermin exakt festgelegt werden, andererseits spricht natürlich die weitgehend schmerzlose Methode für sich - vor allem, wenn es sich um eine Mehrlingsgeburt (z.B. Zwillinge) handelt. Indem man die untere Bauchdecke und die Gebärmutter aufschneidet, befördert man den Nachwuchs ans Tageslicht. Die Mutter befindet sich während dieses Vorganges unter regionaler Betäubung, unter deren Einfluss sie die Entbindung jedoch mitverfolgen kann.

Es gibt allerdings einen wichtigen sozialen Aspekt, der bei der Entscheidungsfrage „natürliche Geburt versus Kaiserschnitt“ nicht außer Acht gelassen werden sollte: Keine Mutter, die natürlich entbunden hat, wird jemals den Moment vergessen wenn sie ihr „frisch gebackenes“ Kind zum ersten Mal im Arm hält und sie eine Woge des Glücks erfasst, in der sogenannte Endorphine (Glückshormone) und Adrenalinausschüttungen die Kontrolle übernehmen.

In diesem Moment sind sowohl Mutter als auch Kind hellwach und eine intensive Bindung tritt ein, die für die spätere gute Beziehung entscheidend ist. Dieses Gefühl erlebt eine Mutter, die sich gegen eine natürliche Geburt entscheidet, oftmals durch medikamentösen Einfluss und regionaler Betäubung nur gedämmt.

Trotzdem „boomt“ der Kaiserschnitt in Deutschland weiter. Während 1994 nur 17,34 % aller Entbindungen via Kaiserschnitt durchgeführt wurden, waren es 2004 bereits 26,82 %. Dieser starke Anstieg basiert auf der Tatsache, dass sich viele Frauen einen Kaiserschnitt „wünschen“. Die meisten Kliniken akzeptieren diese Tatsache und gehen auf individuelle Vorstellungen der Mütter in spe ein.

Weiter geht man davon aus, dass sich die Anzahl der Mütter, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, weiter zunehmen wird. Vor allem, da der Kaiserschnitt heute statistisch genau so sicher ist wie eine natürliche Geburt und Mutter wie Kind (in der Regel) nach zwei bis drei Tagen bereits nach Hause können. Finanziell muss beim Kaiserschnitt mit einer Belastung von ca. 4.000 Euro gerechnet werden, für eine natürliche Entbindung sind im Gegensatz dazu „nur“ ca. 1.000 Euro aufzubringen.

Die erhöhten Kosten für den Kaiserschnitt entstehen dadurch, dass mehr Personal für eine Schnittentbindung geordert werden muss. Der natürliche Geburtsvorgang erfordert nur die Anwesenheit eines Arztes und einer Hebamme. Für den Kaiserschnitt müssen dagegen ein zusätzlicher Geburtshelfer, Pflegekräfte und ein Anästhesist anwesend sein. Im Wesentlichen übernimmt jedoch die Krankenkasse alle anfallenden Kosten, die eine Schwangerschaft verursacht.

Normalerweise wird ein Kaiserschnitt vorzeitig geplant, z.B. wenn eine natürliche Geburt aus anatomischen Gründen nicht möglich ist oder während der späten Schwangerschaft Komplikationen auftreten. Wenn sich das Baby in einer anormalen Lage befindet, der Fötus noch zu klein oder die Geburt schlichtweg für Mutter und Kind zu anstrengend wäre, wird ebenfalls eine Schnittentbindung durchgeführt.

Aufgrund der Überernährung und daraus resultierender Gewichtszunahme werden heutzutage auch Babys auf diese Art entbunden, die über vier Kilogramm wiegen und somit für eine natürliche Geburt zu schwer, bzw. zu groß wären. Weiter befürchten viele Frauen, eine Vaginalgeburt könne das Sexleben durch einen beeinträchtigten Beckenboden gefährden.

Ein geplanter Geburtstermin hat für Kliniken nur Vorteile. Im Gegensatz zu einer natürlichen Geburt, in der die Wehen der zukünftigen Mutter zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten können, ist der Entbindungstermin beim Kaiserschnitt bis auf die Minute genau festgelegt und wird vor Eintritt der Wehen durchgeführt.

Nichts desto trotz ist ein sinnvolles Abwägen beider Möglichkeiten zu empfehlen, da beim Kaiserschnitt prinzipiell mehr „Nebenwirkungen“ auftreten können.

Welche Komplikationen können auftreten?

- Nach der Operation kann es in den Atemwegen der Neugeborenen zu „Verstopfungen“ kommen, da sich in der Lunge noch Fruchtwasser befindet. Zumeist ist dies jedoch eine Komplikation, die sich noch vor Ort, vom (immer anwesenden) Kinderarzt, beseitigen lässt.

- Nachfolgende Geburten können durch einen vorangegangenen Kaiserschnitt negativ beeinflusst werden. Es droht die Gefahr, dass die Narbe, die der operative Einschnitt hinterlässt, auf dem nicht mehr so dehnbaren Gewebe aufbricht. Zudem kann die Narbe für Mutter und Kind gefährlich werden, da sich der Mutterkuchen in die Narbe „einnisten“ kann. Reißt der Mutterkuchen ab entsteht eine lebensgefährliche Situation für den Säugling, da die Luft- und Nährstoffversorgung „gekappt“ ist. Das Kind könnte ersticken!

- Eine Narbe im Bereich der Bikinizone ist obendrein nicht risikolos. Sie kann Verwachsungen bilden, die eine zukünftige Operation im unteren Bauchraum erschweren kann.

- Infektionen, Blutungen oder Thrombosen treten nach einem Kaiserschnitt häufiger auf. Moderne Medikamente halten dieses Risiko jedoch sehr gering.

- Eine britische Studie besagt zudem, dass nach einem Kaiserschnitt in einer folgenden Schwangerschaft das Risiko einer Totgeburt „eindeutig höher“ liegt.

Resümee

Ein Kaiserschnitt ist sicher eine bequeme Methode sein Kind schmerzlos auf die Welt zu bringen, jedoch sollte diese Form der Entbindung nicht Überhand nehmen. Heutzutage ist es mit Verabreichung von modernen Medikamenten bereits möglich, auf natürlichem Wege eine ebenso schmerzfreie Geburt zu erleben nach der man sich viel schneller erholt und fit fühlt.

Nicht außer Acht zu lassen ist auch der ursprüngliche Gedanke, den eine Schnittentbindung verfolgt: Nachkommen gesund auf die Welt zu verhelfen, die auf natürlichem Wege vielleicht keine Chance gehabt hätten, unbeschadet den ersten Schrei zu tun.



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